Volkswagen Die Prüfer berichten

In der Korruptionsaffäre bei VW wollen die Wirtschaftsprüfer der KPMG am Montag erste Erkenntnisse ihrer Ermittlungen vorlegen. Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates wird das Thema in einer internen Sitzung besprechen. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech fordert "Klärung bis ins letzte Detail".

Hamburg - Ob Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen, steht noch nicht fest. Aufsichtsrat Ferdinand Piëch meldete sich in der Affäre am Wochenende zu Wort. Er wolle sich verstärkt um Aufklärung kümmern, sagte er dem SPIEGEL: "Ich will die Vorgänge geklärt haben, bis ins letzte Detail".

Unterdessen forderte VW-Chef Bernd Pischetsrieder erneut kräftige Kostensenkungen, um das Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Ende dieser Woche will VW seine Halbjahresbilanz vorlegen: Die Aktie von Volkswagen  ist bereits deutlich gestiegen, obwohl die Kernmarke VW seit dem vergangenen Jahr rote Zahlen schreibt.

Spesenbetrug und Lustreisen

Rund 15 bis 18 KPMG-Mitarbeiter untersuchen seit knapp drei Wochen Vorwürfe der Korruption und möglichen Spesenbetrugs bei VW. Im Mittelpunkt stehen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und Klaus- Joachim Gebauer, die in den 90er Jahren auch in der Personalabteilung in Wolfsburg gearbeitet haben. Sie sollen unter anderem über ein Firmengeflecht Gelder auf private Konten umgeleitet haben, die dem Konzern zugestanden hätten. Auch von "Lustreisen" für Betriebsräte ist die Rede, die über Eigenbelege abgerechnet worden sein sollen.

VW selbst hatte sich die KPMG-Prüfer ins Haus geholt. Sie berichten mündlich dem Prüfungsausschuss, dem Piëch, dessen Vorgänger Klaus Liesen und der neue Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Bernd Osterloh angehören.

Pischetsrieder: "Massiver Sparkurs"

Konzernchef Pischetsrieder stimmte unterdessen die Beschäftigten in einem Interview der "Braunschweiger Zeitung" erneut auf Einschnitte im Zusammenhang mit dem massiven Sparkurs ein. Werkschließungen werde es aber nicht geben, versicherte der VW-Chef. Beim notwendigen Personalabbau werde der Tarifvertrag vom Herbst 2004 eingehalten, der die Jobs in den sechs westdeutschen Werken bis 2011 garantiert. Er lasse aber Alternativen zu. So könnten in den nächsten drei Jahren in Westdeutschland 6.000 Mitarbeiter über Altersteilzeit ausscheiden.

Die neuen Schichtmodelle müssten so gestaltet werden, dass "vermeidbare Zuschläge auch vermieden werden", forderte der VW-Chef weiter. "Wir müssen von den zu hohen Kosten runter, da gibt es kein Vertun". Die Unternehmensspitze will vor allem durch Wegfall von Nachtschichten und den entsprechenden Zulagen rund 70 Millionen Euro sparen. Eine Einigung mit dem Betriebsrat gibt es bisher nicht.

Operativer Gewinn höher als im Vorjahr

Operativer Gewinn höher als im Vorjahr

Für das Konzernergebnis erneuerte Pischetsrieder die Prognose, dass der operative Gewinn 2005 höher als im Vorjahr sein wird. Im Vorjahr waren es 1,6 Milliarden Euro. Bis 2008 soll das Ergebnis vor Steuern netto um vier Milliarden Euro verbessert werden. "Weil es auch steigende Belastungen gibt, müssen die Einsparungen und Verbesserungen brutto höher sein." Bei der Marke VW sei eine Ergebnisverbesserung von sieben Milliarden Euro bis 2008 vorgesehen.

Für den Konzern gebe es noch keine Zahl - Branchenkreise gehen von zehn Milliarden Euro aus. Pischetsrieder äußerte sich zuversichtlich, dass der geplante Geländewagen auf Golf-Plattform im Wolfsburger Stammwerk gebaut werden kann. Allerdings - ohne eine Kostensenkung um 850 Euro je Wagen werde "es das Auto entweder gar nicht oder hier nicht geben". VW hatte bei den Tarifverhandlungen 2004 zugesagt, den Wagen in Wolfsburg zu bauen.

VW-Gesetz "schützt nicht vor Übernahme"

Zum VW-Gesetz, das im Zuge der Affäre in den vergangenen Tagen wieder ins Gespräch gekommen war und gegen das die EU-Kommission klagt, sagte Pischetsrieder, es schütze keineswegs vor einer Übernahme. Der beste Schutz sei die Tatsache, "dass aus Kartellgründen kein Wettbewerber mit Ausnahme von Toyota das Unternehmen übernehmen darf."

Allerdings könnten Finanzinvestoren einsteigen, die aus einer Zerschlagung des Autokonzerns Profit schlagen wollten. Solche Pläne könnten durch den derzeitigen Börsenwert von Volkswagen motiviert sein, der niedriger sei als der tatsächliche Gesamtwert der Konzernteile. Deshalb müsse der Wert des Gesamtunternehmens höher werden als die Summe seiner Teile.