HVB Die Führungskrise spitzt sich zu

Konzernchef Dieter Rampl bestätigt die Rücktritte von Privatkunden-Chefin Christine Licci und Firmenkunden-Vorstand Stefan Jentzsch. Die Fusion mit Unicredit gehe "planmäßig weiter". Mitarbeiter sind dennoch tief verunsichert - weitere Rücktritte im Vorstand könnten folgen.

München - Licci und Jentzsch würden die HypoVereinsbank  verlassen, schrieb Rampl am Montag in einer Stellungnahme an die Mitarbeiter. "Ich akzeptiere diese persönlichen Entscheidungen. Verstehen kann ich sie jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht." Ihre operativen Aufgaben seien bereits von anderen Managern übernommen worden. Die Fusion mit Unicredit  gehe plangemäß weiter, schrieb Rampl.

"Auf unser Vorhaben, den Zusammenschluss von HVB und Unicredit zu einer Erfolgsstory zu machen, werden beide persönlichen Entscheidungen keinen Einfluss haben", sagte Rampl. Er betonte zudem, dass kein zusätzlicher Stellenabbau geplant sei. "Wir arbeiten an einer Wachstumsstory und nicht an Kostensynergien."

Mit dem Abgang von Licci, die als künftige Deutschland-Chefin der drittgrößten deutschen Bank gehandelt worden war, wechselt im Privatkundengeschäft innerhalb von vier Jahren zum sechsten Mal die Führung. Hintergrund ist laut Medienberichten ein Streit um die Zusammenarbeit mit der italienischen Unicredit: Firmenkunden-Chef Jentzsch sei mit Unicredit-Chef Alessandro Profumo aneinander geraten, weil Profumo das Investmentbanking-Geschäft zurückfahren und auf Produkte für die eigenen Privat- und Firmenkunden konzentrieren wolle, heißt es.

Betriebsrat fordert schnelle Lösung

Der Gesamtbetriebsrat der HypoVereinsbank hat unterdessen eine schnelle Lösung der Führungskrise gefordert.

Bei der Suche nach den Nachfolgern müsse eine "die Mitarbeiter in Deutschland überzeugende und stabile Lösung" gefunden werden, erklärte der Betriebsrat am Montag.

Jentzsch und Licci hätten die Fusion mit Unicredit mit beschlossen. Nun verließen beide den Konzern, ohne zu sagen, warum. "Wir hätten erwartet, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen."

Die Arbeitnehmervertreter warfen den beiden Vorständen mangelnde Verantwortung vor. "Die Fusion zweier Konzerne ist kein Kaffeekränzchen", mahnte HVB-Betriebsratschef Peter König. Bei dem Zusammenschluss mit Unicredit werde der gegenwärtige Vorstand zwangsläufig verändert und erneuert.

Jentzsch bei Dresdner Bank im Gespräch

Licci geht nach knapp einem Jahr

Licci verlässt die HVB nach nur zehn Monaten im Amt. Nach unbestätigten Informationen aus Bankenkreisen haben die Vorstände der HVB in ihren Verträgen eine Klausel, nach der sie im Fall einer Übernahme kündigen können und dann angeblich bis zu drei Jahresgehälter als Abfindung erhalten.

Mit der 41-jährigen Südtirolerin geht die einzige Frau im Vorstand einer deutschen Bank. Licci hatte sich zuvor als Chefin der die Citibank in Deutschland einen Namen gemacht.

Jentzsch als Kandidat für Dresdner Bank

Der 44-jährige Jentzsch sollte nach der Fusion in den Unicredit-Vorstand aufrücken und dort das gesamte Investmentbanking übernehmen. Eigentlich ein Karriereschritt für den angesehenen einstigen Deutschland- Chef von Goldman Sachs, weshalb der Rücktritt für viele überraschend kam.

Medienberichten zufolge könnte Jentzsch demnächst bei der Dresdner Bank anheuern. Nun gibt es offenbar Befürchtungen, hochrangige Investmentbanker könnten Jentzsch nachfolgen und den Konzern verlassen.

Drei von sieben Vorständen sind bereits weg

Der Rücktritt von Licci und Jentzsch könnte noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein. Medienberichten zufolge steht auch Immobilienvorstand Johann Berger vor dem Absprung. Zuvor hatte bereits der für das Österreich-Geschäft zuständige Vorstand, Michael Mendel, seinen Abgang verkündet. Mit dem Rücktritt von drei und mit Berger möglicherweise sogar vier von sieben Vorstandsmitgliedern hat sich die Führungsspitze faktisch aufgelöst.

Neuer Chef der HVB nach dem Wechsel von Dieter Rampl nach Italien soll Berichten zufolge nun der amtierende Finanzvorstand Wolfgang Sprißler werden. Der 59-jährige enge Vertraute des amtierenden Konzernchefs wollte sich eigentlich im kommenden Jahr in den Ruhestand verabschieden.

Rampl hatte im Juni auch gegen interne Widerstände die Übernahme durch Unicredit durchgeboxt. Die Mailänder halten inzwischen gut 88 Prozent an der HVB. Vor zwei Wochen endete das Angebot an die Münchener Aktionäre, jeden HVB-Anteilsschein in fünf Unicredit-Aktien zu tauschen.

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