Gas Eon lässt Kompromiss platzen

Die Verhandlungen zwischen dem Bundeskartellamt und den deutschen Ferngasunternehmen über kürzere Vertragslaufzeiten und mehr Wettbewerb sind gescheitert. Marktführer Eon Ruhrgas habe eine Einigung verhindert, hieß es am Montag. Die Behörde hat angedroht, nun eine Öffnung sämtlicher langfristiger Lieferverträge erzwingen zu wollen.

Düsseldorf - "Die Verhandlungslösung für die Öffnung der langfristigen Gaslieferverträge ist heute Morgen an Eon Ruhrgas gescheitert", teilte die Behörde am Montag in Bonn mit. Details nannte sie zunächst nicht. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag will Amtschef Ulf Böge Rede und Antwort stehen.

Böge hatte die 15 großen Ferngasgesellschaften im Frühjahr aufgefordert, Vorschläge zur Verbesserung des Wettbewerbs auf dem deutschen Gasmarkt zu erarbeiten. Die langfristigen Lieferverträge zwischen den Ferngasunternehmen und ihren Kunden, den Stadtwerken und Regionalversorgern, ist Böge ein Dorn im Auge. Die Vorschlagsfrist war am 21. September ausgelaufen.

Aber auch danach hatten Vertreter von E.ON Ruhrgas und dem Konkurrenten RWE  mit der Behörde weiterverhandelt. Ende voriger Woche hatte es noch von mit den Gesprächen vertrauten Personen geheißen, ein Kompromiss sei möglich.

Vorschlag: Verträge nicht länger als zwei Jahre

Nach den Vorstellungen Böges sollen Verträge mit Kunden, die 80 Prozent und mehr ihres Gases von nur einem Lieferanten bekommen, nicht länger als zwei Jahre laufen dürfen. Bei Kunden, die 50 Prozent und mehr Gas von einer Adresse beziehen, soll die Maximallaufzeit vier Jahre betragen.

Die Kompromisslinie hatte den Branchenkreisen zufolge so ausgesehen, dass die Regelung bestehende Verträge ausnimmt und nur für Neuverträge gilt.

BASF-Tochter Wingas plädiert für Öffnung

Langfristige Verträge schotten nach Böges Ansicht den Markt ab. Ohne eine Beseitigung langfristiger Lieferbedingungen könnten potenzielle Konkurrenten den deutschen Markt nicht beliefern. Durch diese Struktur - und nicht durch eine Marktöffnung - werde die von der Gegenseite als Argument angeführte Versorgungssicherheit gefährdet.

Eon Ruhrgas ist mit einem Importanteil von rund 60 Prozent das mit Abstand größte deutsche Gasunternehmen. Die Argumente des Marktführers sind in der Gaswirtschaft umstritten. Der zur BASF  - Öltochter Wintershall gehörende Gasimporteuer Wingas etwa plädiert für eine Öffnung der langfristigen Lieferverträge.