Deutsche Bahn Berlin - Hamburg, einfache Fahrt

Die Deutsche Bahn will ihren Hauptsitz von Berlin nach Hamburg verlegen. Zugleich wird geplant, dass sich die Bahn mit einem erheblichen Anteil an der Hamburger Hafengesellschaft HHLA beteiligt, um ihre Position als eines der weltweit führenden Logistikunternehmen zu stärken.

Hamburg - Die Konzernspitze der Deutschen Bahn denkt über einen Umzug von Berlin nach Hamburg nach. Entsprechende Verhandlungen zwischen dem Hamburger Senat und dem Bahn-Vorstand liefen "diskret" seit Monaten, sagte der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Bahn-Sprecher Werner Klingberg bestätigte die Überlegungen. Es sei vorstellbar, dass der Vorstand seinen Sitz in die Hansestadt verlagere. Das bundeseigene Verkehrsunternehmen hat seit 1994 seinen Hauptsitz in Berlin.

Die Verhandlungen seien auf einem "Erfolg versprechenden Weg", hieß es in wortgleichen Erklärungen von Bahn und Senat. Beust geht davon aus, dass in naher Zukunft eine Absichtserklärung unterzeichnet werden könne. "Es steht fest, dass der Bahn-Vorstand schon informell grünes Licht gegeben hat."

Auch der Aufsichtsrat der Bahn sei mit den Plänen einverstanden. Allerdings bestehe die Gefahr, dass die Politik die Pläne vereitele, weil Berlin mit einem Umzug der Bahn-Zentrale von der Spree an die Elbe etliche Arbeitsplätze verliere. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist laut Beust bereits informiert. "Wenn sie klug ist, hält sie sich zurück", sagte der Bürgermeister auf die Frage, welche Haltung die neue Regierungschefin zu dem Thema einnehme.

Nach Beusts Worten hängen an dem Umzugsplan deutlich mehr als 1000 Arbeitsplätze sowie Investitionen im "deutlichen dreistelligen Millionenbereich" in der Hansestadt. Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) bezeichnete die Umzugspläne als einen entscheidenden Testfall für die Börsenfähigkeit der Bahn.

Daran zeige sich, ob die Bahn als Unternehmen strategische Entscheidungen frei und ohne politische Einflussnahme treffen könne. Aus ökonomischer Sicht sei Hamburg als weltweit bedeutende Logistikdrehscheibe ein "geradezu natürlicher Standort" für die Bahn, heißt es in den Mitteilungen von Bahn und Senat.

Neben der Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) will sich die Bahn auch an der Hamburger Hochbahn AG (HHA) beteiligen, die in Hamburg vor allem die U-Bahn und den Busverkehr betreibt. Wie hoch diese Beteiligung ausfallen soll, ist noch offen. "25 Prozent ist zu wenig, 75 Prozent ist zu viel", sagte von Beust lediglich.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat unterdessen die Überlegungen der Deutschen Bahn scharf kritisiert, ihre Zentrale aus der Hauptstadt nach Hamburg zu verlegen. Dies wäre "ein schwer wiegender Schlag für die ganze Region", erklärte Wowereit und rief Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Eingreifen auf.

Er könne sich nicht vorstellen, dass der Vorstand der Bahn einen derartigen Umzug allein verantworten könne, sagte der SPD-Politiker. "Eine derart wichtige Entscheidung kann nicht ohne das ausdrückliche Einverständnis des Eigentümers erfolgen." Er fordere von der Bundesregierung mit Kanzlerin Merkel an der Spitze den Einsatz für den Erhalt von Arbeitsplätzen im strukturschwachen Ostdeutschland.