VW-Affäre Ermittlungen auch gegen Volkert

Im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre bei VW ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt auch gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates, Klaus Volkert. Es gebe einen "Anfangsverdacht", heißt es. Volkert ist mittlerweile auch als VW-Aufsichtsrat zurückgetreten.

Braunschweig - Bei Volkert gebe es bisher lediglich einen Anfangsverdacht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Frank Koch am Freitag. "Wir wissen nicht, ob sich der Verdacht erhärtet." Gegen den früheren VW- Personalvorstand Peter Hartz gebe es zur Zeit nach wie vor keine Ermittlungen, hob Koch hervor.

Man überprüfe vor allem, ob Gelder, die VW für Reisen ausgegeben habe, mit dem Geschäftszweck vereinbar waren, sagte Koch. Es könne sich auch herausstellen, dass es dienstlich notwendige Reisen waren, und die Ermittlungen wieder eingestellt würden. Dehalb habe man zunächst auch den Namen Volkerts nicht nennen wollen, sich aber nach Spekulationen der vergangenen Tage doch dazu entschlossen.

Klaus Volkert ist mittlerweile aus dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG zurückgetreten. Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende habe seinen Rücktritt mit Wirkung zum 16. August erklärt, sagte ein VW-Sprecher am Freitag.

Rücktritt: VW-Personalvorstand Peter Hartz räumte wegen der Affäre seinen Platz

Rücktritt: VW-Personalvorstand Peter Hartz räumte wegen der Affäre seinen Platz

Foto: DDP
Kontrolleur: Christian Wulff, als Ministerpräsident Niedersachsens auch Präsidiumsmitglied des VW-Aufsichtrates, fordert rasche Aufklärung

Kontrolleur: Christian Wulff, als Ministerpräsident Niedersachsens auch Präsidiumsmitglied des VW-Aufsichtrates, fordert rasche Aufklärung

Foto: DPA
Schlüsselfigur: Der entlassene Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster (rechts, mit Peter Hartz), soll sich ebenso wie Gebauer mit Hilfe verschiedener Tarnfirmen persönlich bereichert haben

Schlüsselfigur: Der entlassene Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster (rechts, mit Peter Hartz), soll sich ebenso wie Gebauer mit Hilfe verschiedener Tarnfirmen persönlich bereichert haben

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Rücktritt II: Der ehemalige Betriebsratschef von Volkswagen, Klaus Volkert, nahm noch vor Peter Hartz seinen Hut

Rücktritt II: Der ehemalige Betriebsratschef von Volkswagen, Klaus Volkert, nahm noch vor Peter Hartz seinen Hut

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Die Volkswagen-Affäre
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Ermittlungen ausgeweitet

Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Justiz die Ermittlungen ausgeweitet hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelte bisher gegen Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer wegen Betrugs und Untreue. Sie sollen Gelder mit Hilfe eines Geflechts von mindestens zehn Firmen in acht Ländern auf eigene Konten umgeleitet haben. Auch Schmiergeld sei gezahlt worden.

Der langjährige einflussreiche VW-Betriebsratschef Volkert war am 30. Juni überraschend von seinem Amt zurückgetreten und hatte damit die Affäre erst richtig ins Rollen gebracht. Nachdem der 62-jährige diesen Schritt zunächst lediglich mit seinem Alter begründet hatte, räumte er nach einigen Tagen ein, an einer von Schusters Firmen beteiligt gewesen zu sein. Er sei aber nicht in kriminelle Machenschaften verwickelt, versicherte er.

Auf Antrag von VW gehen die Staatsanwälte inzwischen aber auch Vorwürfen nach, dass Betriebsräte mit "Lustreisen" und Besuchen im Rotlichtmilieu begünstigt und damit auf Unternehmenslinie gebracht worden sein sollen. In diesem Zusammenhang wurde über Eigenbelege berichtet, mit denen bis zu fünfstellige Summen abgerechnet worden sein sollen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte erklärt, durch nicht ordnungsgemäß abgerechnete Reisespesen könne dem Unternehmen ein Gesamtschaden entstanden sein, der möglicherweise im "sechsstelligen Bereich" liege. Künftig soll es schärfere Kontrollen geben.

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