Reederei-Übernahme Tui will Gewinn verdoppeln

Der Touristik- und Logistikkonzern Tui könnte mit der Übernahme der kanadischen Containerlinie CP Ships sein operatives Ergebnis mehr als verdoppeln, heißt es. Sicher ist, die Fusion wird Jobs kosten. Vor allem bei CP Chips sieht die Tui-Tochter Hapag-Lloyd "Verbesserungspotenzial".

Hannover/Düsseldorf - Mit der Übernahme der Container-Schifffahrtsgesellschaft CP Ships könnte der Touristik- und Logistikkonzern Tui  einem Pressebericht zufolge sein operatives Ergebnis in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln.

Nach einem Zusammenschluss mit der Logistiktochter Hapag-Lloyd könnte der neue Container-Riese jährlich etwa 600 bis 700 Millionen Euro Gewinn abwerfen, berichtet das "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Konzern- und Branchenkreise. Ein Hapag-Lloyd-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage am Montag nicht kommentieren.

Für die Touristik habe Konzernchef Michael Frenzel bis 2008 ähnlich hohe Ergebnisse anvisiert, berichtete die Zeitung weiter. 2004 hatte die Touristiksparte ein Ergebnis von 362 Millionen Euro bilanziert, die Logistiksparte mit der boomenden Containerschifffahrt von Hapag-Lloyd kam auf 290 Millionen Euro. Nachdem das Reisegeschäft bei Tui bisher deutlich dominierte, würden mit der Übernahme Touristik und Logistik in etwa gleich auf liegen.

Tui-Chef Frenzel hatte bereits auf der Bilanz-Pressekonferenz Ende März von einer Grundsatzentscheidung gesprochen: Der Konzern stehe "auf zwei Säulen" - Touristik und Schifffahrt. In der Touristikbranche wird dies vielfach als erneuter Strategiewechsel Frenzels nach den Krisenjahren der Reisebranche gesehen. Ursprünglich wollte er die ehemalige Preussag zum reinen Touristikkonzern machen, hatte aber in der renditeschwachen und von Terror bedrohten Branche bislang die Aktionäre nicht überzeugen können.

Die Fusion wird Jobs kosten

Die Fusion wird Jobs kosten

Bei der geplanten Übernahme wird es zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen. "Bei jeder Integration gehen auch Stellen verloren", sagte Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt dem "Hamburger Abendblatt". Für nähere Details sei es aber noch zu früh. Zugleich kündigte er an, dass der Firmensitz des neuen Reederei-Riesens in Hamburg sein werde, wo Hapag-Lloyd zu Hause ist. Tui hatte am Sonntag den Kauf von CP Ships für 1,7 Milliarden Euro angekündigt.

Behrendt bekräftigte, dass Hapag-Lloyd nach der Übernahme bei CP Ships durchgreifen werde: "Ein hohes Verbesserungspotenzial bei CP Ships liegt in der Erhöhung der Produktivität", sagte er. Das kanadische Unternehmen ist deutlich größer als Hapag-Lloyd, verdient aber nur halb so viel Geld.

Nach der Übernahme wäre Hapag-Lloyd die fünftgrößte Containerreederei der Welt und könnte im Konzert der Branchenriesen wie der dänischem Maersk-Gruppe mitspielen. Behrendt erwartet, dass der Welthandel weiter kräftig wächst und die Zahl der transportierten Container bis 2005 um ein Viertel steigt. Durch ein Zusammengehen von CP Ships mit Hapag-Lloyd rechnet Tui mit Synergien in Höhe von jährlich 180 Millionen Euro.

Volumen der Kapitalerhöhung steht noch nicht fest

Die Übernahme soll teilweise durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden. Das genaue Volumen der geplanten Kapitalerhöhung steht nach Angaben des Tui-Vorstandes noch nicht fest. Der Konzern habe zur Finanzierung der Übernahme ein Volumen von einer Milliarde Euro angestrebt. Tui sei aber flexibel werde Rücksicht auf die Nachfrage am Kapitalmarkt nehmen, hieß es am Montag weiter.

Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Tui-Pläne werde sicherlich mitberücksichtigt, sagte Tui-Finanzvorstand Rainer Feuerhake am Montag in einer Konferenz mit Analysten in Frankfurt. Nach Ankündigung des Kaufangebots für 1,7 Milliarden Euro und der Kapitalerhöhung war die Tui-Aktie  am Montag mit einem Verlust von 2,31 Prozent auf 19,44 Euro aus dem Handel gegangen.

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