Mobilcom Sicherheitsdienst greift ein

Die geplante Verschmelzung der beiden Telekommunikations-Unternehmen Mobilcom und Freenet wird nach Angaben des Konzernchefs zu einem außerordentlichen Gewinn von knapp einer Milliarde Euro führen. Während der Hauptversammlung, die über die Fusion entscheiden soll, kam es unterdessen zu handfesten Auseinandersetzungen.

Hamburg - Der außerordentliche Gewinn ergebe sich durch die Aufdeckung stiller Reserven im Zuge der Fusion, sage der mobilcom-Vorstandsvorsitzende Thorsten Grenz am Dienstag bei der Hauptversammlung in Hamburg. "Lassen Sie mich klarstellen, dass keinerlei Vorentscheidung darüber getroffen ist, wie ein entsprechender Bilanzgewinn verwendet werden soll", sagte Grenz.

Darüber werde die Hauptversammlung der neuen Aktiengesellschaft telunico zu entscheiden haben, die aus Mobilcom und Freenet gebildet werden soll. Die Mobilcom-Aktionäre werden unterdessen heute über die geplante Fusion der beiden Unternehmen abstimmen.

Auseinandersetzungen am Rednerpult

Mehrere Aktionäre haben am Dienstag unterdessen den Beginn der Aussprache über die Rede von Vorstandschef Thorsten Grenz mit langen Redebeitrgen in Hamburg verhindert. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Dieter H. Vogel, musste einen Aktionär mit Hilfe des Sicherheitsdienstes aus dem Saal entfernen lassen. Vogel sprach Verwarnungen aus.

Streit gibt es vor allem um die mögliche Verwendung des Sondergewinns in Höhe von knapp einer Milliarde Euro. Die Beschäftigten und die Gewerkschaft fürchten eine Ausschüttung des Sondergewinns, weil sie die finanzielle Substanz des Unternehmens schwächen und Arbeitsplätze gefährden könnte. Der Mobilcom-Großaktionär Texas Pacific Group (TPG), der die Anteile der France Telecom übernommen hatte, hatte solche Befürchtungen zurückgewiesen. Allerdings hatte auch auch Sprecher von TPG betont, nicht auf einer Sonderausschüttung zu bestehen, falls das Geld anderweitig sinnvoll verwendet werden könne.

Mit der Verschmelzung der beiden Unternehmen wollen sich Mobilcom und freenet für den Wettbewerb rüsten. Die anwesenden Aktionäre müssen mit 75 Prozent der Fusion zustimmen. Auf der Hauptversammlung ist gut die Hälfte des Kapitals vertreten.

Streit um Klage gegen France Telecom

Grenz übergibt an Spoerr - auf Klage soll verzichtet werden

Mobilcom-Chef Grenz, der Ende August sein Amt an Freenet-Chef Eckhard Spoerr abgibt, warb erneut für den Zusammenschluss. Damit steige Mobilcom-Freenet zu einem Telekom-Komplettanbieter auf und positioniere sich so für künftiges Wachstum.

Neben der Abstimmung zum geplanten Zusammenschluss steht außerdem der Verzicht auf eine Schadenersatzklage gegen die ehemalige Großaktionärin France Telecom auf der Tagesordnung.

Die DSW unterstützt den Vorschlag von Mobilcom auf einen Klageverzicht gegen France Telecom  und begründet dies mit dem hohen Existenzgefährdungsrisiko. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) will indes, dass mobilcom eine Klage einreicht. Sie ist der Meinung, dass eine Existenzgefährung nicht vorliegt und das Unternehmen nicht auf mögliche Ansprüche verzichten darf. Die geplante Fusion wird auch unterstützt.

TPG unterstützt Fusion

Zu den Befürwortern des Zusammenschlusses von Mobilcom und Freenet zählt auch die Texas Pacific Group (TPG). Die mit 28,7 Prozent an Mobilcom beteiligte US-Investorin ist von den Vorteilen überzeugt und rechnet ebenfalls mit einer breiten Zustimmung der anderen Aktionäre.

Mobilcom hat für die Hauptversammlung vorsichtshalber zwei Tage angesetzt. Die Tochter Freenet bittet ihre Aktionäre am Donnerstag und Freitag zum Fusionsvotum.

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