Strom-Blackout RWE schätzt Schaden auf 35 Millionen Euro

Der tagelange Stromausfall in nordrhein-westfälischen Regionen ist laut Stromanbieter RWE nicht auf marode Masten zurückzuführen. Ein Gutachter soll die Überlandstützen nun analysieren. So lange das Ergebnis nicht vorliegt, geht RWE davon aus, keinen Schadenersatz zahlen zu müssen. Auch EnBW und Eon checken aber ihre Masten.

Essen - Der Energieversorger RWE  hat erneut eine Verantwortung für die Stromausfälle im Münsterland zurückgewiesen. Die Schäden an den Masten seien nach heutiger Erkenntnis auf die extreme Wettersituation zurückzuführen, teilte RWE Energy am Dienstag in Essen mit.

Zur Frage der Haftung sagte Vorstandschef Berthold Bonekamp: "Bevor wir uns endgültig äußern, wollen wir die Ergebnisse der Gutachter haben. Wenn da eine Schuld ist, müssen wir uns der auch stellen, aber ich sehe die nicht." Der Bericht dieser Gutachter soll Basis sein für Gespräche mit Politik und Bundesnetzagentur.

Durch den jüngsten Wintereinbruch und die anschließenden Stromausfällen in Nordrhein-Westfalen schätzt RWE die eigenen Schäden auf mehr als 35 Millionen Euro ein. Bereits am Montag war bekannt geworden, dass der Stromausfall im Münsterland nun auch die Gerichte beschäftigt. Das Amtsgericht im münsterländischen Steinfurt gab auf Antrag eines Landwirtes aus Ochtrup ein Expertengutachten über die Stabilität der Masten in Auftrag.

War der Stahl ermüdet oder stabil?

Die Expertise eines Fachmanns der Bochumer Ruhruni soll klären, ob die umgestürzten Masten der RWE-Stromleitung zwischen Gronau und Metelen den Stabiltätsanforderungen entsprachen oder ob Materialermüdungen vorlagen. Der Landwirt beziffert seinen Schaden durch den Stromausfall auf 2000 Euro. Er beantragte bei Gericht ein so genanntes selbstständiges Beweisverfahren, das zur Vorbereitung eines späteren Schadenersatzprozesses dienen kann.

Bonekamp wies erneut Kritik am Vorgehen des Konzerns bei den Stromausfällen und am Zustand der Stromnetze und -masten zurück. RWE spare nicht an den Netzen und spare nicht an der Sicherheit, sagte er. Auch gebe es keine finanziellen Limitierungen des derzeit laufenden Programms zur Sanierung der Strommasten. Zu Haftungsfragen äußerte sich Bonekamp zunächst nicht.

EnBW will jeden siebten Strommast erneuern

Der viertgrößte deutsche Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW  ) sieht sich nach dem tagelangen Stromausfall beim Konkurrenten RWE im Münsterland nicht unter Handlungsdruck.

Das Unternehmen verweist auf ein umfangreiches Erneuerungsprogramm, wonach zwischen den Jahren 2000 und 2010 jeder siebte seiner 22.000 Strommasten erneuert werden soll.

"Wir überprüfen unser Netz ständig und haben keine Defizite", sagte ein Konzernsprecher am Dienstag mit Blick auf die Tragfähigkeit der Strommasten. Über die Kosten für Instandhaltung und Erneuerung des Stromnetzes wollte er keine Angaben machen. Die gesamten Investitionen in das Stromnetz beliefen sich in den kommenden fünf Jahren auf eine Milliarde Euro. Darin seien auch Ausgaben für Neuinvestitionen enthalten.

Eon untersucht Masten per Laser

Auch der Energiekonzern Eon  verwendet Strommasten aus anfälligem Stahl. Ein Sprecher von Eon Energie in München teilte am Dienstag auf Anfrage mit, dass von rund 22.000 vor 1965 errichteten Strommasten zwischen drei und fünf Prozent entweder vollständig oder teilweise aus so genanntem Thomasstahl bestehen.

"Wir kennen das Thema Thomasstahl seit den 60-er Jahren", fügte der Sprecher hinzu. Nach zwei Mastschäden in den vergangenen Jahren habe der Konzern ein Austauschprogramm aufgelegt, das in diesem Jahr zu 90 Prozent abgeschlossen sein solle. Zudem würden die Masten regelmäßig kontrolliert und dabei unter anderem mit modernen Lasertechniken untersucht. Eon verwies zugleich darauf, dass weniger als ein Drittel sämtlicher Strommasten des Konzerns vor 1965 gebaut worden seien.

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