Radikaler Jobabbau 32.000 Telekomer müssen gehen

Die Deutsche Telekom steht vor einem drastischen Personalabbau. 32.000 Mitarbeiter sollen bis zum Jahr 2008 den Konzern verlassen, teilte das Unternehmen mit. Die Kosten liegen bei mehr als drei Milliarden Euro. Die T-Aktie zieht deutlich an.

Bonn - Den Aufwand für den Stellenabbau und die gleichzeitige Schaffung von 6000 neuen Stellen bezifferte die Deutsche Telekom  am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung auf rund 3,3 Milliarden Euro. Die Telekom ist damit nur einer von mehreren Global Playern, der in Deutschland massiv Personal abbaut.

Unklar ist, ob die Telekom diese Kosten bereits in diesem Jahr bilanzieren muss, möglicherweise sogar komplett. Dazu könne man derzeit noch keine genauen Angaben machen, sagte ein Sprecher der Telekom auf Nachfrage von manager-magazin.de. Vorgesehen sei aber, die Kosten von 3,3 Milliarden Euro über drei Jahre zu verteilen.

Analyst Theo Kitz geht dagegen davon aus, dass die Telekom für die Kosten des Personalabbaus noch in diesem Jahr in voller Höhe Rückstellungen bilden wird. "Das wird selbstverständlich den Gewinn belasten", so der Branchenkenner von Merck Finck & Co. In welcher Höhe, lasse sich allerdings noch nicht abschätzen, da die Auswirkungen auf den Gewinn je nach Bilanzierungsstandard - IFRS oder US-GAAP - unterschiedlich ausfallen könnten. Die Telekom ist auf Grund ihres US-Listings verpflichtet, ihren Jahresabschluss auch nach US-GAAP zu veröffentlichen.

Verkauf von Callcentern angestrebt

Für eine neue Gewinnprognose sei es deshalb noch zu früh, sagte Kitz. Aufschluss über die genaue Gewinnbelastung erwartet der Experte von der Analystenkonferenz am 9. November. An diesem Tag will die Telekom auch ihre Zahlen zum dritten Quartal veröffentlichen. Der Cashflow des Unternehmens bleibe nach Einschätzung des Analysten aber so lange unberührt, wie der Konzern noch keine Abfindungen zahlt.

7000 ehemalige Telekom-Mitarbeiter würden endgültig aus der Auffanggesellschaft Vivento ausgegliedert. Viele dieser Mitarbeiter seien derzeit unter anderem in Callcentern beschäftigt, hieß es von Seiten der Telekom. Werden diese Callcenter wie vorgesehen erfolgreich verkauft, würden die Personalkosten für die Telekom in diesem Bereich entfallen.

Den übrigen 25.000 Mitarbeitern, die aus dem Konzern gingen, stünden etwa 6000 Neueinstellungen gegenüber, hieß es weiter. Per saldo werde also die Zahl der Arbeitsplätze bis zum Jahr 2008 um 19.000 reduziert.

Abfindungen, Altersteilzeit, Vorruhestand

Abfindungen, Altersteilzeit, Vorruhestand

Bis Ende 2008 werde es, wie mit der Gewerkschaft vereinbart, keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bei dem massiven Jobabbau setzt die Telekom vor allem auf "freiwillige Instrumente" wie Altersteilzeit und Abfindungsregelungen.

Mit Blick auf die vom Stellenabbau betroffenen Beamten müssten noch Gespräche mit dem Bund hinsichtlich einer möglichen Vorruhestandsregelung geführt werden, so Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Die Gewerkschaft Verdi übte scharfe Kritik an den Plänen.

Betroffen von dem Abbau ist vor allem die Festnetzsparte T-Com, deren Umsatz seit Jahren sinkt. T-Com leide unter starkem Konkurrenzdruck sowohl im Festnetz- als auch im Breitbandbereich.

Insofern sei der jetzt bekannt gegebene Personalabbau nachvollziehbar, sagte Analyst Kitz. "Im Gegensatz zu anderen europäischen Telekom-Konzernen hat es bei der Telekom seit ihrem Listing keine regulären Entlassungswellen gegeben", so Kitz weiter.

Die Telekom begründete den Abbau mit dem technologischen Wandel und dem harten Wettbewerb im deutschen Festnetz- und Breitbandmarkt. Vorstandschef Kai-Uwe Ricke hatte bereits vor Monaten gewarnt, dass durch die Einführung von Telefon über das Internet branchenweit Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet seien.

Vor allem ausländische Analysten haben immer wieder darauf gedrungen, dass der Bonner Konzern seine Personalkosten deutlich reduziert. "Im Vergleich etwa zur British Telecom  hat die Telekom im Punkt Kostenmanagement und Verschlankung ganz gewaltigen Nachholbedarf", sagte ein weiterer Analyst gegenüber manager-magazin.de.

Weitere 5000 Stellen bedroht

Weitere 5000 Stellen bedroht

Mit neuen Produkten will Europas größter Telekomkonzern der Umsatzerosion im deutschen Festnetzgeschäft entgegen wirken. Geplant ist ein schnelles Breitbandnetz, das bereits im kommenden Jahr starten soll.

Sollte allerdings der Aufbau des Glasfasernetzes aufgrund von Regulierung gefährdet sein, drohe die zusätzliche Streichung von 5000 Stellen, hieß es.

Rund 3000 der neu einzustellenden Mitarbeiter sollen in den Vertriebsniederlassungen, den so genannten T-Punkten, eingesetzt werden. Nach den Worten des Sprechers betrifft der gesamte Personalumbau ausschließlich das inländische Geschäft der Telekom.

Per Ende Juni beschäftigte der Konzern in Deutschland 170.000 Mitarbeiter, davon 108.000 bei T-Com und in der Zentrale. Weltweit hat das Unternehmen einen Personalbestand von 244.000.

An der Börse wurden die Nachrichten vom Stellenabbau positiv aufgenommen. Die Aktie der Deutsche Telekom  kletterte zuletzt um mehr als 2,5 Prozent.

Die Telekom hatte außerdem mitgeteilt, dass sie nach dem Gebot von Telefonica für O2 kein Gegenangebot abgeben werde. Ein teures Bietergefecht bleibt den T-Aktionären somit erspart.

Deutsche Telekom

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