Reederei-Übernahme Tui bietet 1,7 Milliarden Euro

Der Touristikkonzern Tui will die kanadische Reederei CP Ships für 1,7 Milliarden Euro übernehmen. Entsprechende Spekulationen bestätigte das Unternehmen am Sonntag offiziell. Die Schiffahrtstochter Hapag-Lloyd soll so zur fünftgrößten Reederei der Welt wachsen. Finanzieren will Tui den Deal durch eine Kapitalerhöhung.

Hannover - Der Tui-Aufsichtsrat habe den Vorstand ermächtigt, ein Barangebot für den Erwerb der Reederei CP Ships abzugeben, teilte Europas größter Touristikkonzern Tui  am Sonntag in Hannover mit. Zur Finanzierung des Geschäfts hätten Vorstand und Aufsichtsrat eine Kapitalerhöhung beschlossen, die rund eine Milliarde Euro einbringen soll. Der Kaufpreis soll in bar gezahlt werden. Das Board von CP Ships hat seinen Aktionären nach eigenen Angaben bereits die Annahme der Offerte empfohlen.

"Nach der erfolgreichen Annahme des Angebots plant TUI, die Beteiligung an CP Ships auf 100 Prozent zu erhöhen", teilte das Unternehmen mit. Das Angebot bedeute einen Aufschlag von fast 25 Prozent auf den Durchschnittskurs von CP Ships der vergangenen drei Monate "und eine Prämie von 9,7 Prozent auf den Schlusskurs vom 19. August 2005, dem letzten Handelstag vor Bekanntgabe des Angebots."

Durch die Übernahme wächst die Tui-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd zur weltweit fünftgrößten Containerreederei an, mit zusammen 139 Schiffen und einer Kapazität von mehr als 400.000 Standardcontainern. Das neue Unternehmen hätte zuletzt rechnerisch einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 588 Millionen Euro erzielt, teilte Tui mit.

Tui


Ab dem dritten Jahr nach Abschluss der Übernahme erwartet Tui positive Effekte im Wert von 180 Millionen Euro jährlich. Die Kosten für die Integration von CP Ships bezifferte der Konzern mit 100 Millionen Euro, von denen der Großteil im nächsten Jahr anfallen solle. Die komplette Übernahme soll bereits Ende 2005 vollzogen sein.

Vom Boom profitieren

Vom Schifffahrtsboom profitieren

Die geplante Übernahme von CP Ships sei für Tui "sowohl strategisch als auch wirtschaftlich" von hoher Bedeutung, betonte Tui-Chef Michael Frenzel. "Die Transaktion eröffnet Tui zusätzliche Wachstumsperspektiven." Das durch die Übernahme ausgebaute Schifffahrtsgeschäft werde "hervorragend positioniert sein, um am langfristigen Wachstum in der Containerschifffahrt zu partizipieren".

"Die Tui AG steht heute stabil auf den beiden Standbeinen Touristik und Schifffahrt", sagte Frenzel am Sonntag in Hannover. "In beiden Märkten arbeitet die Zukunft für uns." Nach Frenzels Ansicht befindet sich die weltweite Containerschifffahrt derzeit in einer Phase der Konsolidierung.

Ausbau statt Börsengang

Ursprünglich wollte Tui seine hochprofitable Schifffahrtstochter an die Börse bringen, um damit Geld für die Tilgung von Schulden aufzutreiben. Im vergangenen September hatte der Reisekonzern das Vorhaben jedoch überraschend abgesagt und als Begründung die schwache Lage an den Kapitalmärkten genannt. Insider hatten den Wert von Hapag-Lloyd auf über 2 Milliarden Euro beziffert. In der Folge hatte Tui immer wieder betont, Hapag-Lloyd sei neben der Touristik das zweite wichtige Standbein des Konzerns.

Erst Ende vergangener Woche kündigte Tui zur Überraschung von Branchenexperten und Investoren an, die dieses Standbein neben dem Reisegeschäft kräftig ausbauen zu wollen. An den Börsen wurde die Nachricht aber wegen einer bereits befürchteten Kapitalerhöhung überwiegend negativ aufgenommen. So fiel die Tui-Aktie am Freitag zeitweise um 5 Prozent.

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