Donnerstag, 17. Oktober 2019

"Schwarz oder weiß" Das bewegte Leben des Jürgen E. Schrempp

2. Teil: Angeschlagen seit Mitsubishi-Chaos

Angeschlagen seit dem Scheitern bei Mitsubishi

Doch als Schrempp am 23. April 2004 bei der schwer angeschlagenen Beteiligung Mitsubishi Motors die Reißleine zog und sich von der Idee der Welt-AG verabschiedete, gab er das Scheitern seiner Konzernentwicklungsstrategie bekannt - und damit das Scheitern seiner Arbeit der vergangenen Jahre.

Vielleicht der entscheidende Fehler: Schrempp entschied sich für eine Beteiligung an Mitsubishi
Der DaimlerChrysler-Chef bewies zwar Kämpferqualität: Wenige Tage nach der Entscheidung wurde er vom Aufsichtsrat gestützt, dafür flog Kritiker Wolfgang Bernhard aus dem Vorstand. Und Schrempp erklärte umgehend China zum neuen Mittelpunkt seiner Asien-Strategie.

Diese Schnelligkeit und sein Durchsetzungsvermögen zeichneten nach Ansicht von Managern aus der Stuttgarter Zentrale die Persönlichkeit des DaimlerChrysler-Lenkers aus.

Kritiker warfen ihm aber immer wieder vor, dabei die sorgfältige Prüfung zu vernachlässigen und erinnern an die beiden im Endeffekt milliardenschwer gescheiterten Übernahmen des niederländischen Flugzeugbauers Fokker in den 90er Jahren und Mitsubishi.

Topentscheider: Schrempp mit Bundeskanzler Gerhard Schröder im "Mercedes-Motorwagen" Entspannt: Schrempp mit Altkanzler Kohl in Berlin Autofreunde: Schrempp mit Innenminister Otto Schily

Drähte zur Politik
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Dass Schrempp trotz des Rückschlags bei Mitsubishi das Lenkrad bei DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen noch eine Zeit lang fest in der Hand behielt, lag vor allem daran, dass er den Konzern passgenau auf sich zugeschnitten hat und in Aufsichtsratschef Hilmar Kopper einen mächtigen Fürsprecher und Freund hatte. Der machtbewusste Konzernchef verstand es, auch anfängliche Niederlagen in Siege umzubiegen.

So scheiterte er zwar Ende April 2004 mit einer entscheidenden Personalie: der Besetzung des Mercedes-Chefsessels mit seinem "Ziehsohn" Wolfgang Bernhard. Aus dem sich anschließenden großen Stühlerücken im Vorstand ging Schrempp aber gestärkt hervor. Mit sicherem Instinkt hievte er Ende Juli seine langjährigen Vertrauten Eckhard Cordes als neuen Mercedes-Chef und Andreas Renschler als neuen Leiter der Nutzfahrzeugsparte in zentrale Positionen des Konzerns und band das Führungsgremium damit noch enger an sich.

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