Mittwoch, 26. Februar 2020

Schrempps Rücktritt Der spektakuläre 3,7-Milliarden-Abgang

Der wohl bekannteste deutsche Manager gibt überraschend auf. Jürgen Schrempp werde den Vorstandsvorsitz Ende des Jahres an Dieter Zetsche übergeben, beschloss der Aufsichtsrat am Donnerstag einstimmig.

Jürgen Schrempp: Der Daimler-Chef zieht die Konsequenzen

Stuttgart - DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp wird überraschend den Autokonzern verlassen. Wie am Donnerstag aus Konzernkreisen zu erfahren war, soll Chrysler-Chef Dieter Zetsche zum 1. Januar 2006 Schrempps Nachfolger werden. Bei Chrysler wird mit Tom LaSorda wieder ein Amerikaner an die Spitze rücken.

Schrempps Vertrag als Vorstandsvorsitzender war ursprünglich noch bis April 2008 gültig. Als Favorit für den Chefsessel bei DaimlerChrysler galt auch Mercedes-Chef Eckhard Cordes. Die Aktie von DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen legte am Donnerstag zeitweise um mehr als 10 Prozent zu und schloss dann mit einem Plus von 8,70 Prozent auf 39,49 Euro.

Wie manager-magazin.de aus gut informierter Quelle erfuhr, hat Schrempp zusammen mit Aufsichtsratschef Hilmar Kopper seit Tagen den Rücktritt diskutiert. Schrempp habe sich diesen Schritt wohl überlegt, heißt es. Kopper, seit vielen Jahren der wichtigste Unterstützer von Schrempp, bleibe bis zum Auslaufen seines Vertrages im April 2007 Chefkontrolleur bei DaimlerChrysler.

Teurer Handschlag: Die Übernahme des sanierungsbedürftigen Autobauers Chrysler kam Mercedes teuer zu stehen. Der ehemalige Chrysler-Chef Bob Eaton hingegen hat Grund, zufrieden zu sein. Kurze Partnerschaft: Die Zusammenarbeit mit dem koreanischen Autobauer Hyundai (hier: Schrempp im Juli 2001 mit Hyundai-Chairman Chung Mong-koo) währte nur kurz. Zumindest finanziell hat sich der Verkauf der 10-Prozent-Beteiligung an Hyundai im Mai 2004 gelohnt. Milliardengrab: Das lange Festhalten am defizitären japanischen Autobauer Mitsubishi Motors brachte dem DaimlerChrysler-Chef massive Kritik von Aktionären ein. Im Jahr 2000 verkündete Schrempp gemeinsam mit Mitsubishi-Chef Katsuhiko Kawasoe eine 34-Prozent-Beteiligung. 2004 entschloss sich der DaimlerChrysler-Chef zum Rückzug.

Glücklose Beteiligungen
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Schrempp selber stehe, wie es heißt, für ein Mandat im obersten Kontrollgremium nicht zur Verfügung. Zudem verzichte er auf die Weiterzahlung der Bezüge bis zum Vertragsende im April 2008 und wolle auch keinen Beratervertrag.

Alles unter Konrolle: Jürgen Schrempp beim Formel-1-Rennen in Hockenheim Zigarrenliebhaber: Schrempp bei einem Empfang im Detroit Jacht Club Die Zeit läuft ab: Noch in diesem Jahr will Schrempp seinen Posten für Nachfolger Dieter Zetsche frei machen

Jürgen Schrempp privat
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Diese spektakuläre Personalie hat der Aufsichtsrat heute morgen einstimmig beschlossen. Die Entscheidung sei sehr sorgfältig vorbereitet worden, heißt es in den Kreisen. Sowohl die Aufsichtsräte als auch Schrempp hielten diesen Zeitpunkt für besonders günstig, da die bereits eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen wirkten und erste Erfolge zu erkennen seien.

Topentscheider: Schrempp mit Bundeskanzler Gerhard Schröder im "Mercedes-Motorwagen" Entspannt: Schrempp mit Altkanzler Kohl in Berlin Autofreunde: Schrempp mit Innenminister Otto Schily

Drähte zur Politik
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Wie gründlich die Personalie vorbereitet worden sei, zeige sich auch darin, dass Schrempp einen persönlichen Brief an alle Chefredakteure vorbereitet habe, in denen er sich für die Zusammenarbeit bedanke.

Auszeichnung: Schrempp bei der Bambi-Verleihung mit Verleger Hubert Burda Engagement gegen Aids: Mit Ehefrau Lydia auf einer Benefiz-Gala Südafrika-Freunde: Jürgen Schrempp mit Nelson Mandela. Schrempp besitzt eine Ranch in Südafrika

In guter Gesellschaft
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Die Reaktion an der Börse fiel mit der Kursrally eindeutig aus. Es sei nicht verwunderlich, dass der Aktienkurs auf diesen Schritt positiv reagiere, sagten die Analysten von Merrill Lynch. Schrempp habe seit langem den "Blitzableiter" für die Enttäuschung und Verärgerung der Aktionäre aufgrund Wert vernichtender Operationen dargestellt. Der anstehende Führungswechsel habe das Vertrauen der Investoren in die Zukunft des gesamten Unternehmens nun dramatisch erhöht.

Schrempp seien viele Fehlentscheidungen vorgeworfen worden. Ob Nachfolger Zetsche den Autobauer aus den aktuellen Schwierigkeiten herausführen werde, sei offen.

Der Autobauer plagt sich seit längerem mit Qualitätsproblemen und einer sinkenden Nachfrage. Die Produktionskapazitäten sind auf 500.000 Autos pro Jahr ausgelegt, aber mehr als 400.000 Mercedes dürften in diesem Jahr angesichts der schwachen Autokonjunktur nicht gebaut werden.

Betroffen sind vor allem die deutschen Werke. Daher stünden wohl eher mehr als 10.000 Arbeitsplätze als die bisher genannten 5000 Stellen zur Disposition, meinte ein Insider gegenüber manager-magazin.de.

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