Mittwoch, 13. November 2019

Schifffahrt Eine Steuer, die alle lieben

Ob Reichensteuer oder Mehrwertsteuer – fast alles, was in Deutschland derzeit mit dem Fiskus zusammenhängt, hat einen negativen Beigeschmack. Doch es geht auch anders: Die Tonnagesteuer zaubert Reedern und Fondsgesellschaften schon seit Jahren ein Dauergrinsen ins Gesicht.

Boomregion Hamburger Hafen: Die Elbmetropole gilt als Welthauptstadt der Schiffsfinanzierung

Berlin - Der Koalitionsvertrag hat vielfach harsche Kritik geerntet. Ein hörbares Aufatmen war dagegen aus der Welt der Schifffahrt zu vernehmen. Die Reeder an der Hamburger Elbchaussee freuen sich vor allem über Punkt 6.4 des Koalitionsvertrages. Denn dieser besagt, dass die so genannte Tonnagesteuer zur Stärkung des maritimen Standortes erhalten bleibt. Die maritime Wirtschaft sei ein wesentlicher Garant für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland auf den wachsenden globalen Märkten, heißt es in dem Papier.

Die Tonnagesteuer wird pauschal nach der Schiffsgröße berechnet, also unabhängig von den tatsächlichen Gewinnen oder Verlusten einer Gesellschaft. Unterm Strich bleibt ein relativ kleiner Betrag für den Fiskus - alle Einnahmen aus Schiffsunternehmungen sind praktisch steuerfrei.

Die Folgen dieser minimalen Besteuerung reichen weit: Die deutsche Handelsflotte wächst, Arbeitsplätze entstehen, Schiffsbanken wachsen zweistellig, das Platzierungsvolumen geschlossener Schiffsfonds steigt und Emissionshäuser wie HCI Börsen-Chart zeigen und Lloyd Fonds Börsen-Chart zeigen nutzen die Gunst der Stunde für Börsengänge.

Zum Erhalt der erfolgreichen Tonnagesteuer hatten die Schiffsfondsanbieter und die ihnen angeschlossenen Reedereien zuvor mit der Rückflaggung ihrer Schiffe aus Billigländern wie Liberia oder Panama nach Deutschland beigetragen. Auf der Nationalen Maritimen Konferenz vor zweieinhalb Jahren in Lübeck gaben sie der Bundesregierung die Zusage, den Anteil der Schiffe unter deutscher Flagge bis zum Jahr 2005 um mindestens 100 wachsen zu lassen.

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