Hilfe für USA Deutschland zapft strategische Reserve an

Die Bundesregierung will die strategischen Ölreserven in Deutschland anzapfen. Man werde einen Antrag der USA bei der Internationalen Energieagentur unterstützen, um Teile der Reserven in den Markt zu bringen, sagte Kanzler Gerhard Schröder. Es gehe auch darum, die "unverantwortliche Preispolitik" zu durchbrechen.

Berlin - "Es ist für uns selbstverständlich, dass wir den amerikanischen Antrag unterstützen", sagte Schröder. Konsequenz sei, "dass die Nationalstaaten Teile ihrer Erdölbevorratung abgestimmt international in den Markt geben". Er gehe davon aus, dass es für die international abgestimmte Aktion nur Zustimmung geben werde. Ziel sei, den Druck auf die Ölpreise zu mildern.

Bloß raus aus New Orleans: Ein Mann versucht, mit Mund und Gummischlauch Benzin aus seinem defekten Wagen zu saugen - den Treibstoff will er für ein intaktes Auto nutzen, um die Stadt zu verlassen

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Foto: AP
Hilfe aus der Luft: Ein Militärhubschrauber wirft in der Nähe des Convention Center in New Orleans Pakete mit Nahrungsmitteln und Wasser für die Hurrikan-Opfer ab

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Wie Flöße auf einem See: Schulbusse stehen auf einem überfluteten Parkplatz in New Orleans

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Trauer im Angesicht der Trümmerlandschaft: Das Haus dieses Mannes aus Biloxi wurde vom Hurrikan zerstört

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Foto: REUTERS
Rettungsschwimmer der Helikopterstaffel HSC-28 im Einsatz in Louisiana

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Hurrikan-Opfer campen auf einer Highway-Brücke an der Interstate 10. Die sie umgebenden Fluten sind bereits öl-kontaminiert

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New Orleans: Verzweifeltes Warten auf Rettung
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Schröder appellierte außerdem an die Ölkonzerne, diese Maßnahme zu nutzen, um zu einer Senkung der Preise beizutragen. Es könne nicht sein, dass Reserven in den Markt gebracht werden und an der Preisfront nichts passiere.

Es gebe eine große Verantwortung der Konzerne, die diesen Markt bedienen. Sie hätten "nicht nur eine betriebswirtschaftliche Verpflichtung, sondern auch eine humane", sagte der Kanzler.

Täglich zwei Millionen Barrel freigeben

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Voraussetzung für die Reduzierung der Reserven sei, dass es zu einer Störung der Erdölversorgung weltweit gekommen sei. Dies habe nichts mit den jüngsten Forderungen von CDU/CSU zu tun. Wesentliche Teile der Ölförderung in den USA könnten nicht aufrechterhalten werden.

Die Konsequenz der Entscheidung der IEA wäre, dass Nationalstaaten Teile ihrer Notreserven abgestimmt in den Markt geben.

In Deutschland ist die Erdölbevorratung für Krisenfälle im Erdölbevorratungsgesetz geregelt: Demnach hat der Erdölbevorratungsverband (EBV) in Hamburg die Pflicht, Motorenbenzine, Mitteldestillate wie Flugbenzin und Diesel sowie schwere Heizöle in einer Menge zu bevorraten, die dem bundesdeutschen Verbrauch von 90 Tagen entspricht. Zu dieser Bevorratung haben sich sowohl die Europäische Union als auch die Mitglieder IEA verpflichtet. Insgesamt werden nach EBV-Angaben in Deutschland 23,13 Millionen Tonnen Rohöl und Ölderivate gelagert.

Bei der Freigabe von Erdöl durch die Internationale Energieagentur (IEA) geht es nach Angaben von Bundeskanzler Gerhard Schröder um ein Volumen von zwei Millionen Barrel täglich für 30 Tage.

Entscheidung liegt bei IEA

Diese Größenordnung nannte Schröder am Freitag unter Berufung auf einen Antrag der USA an die IEA, einen Teil der nationalen Ölvorräte international freizugeben. Die Entscheidung darüber werde der Verwaltungsrat der IEA treffen. Schröder hatte bereits zuvor angekündigt, Deutschland werde den Antrag der USA unterstützen, der die Belastung der Ölversorgung durch die Folgen des Hurrikans "Katrina" im Golf von Mexiko mildern soll.

Zudem nannte der Kanzler eine "engste Zusammenarbeit" mit Russland auf dem Energiesektor angesichts der explodierenden Preise auf den Energiemärkten alternativlos. "Gerade in der jetzigen Situation erweist sich das als eine dringende Notwendigkeit." Beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der kommenden Woche in Berlin würden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, dass Energieunternehmen Verträge dafür abschließen könnten.

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