Konjunktur Die deutsche Wirtschaft wächst wieder kräftiger

Die deutsche Wirtschaft hat im abgelaufenen Quartal deutlich Fahrt aufgenommen. Getragen wird das Wachstum nicht nur vom Export - auch die Investitionen ziehen an. Der private Konsum allerdings scheint auf einem niedrigen Level festgefroren zu sein.

Berlin - Die Wirtschaftsleistung legte im dritten Quartal um 0,6 Prozent gegenüber dem Frühjahr zu, als die Wirtschaft lediglich um revidiert 0,2 Prozent gewachsen war, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Ein kräftiger Anstieg der Exporte trug zum Wachstum im dritten Quartal bei, auch die Investitionen legten zum Frühjahr deutlich zu.

Volkswirte bemängelten, dass die Konsumenten sich offenbar weiter sehr zurückhielten. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent zum Vorquartal gerechnet.

Gerd Haßel von der BHF-Bank zeigte sich wie seine Kollegen erfreut über den Anstieg der Investitionen: "Damit dürfte der jahrelange Rückgang der Investitionen endlich zu Ende gegangen sein, das ist eine sehr gute Nachricht." Schon diverse andere Konjunkturindikatoren hatten zuletzt Hoffnungen genährt, dass sich die Erholung im Herbst und auch im kommenden Jahr fortsetzt - wenn auch nur mit mäßigem Tempo.

BIP liegt um 1,3 Prozent über Vorjahr

Damit war das im Sommer erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1,3 Prozent größer als im Sommer 2004. Im Jahresvergleich sorgte der Export fast allein für Wachstum, während die Binnenwirtschaft kaum in Schwung kam. Im Gegensatz zum zweiten Quartal gab es im Sommer fast genau so viele Arbeitstage wie ein Jahr zuvor. 39 Millionen Erwerbstätige erbrachten im Sommer die Wirtschaftsleistung, das waren 25.000 oder 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Volkswirte beklagten, dass die deutsche Wirtschaft immer noch vom Export abhängt, während der private Konsum keine Lebenszeichen zeigt. "Dies ist die Stunde der deutschen Unternehmen. Ohne das überragende Abschneiden der deutschen Industrie wäre die Wirtschaft wieder geschrumpft", sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank . "Wir sind von einem selbsttragenden Aufschwung noch weit entfernt. Es sieht so aus, als hätten die privaten Haushalte die Flinte ins Korn geworfen."

Auch Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim warnte: "Die Aussichten für den Konsum sind nach wie vor sehr gedämpft. Die Unternehmen werden sich mit einem Beschäftigungsaufbau weiter zurückhalten."

Genauere Details zur Zusammensetzung des Wirtschaftswachstums werden die Statistiker am 22. November veröffentlichten.

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