Gegen den Trend Deutschlands Autokonjunktur zieht an

Nach dem Rekordmonat Juni ist der Autoabsatz in Westeuropa im Juli gegenüber dem Vorjahr um knapp 2 Prozent gesunken. Eine Ausnahme bildet der deutsche Markt, der seit Monaten wächst.

Hamburg - Um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ging der Absatz in Europa nach Angaben des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) zurück. Die Europäische Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA), die die Zahlen gewöhnlich veröffentlicht, weist für Juli keine eigenen Zulassungsdaten aus. Insgesamt wurden demnach im Juli nur 1,21 Millionen Autos verkauft.

In Deutschland und Italien legten die Verkäufe dagegen um jeweils etwa 1 Prozent zu. In Frankreich waren die Neuzulassungen im Juli mit einem Minus von 5,1 Prozent zum ersten Mal in diesem Jahr rückläufig. In Großbritannien brachen sie wegen der anhaltenden Konsumunlust der Briten um 6,6 Prozent ein.

"In Deutschland übertrafen die Neuzulassungen damit zum vierten Mal in Folge das Vorjahresergebnis", hebt der VDA in einer Mitteilung hervor. Die lang erwartete Trendwende sehen Beobachter allerdings nicht. "Das ist nur eine Stabilisierung", sagt Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz gegenüber manager-magazin.de. Im Vorjahr waren die Absatzzahlen in Deutschland um 7,1 Prozent eingebrochen. Immerhin: "Es ist nicht so schlimm wie wir es uns zu Beginn des Jahres ausgemalt haben", sagt Marc René Tonn, Autoanalyst bei M.M. Warburg. Möglicherweise sorgt inzwischen die Preisstrategie der Händler dafür, dass der seit langem bestehende Investitionsstau auf dem deutschen Automarkt angegangen wird. Sie erkaufen nach Einschätzung von Tonn inzwischen mit vergleichsweise hohem Rabattniveau Absatz.

Siegeszug des Diesel in Europa

Der Anstieg in Italien ist dagegen hauptsächlich auf Nachholeffekte aufgrund von Streiks im Mai zurückzuführen, wie auch die Gesamtzahlen der ersten sieben Monate des Jahres zeigen: In dieser Zeit fiel der Absatz in Italien (minus 4 Prozent) und Großbritannien (minus 6 Prozent), während in Deutschland (2,3 Prozent), Spanien (1,6 Prozent) und Frankreich (4,2 Prozent) Absatzsteigerungen erzielt wurden.

Auffällig sind die teilweise gravierenden Steigerungen auf kleineren europäischen Märkten. So erlebt Dänemark einen regelrechten Boom, wo der Absatz bislang um knapp 25 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt, sich insgesamt aber auch nur auf knapp 85.000 Autos summiert. Auch Irland (plus 11,5 Prozent, insgesamt 149.000 Autos) und Portugal (plus 7,5 Prozent, insgesamt 134.000 Autos) legen mächtig zu. Schlechter lief das Geschäft dagegen in der Schweiz (minus 10,1 Prozent, insgesamt 150.000 Autos).

Im Vormonat Juni hatte der Absatz in den 15 westeuropäischen EU-Ländern, in Norwegen und der Schweiz um 4,5 Prozent und damit überraschend stark zugelegt. Nach den ersten sieben Monaten liegen die Neuzulassungen dennoch bei 9,02 Millionen Autos und damit um 0,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Kräftig um etwa 3 Prozentpunkte gestiegen ist der Dieselanteil bei den Neuzulassungen. Nahezu jeder zweite neu zugelassene Wagen in Europa ist inzwischen mit Dieselmotor ausgestattet. Die genaue Quote: 49,2 Prozent. Damit entwickeln sich Qualität und Verfügbarkeit von Dieselmotoren immer mehr zum Erfolgsfaktor für den europäischen Markt. Der entkoppelt sich damit aus technischer Sicht zusehends von den Überseemärkten. Denn in den USA und Asien spielen Dieselantriebe fast keine Rolle.

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