Freitag, 15. November 2019

"Schwarz oder weiß" Das bewegte Leben des Jürgen E. Schrempp

Nach der Verlängerung seines Arbeitsvertrages im vergangenen Jahr sah es aus, als säße Jürgen Schrempp bei DaimlerChrysler fest im Sattel. Nun geht er doch, plötzlich und auf eigenen Wunsch. Ein Abgang, der zu dem Mann passt, der von sich sagt, er sei "nie grau - immer schwarz oder weiß".

Stuttgart - Jürgen E. Schrempp polarisiert, und er weiß es. Er redet nicht, um kritische Geister zu überzeugen, sondern um seine Sicht der Dinge einzuhämmern.

"Warten Sie meine Erklärung ab": Schrempp galt nie als Konsens-Konzernchef
Er trägt keine mühsam erarbeiteten Kompromisse vor, sondern verkündet Richtungsentscheidungen. Jürgen Schrempp ist der Mann, der im dritten Jahr als Daimler-Benz-Chef die vielleicht wichtigste Entscheidung in der Unternehmensgeschichte im Alleingang vorbereitete: Die Fusion mit dem angeschlagenen größeren Konkurrenten Chrysler.

"Rambo" wurde er deshalb von aufgebrachten Arbeitnehmern genannt. Danach bemühte sich der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker um ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern, vor allem zu IG-Metall-Funktionär und Betriebsratschef Erich Klemm. Denn Schrempp brauchte die Unterstützung der Arbeitgeberbank im Aufsichtsrat, um seinen Globalisierungskurs für den Autokonzern fortzuführen, der nach anfänglicher Begeisterung von Teilen der Aktionäre immer kritischer bewertet wurde. Das ist der andere Jürgen Schrempp, der um der Macht willen auch Koalitionen bildet.

Teurer Handschlag: Die Übernahme des sanierungsbedürftigen Autobauers Chrysler kam Mercedes teuer zu stehen. Der ehemalige Chrysler-Chef Bob Eaton hingegen hat Grund, zufrieden zu sein Kurze Partnerschaft: Die Zusammenarbeit mit dem koreanischen Autobauer Hyundai (hier: Schrempp im Juli 2001 mit Hyundai-Chairman Chung Mong-koo) währte nur kurz. Zumindest finanziell hat sich der Verkauf der 10-Prozent-Beteiligung an Hyundai im Mai 2004 gelohnt. Milliardengrab: Das lange Festhalten am defizitären japanischen Autobauer Mitsubishi Motors brachte dem DaimlerChrysler-Chef massive Kritik von Aktionären ein. Im Jahr 2000 verkündete Schrempp gemeinsam mit Mitsubishi-Chef Katsuhiko Kawasoe eine 34-Prozent-Beteiligung. 2004 entschloss sich der DaimlerChrysler-Chef zum Rückzug.

Glücklose Beteiligungen
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Bei der Zerreißprobe um den umstrittenen Sparkurs bei Mercedes in Sindelfingen nutzte Schrempp seine Kontakte zu Klemm im Hintergrund, um schließlich am 23. Juli vergangenen Jahres die Einigung über jährlich 500 Millionen Euro Einsparungen bei den Arbeitskosten verbunden mit einer Jobgarantie bis Anfang 2012 zu verkünden.

Alles unter Konrolle: Jürgen Schrempp mit Ehefrau Lydia beim Formel-1-Rennen in Hockenheim Zigarrenliebhaber: Schrempp bei einem Empfang im Detroit Jacht Club. Die Zeit läuft ab: Noch in diesem Jahr will Schrempp seinen Posten für Nachfolger Dieter Zetsche frei machen

Jürgen Schrempp privat
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Dieses Ergebnis, ein guter Halbjahresgewinn und die relativ geräuschlose Neubesetzung des Mercedes-Benz-Chefpostens durch seinen Vertrauten Eckhard Cordes, bescherten Schrempp noch einmal positive Schlagzeilen.

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