Donnerstag, 19. September 2019

Commerzbank/Eurohypo Der große Tag des Herrn Müller

Auch wenn am Ende alles ziemlich zügig über die Bühne ging, will Commerzbank-Primus Klaus-Peter Müller die Übernahme der Eurohypo nicht als Schnellschuss verstanden wissen. Bei der Präsentation der Details des Immobilienbanken-Deals sprach er lieber von „Quantensprung“ und „Vorwärtsstrategie“.

Frankfurt am Main - Im Laufe der vergangenen zwei Tage waren zwar sämtliche Details zur Übernahme der Eurohypo Börsen-Chart zeigen durch die Commerzbank Börsen-Chart zeigen bereits durchgesickert, den großen Auftritt ließ sich Klaus-Peter Müller dennoch nicht nehmen. Der Commerzbank-Chef genoss es am Donnerstag sichtlich, sich den Weg zur Pressekonferenz durch das Spalier der Kameras und Mikrofone frei kämpfen zu dürfen.

"Willkommen in der Commerzbank-Arena": Coba-Primus Müller (r.) mit Eurohypo-Chef Knobloch
Und so sprach Müller, der dem wohl in den Commerzbank-Vorstand aufsteigenden Chef der Eurohypo, Bernd Knobloch, mit den Worten "Willkommen in der Commerzbank-Arena" zuvor einen gelben Fußball überreichte hatte, dann auch von einer Akquisition, die für die Commerzbank "die weitaus größte der letzten 50 Jahre" sei und einen "Quantensprung" bedeute. Die "kleinste" der deutschen Großbanken werde nun zum zweitgrößten deutschen Kreditinstitut und zur "führenden Geschäftsbank auf dem Inlandsmarkt". Gleichzeitig sei die Transaktion ein Beitrag zur immer wieder angemahnten Konsolidierung im deutschen Bankensystem.

Die bereits heute erfolgte Kapitalerhöhung zur teilweisen Finanzierung des 4,56-Milliarden-Euro-Deals sei zusammen mit Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen "in nur zwei Stunden" abgeschlossen und alle 57,7 Millionen Aktien verkauft gewesen. Man habe die "exzellente Resonanz" auf die eigene "Vorwärtsstrategie" genutzt, verkündete Müller stolz.

Demnächst Kollegen: Eurohypo-Chef Knobloch (l.) und Coba-Chef Müller Aufbruchssignal: Ein Mitarbeiter hisst am Donnerstag vor der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt eine Flagge mit dem Logo der Eurohypo Kräfte bündeln: Die Commerzbank ist nun die Nummer zwei unter Deutschlands Banken

Der 4,5-Milliarden-Euro-Deal
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Dennoch verwahrte sich Müller dagegen, die Übernahme der weiteren 66,2 Prozent der Eurohypo als Schnellschuss zu bezeichnen. Man beschäftige sich seit Monaten mit dem Thema. Vor drei Wochen sei man dann in die intensive Prüfphase eingestiegen und habe schließlich als Reaktion auf die Offerte der Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen für die Eurohypo von dem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Er habe in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass die Commerzbank kein Institut sei, das "im Gleichschritt mit der lahmenden Konjunktur in unserem Land dahindümpeln will".

In gleicher Weise widersprach er auch den Analysten, die bei der Commerzbank einen fundamentalen strategischen Schwenk ausgemacht haben wollten. Man habe sich weder aus der Immobilienfinanzierung, Europa oder anderen ausgewählten Regionen zurückgezogen.

Bei den Vorteilen des unbestritten guten Deals wollte sich Müller nicht so eindeutig festlegen, ob nun die Synergien und Cross-Selling-Potenziale oder eben die auf Grund des "hohen Maßes an Komplementarität" der Geschäftsmodelle geringen Integrationskosten und -risiken die besseren von den guten Nachrichten wären. Auf jeden Fall werde sich die Akquisition "wertsteigernd auswirken". Der Gewinn soll im nächsten Jahr um bis zu 17 Prozent zulegen, für 2007 rechne man sogar mit einem "Plus in einer Größenordung von 26 Prozent".

Schließlich sagte Müller noch, dass er sich mit seiner - wenn er ehrlich wäre wohl nicht zu jeder Zeit freiwillig gewählten - Stand-alone-Strategie bestätigt fühle. Insgesamt verfüge man sogar über mehr Mittel als man für den Kauf der Eurohypo benötige. "Das beruhigt und ist nice to have", sagte Müller. Kein Wunder also, dass für ihn in Sachen weiterer Zukäufe das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Man sehe sich weiter nach Verstärkungen um. "Ich mag den Begriff Konsolidator", gab sich Müller selbstbewusst. Dass seinem Lieblingsbegriff im Falle Eurohypo auch Stellen zum Opfer fallen werden, konnte Müller nicht ausschließen. In bestimmten Bereichen gebe es Überschneidungen.

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