Exporte Russland verknappt das Öl für Europa

Der Chef des größten russischen Ölkonzerns Lukoil hat Europas Verbraucher auf steigende Ölpreise eingestimmt. So günstig wie jetzt wolle er das schwarze Gold künftig nicht mehr weggeben, denn die Chinesen haben höheren Bedarf angemeldet.

Moskau - Eigentlich müsste das russische Urals-Öl "deutlich teurer sein als es jetzt ist", sagte Wagit Alekperow dem "Handelsblatt" (Montag). "Wir werden dafür sorgen, dass Europa nicht mehr mit russischem Öl überversorgt wird."

Neue Pipelines nach China würden russisches, kasachisches und aserbaidschanisches Öl von Europa weg und nach China leiten. Dann werde der inzwischen bis zu sieben Dollar betragende Preisabschlag für Urals gegenüber dem Nordseeöl Brent nach Alekperows Einschätzung "wie früher nur 50 bis 70 Cents betragen".

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin hatte kürzlich den Preisabschlag für russisches Öl als "unfair" bezeichnet und für Urals den Brent-Preis verlangt. Dabei kassiert Russland in diesem Jahr eine Flut von Petrodollars ein. Trotz einer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich geringeren Liefermenge exportierten russische Konzerne in den ersten neun Monaten 2005 Öl im Wert von 60,1 Milliarden Dollar. Im gesamten Vorjahr brachten die Ölausfuhren ihnen nur 59 Milliarden Dollar ein. Im Schnitt bezahlen die Europäer inzwischen für einen Barrel (159 Liter) Urals-Öl 52 Dollar.

"Wir rollen Europa von West nach Ost auf"

Alekperow kündigte an, Lukoil einen radikalen Wachstumskurs zu verordnen. Bereits im kommenden Jahr wolle der Konzern Förderprojekte im Irak wieder aufnehmen. Bis 2007 solle der Tagesausstoß von Öl und Gas von heute zwei auf 2,5 Millionen Barrel steigen, heißt es in dem Bericht weiter.

Zuletzt waren die russischen Zuwachsraten der Rohölproduktion wegen der staatlichen Angriffe auf den Ölkonzern Yukos deutlich gesunken. Alekperow erneuerte das Interesse von Lukoil an Raffinerien und Tankstellennetzen in Westeuropa: "Wir rollen Europa von Ost nach West auf", sagte er.

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