MTU Kanzler soll Verkauf verhindern

Im Streit um den Verkauf des Dieselmotorenherstellers MTU Friedrichshafen hat der Betriebsrat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um Hilfe gebeten. Schröder soll sich gegen den möglichen Verkauf des Rüstungskonzerns an einen US-Finanzinvestor aussprechen.

Stuttgart - Betriebsratssprecher Martin Frank bestätigte am Dienstag einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung", wonach sich der Kanzler gegen den drohenden Verkauf von MTU an einen US-Finanzinvestor aussprechen soll. Frank sagte, es gehe um die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze. MTU produziere die Motoren für den Kampfpanzer Leopard und es könne nicht sein, dass das Unternehmen an einen US-Investor gehe.

Die Privat-Equity-Gesellschaft Carlyle hatte Interesse an einer Übernahme von MTU Friedrichshafen signalisiert und mit den Familiengesellschaftern bereits einen exklusiven Vorvertrag über einen Verkauf geschlossen. Dagegen hatte sich jedoch Großaktionär DaimlerChrysler  gewandt.

Ein derartiger Investor werde an MTU nur ein kurzfristiges finanzielles Interesse haben, heißt es in dem Brief vom 11. August an Schröder. Der Betriebsrat bitte den Kanzler daher um seine Unterstützung "für eine vernünftige und zukunftsweisende Lösung" im Sinne der Beschäftigten.

Zustimmung des Wirtschaftsministeriums nötig

Die Betriebsräte wollen Schröder dazu bewegen, am kommenden Freitag bei einer Wahlveranstaltung in Friedrichshafen die Thematik direkt anzusprechen. In ihrem Schreiben weisen die Arbeitnehmervertreter darauf hin, das es sich bei MTU Friedrichshafen auch um einen Rüstungskonzern handelt.

Eine Übernahme eines Rüstungsgüter produzierenden Unternehmens durch einen ausländischen Investor bedürfte nach dem Außenwirtschaftsgesetz der Zustimmung des Bundeswirtschaftsministeriums, wenn dieser mehr als 25 Prozent der Unternehmensanteile übernehmen wolle, schrieb das Blatt weiter. Dies sei im Fall Carlyle offenbar der Fall. MTU Friedrichshafen baut Motoren des Kampfpanzers Leopard und anderer Kettenfahrzeuge und fertigt Motoren und High-Tech für die Marine.

Schlichtungsgespräch mit DaimlerChrysler gescheitert

Bei der Gesellschafterversammlung am 1. September will Daimler-Chrysler die minderheitsbeteiligten Familiengesellschafter offenbar mit einem rechtlichen Trick loswerden. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" soll die MTU-Friedrichshafen GmbH zunächst in der Detroit Diesel Company aufgehen und danach als GmbH & Co. KG wieder auferstehen. Aus diesem Grund sei ein Schlichtungsgespräch zwischen den Familiengesellschaftern und dem Autokonzern gescheitert, schrieb das Blatt.

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