Volkswagen Bernhard droht mit Portugal

Im Streit um den Produktionsstandort für den neuen Golf-Geländewagen stellt VW-Chef Wolfgang Bernhard dem Betriebsrat ein Ultimatum. Das Produktkomitee habe empfohlen, die Fertigung für das Modell nach Portugal zu vergeben. Das Werk Wolfsburg kann den Auftrag nur dann für sich retten, wenn zu niedrigeren Löhnen produziert wird.

Wolfsburg - In Portugal wäre die Herstellung des so genannten Golf SUV pro Fahrzeug rund 1000 Euro billiger als im Stammwerk in Wolfsburg.

Dieses könne den Zuschlag nur erhalten, wenn der Wagen nach den kostengünstigeren Tarifbedingungen der "Auto 5000 GmbH" produziert werde, die bereits den Minivan Touran baut.

Volkswagen-Markenchef Wolfgang Bernhard stellte dem Betriebsrat eine Frist bis zum 26. September. Bis dahin müssten die Anlagen und Maschinen für den Fertigungsstandort spezifiziert sein, um den rechtzeitigen Anlauf des Fahrzeugs zu garantieren.

Wolfsburg derzeit nur zu 70 Prozent ausgelastet

Die Entscheidung für die Produktionsvergabe des kleinen VW-Geländewagens gilt als Testfall für die Kompromissbereitschaft der Arbeitnehmervertretung.

Das Wolfsburger Werk ist derzeit nur zu etwa 70 Prozent ausgelastet. Sollte der Golf SUV nach Portugal vergeben werden, wäre dies ein herber Schlag für das Hauptwerk. Hoher Personalabbau wäre womöglich die Folge.

Bernhard hatte den Betriebsrat bereits aufgefordert, in dieser Woche eine Vorentscheidung für einen Kompromiss zu treffen. Der neue Betriebsratschef Bernd Osterloh soll sich dazu auf einer Betriebsversammlung am kommenden Montag äußern. Die Aktie von Volkswagen  gab am Dienstag in einem insgesamt schwachen Markt nach.

IG Metall hält dagegen

IG Metall hält dagegen

IG-Metall-Sprecher Jörg Köther widersprach der Mitteilung von Volkswagen und sagte, über den Standort der Fertigung des Geländewagens sei "das letzte Wort noch nicht gesprochen". Es handele sich "um die Empfehlung eines Gremiums". Es gebe aber weiterhin Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Management über die Standortentscheidung.

"Der im vergangenen Jahr abgeschlossene Zukunftstarifvertrag und die Betriebsvereinbarung, die ihn konkretisiert, sehen vor, dass der Geländewagen in Wolfsburg gefertigt wird", sagte Köther.

Mit der von VW vorgeschlagenen Verlagerung des Geländewagens mit dem Arbeitsnamen "Marrakesch" in die Auto 5000 GmbH will der Konzern offenbar an die Erfolgsgeschichte des kleinen Vans Touran anknüpfen. Die 3500 Mitarbeiter dort verdienen weniger als die nach dem Haustarif beschäftigten Kollegen, nur rund 2500 Euro im Monat.

Außerdem müssen sie bis zu 42 Stunden pro Woche arbeiten, falls eine vereinbarte Zahl von Wagen nicht in der regulären Zeit fertig wird. Das von Ex-Personalvorstand Peter Hartz erfundene Modell gilt als sehr profitabel. Im neuen Haustarifvertrag von November war bereits vereinbart worden, dass neu eingestellte Mitarbeiter weniger Geld verdienen und auf dem Niveau von 5000 mal 5000 beschäftigt werden sollen.

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