VW-Affäre "Gewinnverteilung war klar geregelt"

Eine fünfstellige Summe aufs Privatkonto, doppelte Reiseabrechnungen sowie ein Geflecht von mindestens zehn Firmen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften: Volkswagen erhebt schwere Vorwürfe gegen die gefeuerten Manager Klaus-Joachim Gebauer und Helmuth Schuster. Der Gütetermin mit Gebauer scheiterte nach wenigen Minuten.

Braunschweig - Die Schlüsselfiguren der Affäre, der gefeuerte Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer und Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster, hätten den Volkswagen-Konzern  als "Plattform" genutzt, um in die eigene Kasse zu wirtschaften, sagte der Leiter der VW-Rechtsabteilung, Michael Ganninger, am Dienstag vor dem Arbeitsgericht Braunschweig.

Dafür hätten die beiden ein Netz von mindestens zehn Firmen in acht Ländern aufgebaut. Auch Schmiergeld in fünfstelliger Höhe sei an Gebauer gezahlt worden. Gebauer wies die Vorwürfe zurück.

Rücktritt: VW-Personalvorstand Peter Hartz räumte wegen der Affäre seinen Platz

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Kontrolleur: Christian Wulff, als Ministerpräsident Niedersachsens auch Präsidiumsmitglied des VW-Aufsichtrates, fordert rasche Aufklärung

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Schlüsselfigur: Der entlassene Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster (rechts, mit Peter Hartz), soll sich ebenso wie Gebauer mit Hilfe verschiedener Tarnfirmen persönlich bereichert haben

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Rücktritt II: Der ehemalige Betriebsratschef von Volkswagen, Klaus Volkert, nahm noch vor Peter Hartz seinen Hut

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Die Volkswagen-Affäre
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VW hatte Gebauer Ende Juni fristlos gekündigt. Dagegen klagt dieser. Die gesetzlich vorgeschriebene Verhandlung über eine gütliche Einigung scheiterte am Dienstag nach wenigen Minuten. Am 17. November soll es nun eine mündliche Verhandlung geben.

Firmengeflecht "mit System"

VW-Chefsyndikus Ganninger sagte, hinter dem Firmengeflecht von Gebauer und Schuster habe ein "System" gesteckt. Grundlage dafür seien "Anlage- und Managementverträge" gewesen, die Gebauer zum Teil unterzeichnet habe. Die beiden Manager hätten mit einer Firmengruppe zusammengearbeitet, die Gewinnverteilung sei klar geregelt gewesen.

So wollten Schuster und Gebauer laut Ganninger beispielsweise an dem Import von Autos nach Angola mitverdienen, so Ganninger. Zwei Drittel des Gewinns bei dem Geschäft sollten an die beiden Manager gehen, ein Drittel an die Firmengruppe.

In Tschechien sollen Gebauer und Schuster an der Firma F-Bel beteiligt gewesen sein, die in Prag für die VW-Tochter Skoda eine Mini-Autostadt nach Wolfsburger Vorbild geplant hatte. Auch dabei hätten Schuster und Gebauer in die eigene Kasse wirtschaften wollen. Die geplanten Geschäfte seien aber vor ihrer Umsetzung aufgeflogen, sagte Ganninger.

Fünfstellige Summe aufs Privatkonto

Fünfstellige Summe auf Privatkonto

Zudem sollen von einem tschechischen Dienstleister, der im Auftrag von VW arbeitete, Schmiergelder an Gebauer geflossen sein.

Die Firma habe Volkswagen eine Rechnung gestellt, Gebauer habe dafür gesorgt, dass VW diese bezahlte. Gleichzeitig habe die Firma aber nach Aufforderung Gebauers den gleichen Betrag - eine fünfstellige Summe - auf dessen Privatkonto überwiesen. Ganninger: "Das nennt man landläufig Schmiergeldzahlungen."

Zudem habe sich der 61-Jährige mit doppelten Reiseabrechnungen bereichert. Ganninger nannte einen Betrag von 10.000 Euro. Ferner sei Gebauer auf Firmenkosten für private Geschäfte nach Lissabon gereist, obwohl der Autobauer ihn in Berlin wähnte.

Zu den Vorwürfen, Gebauer habe "Lustreisen" für Betriebsräte organisiert und diese damit begünstigt, sagte Ganninger nichts. Dies spiele vor dem Arbeitsgericht keine Rolle.

Gebauer: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Gebauer sagte: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Er habe eng mit dem früheren VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz und Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert zusammengearbeitet. Beide waren im Sog der Affäre zurückgetreten. Einzelheiten nannte Gebauer nicht. Er war früher für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig.

Gebauers Anwalt Wolfgang Kubicki sprach von "unglaublichen Anschuldigungen", die sich in "Luft auflösen" würden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Schuster und Gebauer wegen Betrugs und Untreue. Kubicki sagte, sein Mandant sei weder an Tarnfirmen beteiligt gewesen noch habe er sich persönlich bereichert. Kubicki muss bis zum 9. September auf die Vorwürfe schriftlich reagieren.

Der Anwalt kritisierte, VW habe die Kündigung bis zur Güteverhandlung nicht begründet und am Dienstag eine "Show abgezogen". Sollten sich die Vorwürfe gegen Gebauer als falsch erweisen, werde er von Volkswagen wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten Schadenersatz einfordern.

Gebauer verlangt eine fristgemäße Kündigung, die ihm unter anderem eine Weiterbezahlung seines Jahresgehalts von rund 90.000 Euro sichern würde. Daneben fordere er eine Abfindung für seine 32 Arbeitsjahre im Konzern. Volkswagen hat eine gütliche Einigung wegen "der Schwere der Verfehlungen für nicht möglich" erklärt.

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