Freitag, 6. Dezember 2019

Selbstbedienung "Korruption ist Chefsache"

Das Wichtigste im Kampf gegen Korruption im Unternehmen ist ein klares Bekenntnis des Chefs, sagt Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender von Transparency Deutschland. Doch meist sind es die Führungspersonen, die in der Grauzone zwischen kleinen Geschenken und großen Honoraren Grenzen überschreiten.

mm.de:

Gleich drei Dax-Konzerne sind zurzeit von Korruption betroffen, Infineon, DaimlerChrysler und Volkswagen. Nimmt Korruption in deutschen Unternehmen zu?

von Blomberg: Ob Korruption tatsächlich statistisch zunimmt weiß kein Mensch. Nur ein Bruchteil der Fälle kommt überhaupt ans Tageslicht. Experten sind sich einig, dass wir eher über 5 als über 10 Prozent dessen reden, was wirklich passiert.

mm.de: Werden mehr Fälle aufgedeckt?

Peter von Blomberg war stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Allianz-Versicherungs AG in Köln und ist stellvertretender Vorsitzender der Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland. Von Blomberg wurde 1936 geboren und lebt in Köln.
von Blomberg: Ja. Die Ermittlungen in Korruptionsfällen sind gezielter, fachkundiger und umfassender geworden. Es sind Schwerpunktstaatsanwaltschaften eingerichtet worden, die an die sehr komplexen Fälle mit viel mehr Sachverstand und Erfahrung herangehen und infolgedessen auch erfolgreicher aufklären. Dazu kommt, dass es ein gewachsenes Interesse der Öffentlichkeit an dem Thema Korruption gibt. Es wird thematisiert und hinterfragt, das war noch vor wenigen Jahren nicht der Fall.

mm.de: Hat sich die Selbstkontrolle der Unternehmen auch verbessert?

von Blomberg: Große Unternehmen haben sich inzwischen der Korruptionsbekämpfung zugewandt. Das ist gut. Aber es gibt noch zu viele, die vor diesem Thema die Augen verschließen.

mm.de: Was fehlt denen?

von Blomberg: Die Unternehmensleitung muss sich selbst ohne Vorbehalte gegen Korruption positionieren. Sie muss gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern klar machen, dass Korruption abgelehnt und gnadenlos verfolgt wird. Und zwar nicht nur arbeitsrechtlich, sondern wenn es geboten ist auch strafrechtlich und mit dem Gang an die Öffentlichkeit.

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Mercedes, Volkswagen, Infineon und jetzt Ikea - die Fälle von Schmiergeldzahlungen und Korruption in der deutschen Wirtschaft häufen sich. Sind dies nur Ausnahmen?

mm.de: Gerade das Top-Management ist aber in nun bekannt gewordene Fälle verwickelt. Ist die Ebene besonders korruptionsanfällig?

von Blomberg: Gefährdet sind immer die Stellen, auf denen weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Die Korruptionsstatistik des Bundeskriminalamtes zeigt, dass etwa 80 Prozent der Beschuldigten bei Korruptionsverfahren der Geschäftsleitung angehören, also Geschäftsführer, Vorstände, leitende Angestellte oder Inhaber sind. Ein bisschen zynisch muss man sagen: 'Korruption ist Chefsache'

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