Volkswagen-Affäre Frühzeitige Warnungen

Volkswagen ist vor unseriösen Machenschaften des Skoda-Vorstandes Helmuth Schuster schon 2003 mit mehreren E-Mails gewarnt worden und hat daraufhin auch Untersuchungen eingeleitet. Schuster habe damals aber mit "falschen Erklärungen" beschwichtigt.

Hamburg - Das NDR-Magazin "Panorama" berichtet von E-Mails, die den Konzern im November 2003 vor einem "unseriösen Umfeld" des Ex-Skoda-Vorstands Helmuth Schuster warnten. Der Konzern habe diese Warnungen bestätigt. "Es ist zutreffend, dass es Herrn Dr. Schuster gelungen ist, in seiner Eigenschaft als Vorstand von Skoda Zweifel an der Seriosität einzelner Geschäfts- und Gesprächspartner zu zerstreuen", zitiert "Panorama" das Unternehmen. Ein Sprecher von Volkswagen bestätigte am Donnerstag diese Stellungnahme.

Weiter erklärte Volkswagen demnach, "auch im Zusammenhang mit den (...) von Ihnen beschriebenen 'Warnungen' hat Herr Dr. Schuster intern falsche Erklärungen abgegeben". Laut "Panorama" geht es um ein geplantes Exportgeschäft von Skoda-Fahrzeugen nach Angola. In E-Mails, die "Panorama" vorlägen, werde Skoda vor einem deutschen Geschäftspartner Schusters gewarnt.

In der Volkswagen-Bestechungsaffäre rechnet der Aufsichtsrat für übernächste Woche mit einem ersten Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Dieser werde am 22. Juli erwartet, sagte IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Jürgen Peters am Donnerstag im WDR. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig dehnt unterdessen ihre Ermittlungen bei VW aufs Ausland aus. Dieser Schritt werde über kurz oder lang erfolgen, sagte ein Behörden-Sprecher auf Anfrage.

Neuer Gütetermin im Streit zwischen G. und Volkswagen

Im Fall des wegen Verstrickungen in die Schmiergeldaffäre gekündigten VW-Personalmitarbeiters G. hat das Arbeitsgericht Braunschweig einen neuen Gütetermin für dessen Kündigungsschutzklage festgesetzt. Die Parteien würden sich am 9. August treffen, teilte ein Justizsprecher mit. Der ursprünglich für den 21. Juli angesetzte Termin war verschoben worden, weil der VW-Prozessbevollmächtigte im Urlaub ist.

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind nach deren Angaben jene Orte interessant, an denen die Unternehmen sitzen, die in die Affäre verstrickt sein sollen. Ferner würden weitere Zeugen vernommen, hieß es. Durchsuchungen seien indes noch nicht geplant. Volkswagen stelle der Behörde weitere Unterlagen zur Verfügung. Zudem liefen Anfragen "an andere Stellen". Zu den am Vortag angelaufenen Zeugenbefragungen machte der Sprecher keine Angaben.

Die Strafverfolger ermitteln gegen G. sowie Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster wegen des Verdachts der Untreue. Der im Zusammenhang mit der Bestechungsaffäre zurückgetretene VW-Personalchef Peter Hartz sowie Ex-Betriebsratchef Klaus Volkert sind von den Ermittlungen bislang nicht betroffen.

Indische Polizei ermittelt

Indische Polizei ermittelt

In der VW-Korruptionsaffäre soll nun auch das indische Bundeskriminalamt CBI ermitteln. Die Regierung des südindischen Bundesstaats Andhra Pradesh habe die Zentralregierung in Neu Delhi aufgefordert, eine CBI-Untersuchung anzuordnen, meldete die indische Nachrichtenagentur IANS am Donnerstag.

Die Regierung Andhra Pradeshs hatte für den Bau einer VW-Fabrik auf Anforderung des inzwischen entlassenen VW/Skoda-Manager Helmuth Schuster zwei Millionen Euro an eine Firma namens Vashishta Wahan gezahlt. Die Regierung ging nach eigenen Angaben davon aus, dass Vashishta Wahan zu VW gehörte. Laut VW ist der Autokonzern an einer solchen Firma aber nicht beteiligt.

Nach ARD-Informationen ist Vashishta Wahan eine indische Tarnfirma Schusters. Andhra Pradeshs Industrieminister Bosta Satyanarayana hatte am Dienstag gesagt, VW müsse das Geld zurückzahlen, sollte der Konzern die dort angedachte Fabrik nicht bauen. Laut VW ist keine Entscheidung über den Bau der Fabrik gefallen. Die Regierung Andhra Pradeshs ist wegen der Zahlung des Geldes unter Druck geraten.

Neue Diskussionen ín der "Gehälter-Affäre"

Unterdessen geht auch die so genannte VW-Gehälteraffäre in eine neue Runde. Im Konzern ist eine Diskussion ausgebrochen, ob die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Ingolf Viereck und Hans-Hermann Wendhausen weiter beschäftigt werden sollen. bei VW arbeiten werden. Als Parlamentarier genießen sie einen besonderen Kündigungsschutz. Auf entsprechende gesetzliche Regelungen wies Landtagssprecher Franz Rainer Enste am Donnerstag in Hannover hin. Zuvor hatte es geheißen, VW werde den beiden Politikern kündigen.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Wendhausen und Viereck seit dem 1. Juli wieder bei VW in Teilzeit beschäftigt sind. Zuvor ruhten ihre Verträge. Die beiden hatten zehn Jahre lang parallel zu ihren Diäten von 5.400 Euro monatlich ein zweites Gehalt von VW kassiert. Landtagspräsident Jürgen Gansäuer hatte Wendhausen und Viereck daher aufgefordert, zusammen mehr als 750.000 Euro an das Land abzuführen. Die Abgeordneten weigerten sich zu zahlen, weil das Abgeordnetengesetz verfassungswidrig sei und sie eine dem VW-Gehalt entsprechende Arbeitsleistung erbracht hätten.

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