Große Koalition Fünf Neue in SPD-Ministerriege

Die SPD-Ministerriege in der großen Koalition steht fest. Peer Steinbrück und Frank Walter Steinmeier rücken in das Finanz- und in das Außenministerium, Franz Müntefering wird Vizekanzler. Neu im Kabinett sind außerdem Sigmar Gabriel und Wolfgang Tiefensee. Die Union will ihre Minister am Montag vorstellen.

Berlin - Das Parteipräsidium stimmte am Donnerstag den Vorschlägen von Parteichef Franz Müntefering zu. CDU-Generalsekretär Volker Kauder sprach von einer "respektablen Mannschaft" der Sozialdemokraten. Die Union will ihre endgültige Ministerriege für die geplante große Koalition am kommenden Montag bekannt geben.

Müntefering soll Vizekanzler und Minister für Arbeit und Soziales im Kabinett von Angela Merkel (CDU) werden. Der bisherige Verteidigungsminister Peter Struck soll künftig statt Müntefering die SPD-Fraktion führen. Struck hatte diese Funktion schon von 1998 bis 2002 inne. Das einflussreiche Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers der Fraktion übernimmt der frühere Generalsekretär Olaf Scholz.

Grundsätzlich wurde die SPD-Regierungsmannschaftauch vom künftigen Koalitionspartner positiv gewürdigt. So sagte der CSU- Landesgruppenchef Michael Glos, der künftige Außenminister Steinmeier sei "sehr effizient" und für "jedes Amt" geeignet.

Steinbrück: Mächtiger Mann an Merkels Seite

Nordrhein-Westfalens ehemaliger Ministerpräsident Peer Steinbrück wird im neuen Kabinett Finanzminister. Dies bestätigte sein Vorgänger Hans Eichel mit den Worten: "Steinbrück wird das gut machen". Steinbrück hat die große Koalition schon geübt: Gemeinsam mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) stellte er ein viele Milliarden umfassendes Subventionskürzungsprogramm für die öffentlichen Haushalte auf die Beine, das allerdings nur in Teilen in Angriff genommen worden ist.

Bei der Landtagswahl im Mai 2005 konnte er die Wähler aber nicht überzeugen: Mit 37,1 Prozent musste die SPD die Regierungsmacht in NRW nach fast 40 Jahren an Schwarz-Gelb abtreten. Dennoch übernimmt Steinbrück im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel eines der wichtigsten Ressorts.

Steinmeier: Troubleshooter ins Außenamt

Steinmeier: Troubleshooter ins Außenamt

Es verdichten sich außerdem die Hinweise, dass Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier Außenminister wird. Steinmeier war der heimliche Star des noch amtierenden Bundeskanzlers. Der 49-Jährige zählt seit Gerhard Schröders Amtsübernahme 1998 zu den mächtigsten Politikern der Republik.

Ziemlich geräuschlos erledigte Steinmeier, der als perfekter Organisator gilt, einen Job, der auf mehrere Planstellen verteilt werden könnte. Auch beim politischen Gegner wird kaum etwas Schlechtes über ihn erzählt. Sein Aufstieg ist eng mit dem Schröders verbunden. 1991 wechselte Steinmeier vom Assistentenplatz an der Universität Gießen nach Hannover. Dort stieg er rasch zum Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei unter Schröder auf und erwarb sich schon damals den Ruf eines tüchtigen Troubleshooters.

Gabriel: Netzwerker als Umweltminister

Der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Sigmar Gabriel, soll Umweltminister werden. Die steile politische Karriere des heute 46-Jährigen hatte 2003 ihren ersten Knick erlitten: Die Bürger in Niedersachsen wählten den studierten Lehrer nach drei Jahren an der Macht ab und gaben dem Juristen Christian Wulff (46) von der CDU den Vorzug. Gabriel gehört zu den "Netzwerkern" innerhalb der SPD, die der Parteimitte zugeordnet werden.

Tiefensee: Von Leipzig nach Berlin

Tiefensee: Von Leipzig nach Berlin

Als Verkehrsminister und Nachfolger von Manfred Stolpe ist der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee im Gespräch. Tiefensee hat sich in Sachsen mit wirtschaftlichen Erfolgen seiner Stadt einen Namen gemacht. Seit 1998 regiert er die größte ostdeutsche Kommune, die trotz weiterhin hoher Arbeitslosigkeit als "Boomtown Ost" gilt.

In seinem Ressort soll auch die Zuständigkeit für den Aufbau Ost angesiedelt bleiben. Das Strahlemann-Image des vierfachen Vaters litt zuletzt unter der gescheiterten Olympia-Bewerbung Leipzigs und Vorwürfen um Missmanagement und Alleingänge an der städtischen Verwaltungsspitze.

Ihre Ministerämter behalten dürften Ulla Schmidt, Heidemarie Wieczorek-Zeul sowie Brigitte Zypries.

Schmidt, Zypries und Wieczorek-Zeul bleiben

Die alte und voraussichtlich neue Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte im Kabinett Schröder einen der undankbarsten Jobs: Sie bescherte den Bürgern Zumutungen und Einschnitte, erntete für Praxisgebühr, Renten- Nullrunden oder Pflege-Defizite regelmäßig Negativschlagzeilen.

Auch Justizministerin Brigitte Zypries dürfte im Amt verbleiben. Die anerkannte Juristin verfügt über viel Fachwissen, hat aber kaum eine Hausmacht in der SPD. Zypries arbeitete zunächst in Schröders Staatskanzlei, später als Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wird ihr Ressort wohl behalten. Die heute 62-jährige Vertreterin des linken Parteiflügels wurde als Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (1974 bis 1977) bundesweit bekannt, später führte sie den kämpferischen SPD-Bezirk Hessen-Süd. Seit 1993 ist die Lehrerin auch stellvertretende SPD-Vorsitzende. Seit 1998 bemühte sie sich als Ministerin, der Entwicklungspolitik neue Akzente zu verleihen.

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