BASF/Degussa EU startet Untersuchung gegen Chemiekonzerne

Die EU-Kommission verdächtigt mehrere europäische Chemiekonzerne, sich bei Preisen für bestimmte Chemikalien abgesprochen zu haben. Zu den Firmen gehören auch BASF und der Spezialchemiekonzern Degussa.

Frankfurt - Eine Kommissionssprecherin sagte am Montag, die EU-Behörde habe eine förmliche Untersuchung gegen eine größere Anzahl europäischer Chemiefirmen eingeleitet, die unter anderem die bei der Herstellung von Lacken verwendeten Methacrylat-Monomere sowie verwandte Stoffe herstellten. Es gebe Beweise dafür, dass die beschuldigten Unternehmen unter anderem Preise abgesprochen, Kundenkreise aufgeteilt und vertrauliche Marktinformationen ausgetauscht hätten.

Nach Informationen einer mit dem Vorgang vertrauten Person sind mehr als ein Dutzend Firmen involviert. Im April 2003 hatte die Kommission wegen entsprechender Verdachtsmomente bereits Degussa  und BASF  unter die Lupe genommen.

Theoretisch kann die Kommission Bußgelder in Höhe von bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes aussprechen, was allerdings noch nie geschehen ist. Auch die britischen Chemiefirmen ICI und Lucite bestätigten den Eingang von Beschuldigungsschreiben.

Methacrylat-Monomere und verwandte Stoffe kommen unter anderem bei der Herstellung hochwertiger Autolacke zum Einsatz. Methacrylate werden zudem in der Herstellung von weichen Kontaktlinsen und Brillengläsern und bei transparenten Kunststoffen verwendet.

Der Leverkusener Bayer-Konzern  ist nach eigenen Angaben nicht Teil des Kartellverfahrens. Ein Sprecher des Kronberger Chemiekonzerns Celanese  sagte: "Ein entsprechendes Schreiben der EU-Kommission liegt uns nicht vor."

BASF will die Beschuldigungen prüfen

Beim Ludwigshafener BASF-Konzern sagte ein Sprecher: "Wir haben die sehr umfangreichen Beschwerdepunkte erhalten." Die Vorwürfe würden den Zeitraum März 1995 bis Oktober 2000 betreffen. "Wir werden die Unterlagen prüfen", fügte er hinzu. Weitere Angaben lehnte er unter Hinweis auf das schwebende Verfahren ab.

Auch Degussa bestätigte den Eingang der Vorwürfe der Wettbewerbshüter. Für mögliche Risiken habe Degussa ausreichend Vorsorge getroffen, hob eine Sprecherin hervor. Zum Umfang des Risikos und zur Stichhaltigkeit der Vorwürfe wollte sich der Konzern nicht äußern. "Degussa arbeitet entsprechend ihrer Unternehmensphilosophie eng mit der EU-Kommission zusammen", sagte die Sprecherin lediglich.

Auf den Kurs der Aktien der betroffenen deutschen Chemiekonzerne wirkte sich die Nachricht aus Brüssel kaum aus. Die BASF-Aktie  ging am Montag 0,73 Prozent auf 58,29 Euro fester aus dem Handel. Die Degussa-Aktie  schloss mit einem Plus von 0,46 Prozent auf 35,32 Euro.

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