Sonntag, 16. Juni 2019

Dienstschluss mit 53 Daimler schlank, Deutschland krank

Großkonzerne wie DaimlerChrysler bieten ihren Angestellten sechsstellige Prämien, wenn sie mit 53 Jahren ihren Job aufgeben. Den Staat kommt die Schlankheitskur der Global Player teuer zu stehen: Er hilft notgedrungen, die Kosten der Unternehmen zu drücken. Eine Gesetzesänderung treibt die Konzerne nun zur Eile.

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Hamburg/Stuttgart - Max Mustermann (fiktiver Name, die Redaktion) hat Grund, sich rasch zu entscheiden. Falls der 53-jährige Mercedes-Mitarbeiter noch bis Ende dieses Jahres seinen Arbeitsplatz aufgibt, zahlt ihm DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen zusätzlich zu einer stolzen Abfindung voraussichtlich einen so genannten Turbo-Zuschlag von 10.000 Euro.

DaimlerChrysler hatte anfangs geplant, diese Frühpensions-Variante erst zum 1. Februar 2006 anzubieten. Nun prüft der Konzern, der in Deutschland 8500 Arbeitsplätze abbauen will, diese Regelung bereits vorher anzubieten - mit gutem Grund, denn auch der Konzern kann auf diese Weise Geld sparen.

Der Grund: Neben der Abfindung von Mercedes bekommt Mustermann von der Bundesagentur für Arbeit - nach einer Sperrfrist von üblicherweise drei Monaten - noch 26 Monate lang Arbeitslosengeld I. Bei Ledigen sind das 60 Prozent, bei Verheirateten 67 Prozent des letzten pauschalierten Nettogehaltes. Ab 1. Februar 2006 gibt es aber weniger Geld vom Staat. Eine Gesetzesänderung sieht zumindest vor, die Bezugsdauer für 52- bis 55-Jährige ab 1. Februar 2006 von 26 auf zwölf Monate zu verkürzen.

Zögert Mustermann also mit seiner Entscheidung und verlässt er den Konzern erst im Frühjahr 2006, geht voraussichtlich nicht nur der Turbo-Zuschlag vom Daimler flöten. Auch von der Bundesagentur bekommt er dann nur noch zwölf Monate lang Arbeitslosengeld.

Für DaimlerChrysler ist dies betrüblich. Schließlich sehen die Frühpensionierungspläne des Konzerns vor, das von der Bundesagentur gezahlte Arbeitslosengeld I mit der Abfindung des Konzerns zu verrechnen. Zahlt der Bund künftig weniger, muss Daimler mehr zahlen.

Der Staat hilft Konzernen beim Sparen

Kaum vorstellbar, dass dieser Gedanke in den Personalgesprächen von DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen, Siemens Börsen-Chart zeigen oder Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen derzeit keine Rolle spielt. Nicht nur DaimlerChrysler hat handfeste Gründe, die Frühpensionierungsregelung früher als geplant anzubieten: Auch Siemens dürfte den Stellenabbau noch in diesem Jahr beschleunigen.

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In unserem fiktiven Beispiel würde der 53-jährige verheiratete Mustermann insgesamt 44.000 Euro aus der Staatskasse erhalten. Bei angenommenen 4000 Euro brutto und rund 2500 Euro Nettogehalt käme er auf rund 1700 Euro Arbeitslosengeld I pro Monat, das - noch - 26 Monate lang gezahlt wird. Sollte die Bezugsdauer auf zwölf Monate gesenkt werden, sind es insgesamt nur noch 20.000 Euro.

24.000 Euro mehr für den Jungrentner aus der Kasse der Bundesagentur hieße dann auch eine um 24.000 Euro geringere Abfindungszahlung - vor diesem Hintergrund kann der Konzern großzügig Turbo-Prämien für schnell entschlossene Jungrentner bieten und dennoch viel Geld sparen.

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