Samstag, 19. Oktober 2019

Merck & Co. Jobabbau nach Vioxx-Skandal

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. will weltweit etwa 7000 Stellen streichen und damit in den nächsten Jahren Kosten in Milliardenhöhe sparen. Fünf Standorte sollen geschlossen oder verkauft werden. Das Unternehmen sieht sich rund um den Globus mit tausenden Schadenersatzklagen wegen seines Schmerzmittels Vioxx konfrontiert.

Whitehouse Station - Der durch den Skandal um das Medikament Vioxx in Nöte geratene US-Pharmahersteller Merck & Co. Börsen-Chart zeigen will bis Ende 2008 etwa 7000 Arbeitsplätze streichen. Damit fallen elf Prozent aller Stellen weg, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Etwa die Hälfte der Stellen soll an US-Standorten abgebaut werden, der Rest in anderen Ländern. Merck hat derzeit weltweit 63.000 Beschäftigte.

Skandal-Medikament Vioxx: Der Pharmakonzern Merck & Co. steckt in der Krise
Von seinen weltweit 31 Produktionsstätten will Merck fünf schließen oder verkaufen. Die Produktion an weiteren Standorten sollen reduziert werden. Die deutsche Vertriebstochter MSD ist nach Angaben eines Sprechers nicht betroffen. Merck erwartet durch den Schritt bis 2010 vor Steuern Einsparungen von insgesamt 3,5 bis vier Milliarden Dollar.

"Die Maßnahmen, die wir heute ankündigen, sind ein wichtiger erster Schritt um Merck so aufzustellen, dass das Unternehmen den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen begegnen kann", erklärte Clark. Sie betreffen vor allem die Produktion und damit den Bereich, den Clark vor seinem Aufstieg zum Firmenchef leitete. Rund zwei Milliarden Dollar an Spareffekt erhofft sich das Management allein hier. In den nächsten drei Jahren wolle Merck eine schlankere, weniger Kosten verursachende und stärker auf die Kunden ausgerichtete Produktion haben, teilte das Unternehmen mit.

Merck erwartet 2006 einen Gewinnrückgang von mindestens 4,4 Prozent, da zur Jahresmitte in den USA der Patentschutz für den lukrativen Cholesterinsenker Zocor ausläuft. Vor Steuern wird das Sanierungsprogramm Merck voraussichtlich in diesem Jahr 350 bis 400 Millionen Dollar kosten. Der Aufwand für 2006 liege bei etwa 800 Millionen bis einer Milliarde Dollar, teilte der Konzern mit.

Das Unternehmen steckt in Schwierigkeiten, seit es das Schmerzmittel Vioxx im September vergangenen Jahres vom Markt nehmen müsste. Eine von der US-Arzneimittelbehörde FDA in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Schluss, dass das Medikament bis zu 27.785 Herzattacken und Todesfälle verursacht haben könnte. Im August wurde Merck von einem texanischen Gericht zur Zahlung von 253,4 Millionen Dollar an die Witwe eines Mannes verurteilt, der nach der Einnahme von Vioxx gestorben war. In einer anderen Vioxx-Klage vor einem Gericht in New Jersey bekam Merck dagegen vor einigen Wochen Recht.

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