Staatsgarantien Banken ohne Bürgschaft

Mit dem Wegfall der Staatsgarantien für Landesbanken gerät die Branche in Bewegung: Die einen lagern ihre faulen Kredite aus, die anderen sehen sich nach neuen Wachstumsfeldern um. Die Landesbank Baden-Württemberg zum Beispiel will offenbar ihren Anteil an der Privatbank HSBC Trinkaus ausbauen.

Hamburg/Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will ihren Anteil an der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt von derzeit 20,3 Prozent auf mindestens 25 Prozent ausbauen, um einen größeren Einfluss auf die Geschäfte der Privatbank zu erlangen. Dies berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf Branchenkreise.

Laut "FTD" gebe es bereits Gespräche zwischen der LBBW und der britischen Großbank HSBC, die als Mehrheitseigner derzeit 73,5 Prozent an HSBC Trinkaus hält. Beide Institute wollten dies am Montag zunächst nicht kommentieren.

Für die LBBW ist der Anteil an Trinkaus bislang eine reine Finanzbeteiligung. Mit dem Erreichen einer Sperrminorität von 25 Prozent würden sich die Stuttgarter jedoch ein strategisches Mitspracherecht sichern.

HSBC Trinkaus gilt in Branchenkreisen besonders im Geschäft mit vermögenden Privatkunden und in der Mittelstandsfinanzierung als stark. Für die LBBW gehören sowohl die Mittelstandsfinanzierung als auch das gehobene Privatkundengeschäft zu den Wachstumsfeldern, bestätigte LBBW-Sprecher Stefan Schütz gegenüber manager-magazin.de.

Nach der Übernahme der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) gehöre es zu den Zielen der LBBW, das Mittelstandsgeschäft in Rheinland Pfalz zu stärken, so Schütz. Mit der Übernahme der BW Bank habe man zudem den Fokus auf gehobene Privatkunden gerichtet: Die Zusammenarbeit mit der BW Bank beginnt am 1. August.

Neue Strategien gefragt

Staatliche Garantien entfallen - neue Strategien gefragt

Nicht nur durch den Wegfall der Staatsgarantien, die den Landesbanken in der Vergangenheit ein exzellentes Kreditrating und eine günstige Refinanzierung gesichert haben, geraten die Landesbanken in Zugzwang. Die LBBW ist im Gegensatz zu vielen anderen Landesbanken hoch profitabel, will ihren Wachstumskurs aber fortsetzen und sich neue Geschäftsfelder erschließen.

Eine Erhöhung des Anteils an Trinkaus könnte auch die Antwort der LBBW auf die Aktivitäten der WestLB sein: Die WestLB hatte kürzlich die Übernahme wesentlicher Teile der Weberbank beschlossen und will auch im Mittelstandsgeschäft weiter wachsen. Mit einer Erhöhung des Anteils am Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus würde die LBBW zudem direkt im Wohnzimmer der WestLB wildern.

Die LBBW verfolge ihre eigene langfristige Strategie, statt auf Veränderungen bei anderen Landesbanken zu reagieren, so Schütz: "Jede Bank muss nun ihr eigenes Modell finden." Die LBBW sei auf Grund ihrer Struktur weniger vom volatilen Kapitalmarkt abhängig - das Fördergeschäft sei ohnehin bei der Landeskreditbank ausgelagert.

Doch auch im Kreditgeschäft selbst ist viel in Bewegung geraten. Um einen Teil ihrer Risikokredite zu entsorgen, haben Nord LB und West LB vor wenigen Wochen unter Beteiligung der japanischen Shinsei Bank die "Servicegesellschaft Kreditmanagement" gegründet. Landesbanken und Sparkassen, aber auch Privatbanken können ihre Risikokredite in diese Gesellschaft auslagern und sich auf diese Weise ihr Kreditrating verbessern - für viele öffentliche Institute ist dies nach dem Wegfall der staatlichen Bürgschaften hochwillkommen.

"Konsolidierung wird weitergehen"

"Konsolidierung wird weitergehen"

Die öffentlichen Banken geben sich für die neue Zeit ohne Staatsgarantien betont selbstbewusst. "Ab dem 19. Juli 2005 gelten für alle Banken in Deutschland gleiche Wettbewerbsbedingungen. Jetzt zählt nur noch, wie erfolgreich eine Bank wirtschaftet", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (BVÖ), Karl-Heinz Boos.

Boos geht davon aus, dass der Streit darüber, ob private, genossenschaftliche oder öffentliche Banken Vorteile im Wettbewerb haben, angesichts des nun hergestellten level-playing-field endgültig beendet sei.

Die Landesbanken haben die vierjährige Übergangszeit seit der mit der Europäischen Kommission getroffenen Verständigung über die Änderung ihrer Haftungsgrundlagen (sog. Verständigung I vom 17. Juli 2001) genutzt, um gemeinsam mit ihren Eigentümern neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Verbundzusammenarbeit mit den Sparkassen zu intensivieren.

Der BVÖ sieht in den kommenden Jahren eine weitere Konsolidierung am deutschen Bankenmarkt, wobei diese vorrangig innerhalb der Bankengruppen stattfinden werde. Die Entscheidung über künftige Strukturen liege allerdings allein bei den Eigentümern der Landesbanken.

"Vier Gruppen werden bleiben"

Der Chef der WestLB, Thomas Fischer, rechnet ebenfalls mit einer Konzentrationswelle unter den acht Landesbanken. Voraussichtlich vier Gruppen würden bleiben, sagte Fischer dem "Handelsblatt". Zu den Banken, denen der Experte dabei gute Chance ausrechnet, zählt die BayernLB.

Künftig müssten die Landesbanken auf "eigenen Füßen stehen", sagte Fischer. Die für Landesbanken und Sparkassen beginnende neue Ära wird nach seiner Einschätzung eine Aufbruchsstimmung auslösen. Fusionen von Landesbanken und Sparkassen, wie sie einige Experten anmahnen, hält der WestLB-Chef allerdings nicht für notwendig.

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