Mobilcom-HV Angst vor dem großen Kassensturz

Wie will US-Investor TPG bei Mobilcom seinen Einsatz mehren? Rechtlich möglich ist eine milliardenschwere Dividendenausschüttung. Vor dem Griff in die Kasse warnt die IG Metall. Auch der geplante Chefwechsel und ein angestrebter Prozess gegen Ex-Aktionär France Telecom stehen in der Kritik. Der HV-Zeitplan: bis zu zwei Tage.

Hamburg/Paris - Die IG Metall zählt zu den zahlreichen aufmerksamen Beobachtern der Mobilcom-Hauptversammlung, auf der einige Weichen neu gestellt werden sollen. Die Gewerkschaft warnt vor den Folgen einer kreditfinanzierten Dividende nach der Fusion der Telekommunikationsanbieter Mobilcom  und Freenet .

Eine Ausschüttung von bis zu einer Milliarde Euro an die Aktionäre, wie sie im Zuge der Verschmelzung offenbar möglich ist, könne die Zukunft des Unternehmens und damit tausende Arbeitsplätze gefährden, sagte IG-Metall-Vize Berthold Huber am Montag in Frankfurt. "Ich warne davor, aus zwei gesunden Unternehmen einen Sanierungsfall zu machen", fügte er hinzu. Die IG Metall werde nicht tatenlos zusehen, wenn auf Druck eines Finanzinvestors die industrielle Substanz von Mobilcom zerstört werde.

Argwöhnische Mitarbeiter

Die Mobilcom-Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag im Hamburger Congresscentrum (CCH) über die Verschmelzung mit der erst vor wenigen Jahren ausgegliederten Internet-Tochter Freenet abstimmen. Aufgrund der Brisanz der Vorgänge und zahlloser Anfragen, über die es zu diskutieren gilt, ließen sich die Mobilcom-Verantwortlichen bereits vorsorglich zusichern, dass die Hauptversammlung möglicherweise am Mittwoch fortgesetzt wird. Ein extrem seltenes aber statthaftes Prozedere.

Teile der Belegschaft befürchten, dass der US-Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG) es mit seiner kürzlich erworbenen Beteiligung an Mobilcom auf eine Sonderdividende abgesehen hat. TPG wurde 1993 im texanischen Fort Worth und in San Fransisco vom Juristen David Bonderman gegründet.

TPG ist 14 Milliarden Dollar schwer

TPG ist 14 Milliarden Dollar schwer

TPGs erste Übernahme war die in die Klemme geratene Fluglinie Continental, die Gründer Bonderman schon bald für das Zehnfache seines Einsatzes weiter veräußern konnte. Heute hält TPG unter anderem Beteiligungen an Del Monte (Lebensmittel), Burger King (Schnellrestaurantkette), Ducati (Motorräder), Seagate (PC-Speichermedien und Software) und Bally (Schuhe).

Insgesamt sind rund 15 Milliarden Dollar in 40 Unternehmen investiert. In Deutschland erntete TPG zuletzt negative Schlagzeilen, weil beim Badarmaturen-Spezialisten Grohe auf TPG-Initiative hin zahlreiche Arbeitsplätze ins Ausland verlagert wurden - obwohl das Unternehmen auch mit den deutschen Mitarbeitern rentabel war.

300 Mobilcom-Mitarbeiter haben auch vor diesem Hintergrund den Mannheimer Rechtswissenschaftler Christof Hettich mit einer Anfechtungsklage für den Fall beauftragt, dass die Verschmelzung von Mobilcom und Freenet wie geplant beschlossen wird.

TPG will durch Zukauf wachsen

Hettich begründet seine Kritik mit dem Verdacht, dass im Zuge der Fusion ein größtmögliches Ausschüttungsvolumen bei Mobilcom geschaffen werden solle. Im Rahmen der Verschmelzung werden stille Reserven zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro gehoben.

TPG hatte sich die Möglichkeit einer Sonderdividende - acht bis zehn Euro pro Aktie sollen im Gespräch gewesen sein - offen gehalten und einen von Hettich vorgeschlagenen Verzicht abgelehnt. TPG-Partner Andrew Dechet sagte bereits in der vergangenen Woche, dass man derzeit keine Sonderdividende durchsetzen wolle.

Für die Zukunft könnte dies allerdings zu einem Thema werden. Und zwar für den Fall, dass das fusionierte Unternehmen Mobilcom/Freenet, das Telunico heißen soll, bei Zukäufen wie beispielsweise United Internet , Arcor oder Debitel  nicht zum Zuge komme. Der US-Investor hatte Anfang Mai 27,3 Prozent an Mobilcom von France Telecom  übernommen. Dechet sitzt als Vertreter von TPG ebenso wie Bastian Lueken im Aufsichtsrat von Mobilcom.

Paris warnt vor Existenzbedrohung

France Telecom warnt vor Existenzbedrohung

Nun warnte der ehemalige französische Großaktionär die Aktionäre davor, eventuelle Schadensersatzansprüche gegen ihn geltend zu machen. Sollte die Hauptversammlung einen seit kurzem existierenden Klagebeschluss nicht rückgängig machen, würde das 2002 vereinbarte Abkommen zur Rettung von Mobilcom hinfällig.

Damals hatten die Beteiligten vereinbart, auf gegenseitige Ansprüche zu verzichten. Im Gegenzug hatte France Telekom Schulden von Mobilcom in Höhe von sieben Milliarden Euro übernommen. TPG strebt die Rücknahme des Mobilcom-Aktionärsbeschlusses von April an, France Telecom auf Schadenersatz zu verklagen. Der französische Konzern hatte sich aus dem gemeinsamen UMTS-Projekt zurückgezogen. Nun rät er Mobilcom, von einer Klage abzusehen; auch, weil der Büdelsdorfer Konzern dadurch "in seiner Existenz bedroht" sei.

Mobilcom erwartet nach Angaben eines Unternehmenssprechers auf der außerordentlichen Hauptversammlungen eine Präsenz von von 45 bis 50 Prozent des Grundkapitals. Mit seinem Aktienpaket könnte TPG den Klagebeschluss alleine kippen. Für die Verschmelzung mit Freenet ist eine Stimmenmehrheit von 75 Prozent nötig.

Attacke von der Ehefrau des Mobilcom-Gründers

Das Landgericht Flensburg wies, wie am Montag bekannt wurde, eine Klage der Ehefrau von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, Sybille Schmid-Sindram, auf Barabfindung gegen France Telecom ab. Damit entgeht France Telecom nach Darstellung des Gerichts vorerst einer Abfindungszahlung an alle außenstehenden Mobilcom-Aktionäre. Gegen die Entscheidung des Gerichts legte Schmid-Sindram Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Schleswig wird in einem Berufungsverfahren (Geschäftszeichen 2 W 160/05) über eine Abfindung für alle Mobilcom-Aktionäre durch France Telecom entscheiden.

Der von der Mobilcom-Hauptversammlung gewählte besondere Vertreter, Rechtsanwalt Wilhelm Haarmann, war zu der Auffassung gelangt, dass Mobilcom aufgrund der geschlossenen Vereinbarung keine Schadenersatzansprüche gegen France Telecom habe, weil die Großaktionärin den Konzern nicht eindeutig beherrscht habe. Es sei aber durchaus denkbar, dass Mobilcom Ansprüche wegen einer im Aktiengesetz beschriebenen "verbotenen Einlagenrückgewähr" habe.

DSW-Votum für Grenz

Aktionärsschützer will Grenz auf Chefposten sehen

France Telecom hatte im März 2000 für 7,3 Milliarden Mark 28,5 Prozent von Mobilcom übernommen. Gemeinsam wollten beide Unternehmen ein eigenes UMTS-Netz in Deutschland aufbauen. Der französische Konzern hatte sich jedoch später aus dem Vorhaben zurückgezogen. Mobilcom war in der Folge nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt.

Zwei Aktionäre hatten beim Landgericht Flensburg die Feststellung einer Abfindung in Höhe von mindestens 200 Euro pro Aktie beantragt. Gutachten der Professoren Heribert Hirte und Rechtsanwalt Peter Ulmer waren dem Antrag beigelegt.

Unterdessen haben Aktionärsschützer die Berufung von Freenet-Chef Eckhard Spoerr zum neuen Mobilcom-Vorstandsvorsitzenden kritisiert. "Die Personalie hätte aus unser Sicht anders ausgesehen", sagte Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag in Hamburg. Nach der erfolgreichen Sanierung hätte der bisherige Amtsinhaber, Thorsten Grenz, den Posten behalten sollen.

Spoerr-Berufung "mit Geschmäckle"

Auf der Hauptversammlung will Unrau die Offenlegung der Hintergründe zur Berufung von Spoerr verlangen und Informationen über dessen Aktienoptionen. Durch die Verschmelzung könne der Manager Aktienoptionen wandeln und dadurch bis zu 5,1 Millionen Euro einnehmen, sagte der Aktionärsschützer. "Da ist schon ein komisches Geschmäckle dabei."

DSW-Vertreter Unrau zeigte sich aber offen für die Ausschüttung einer Sonderdividende. Zur möglichen Höhe der Sonderausschüttung sagte er, diese dürfe "allerdings nicht kreditfinanziert sein."

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