Neue Pfandregel Die Büchse kehrt zurück

Aufreißen, austrinken und zusammenknüllen - Fans von Bier- und anderen Getränkedosen werden künftig wieder mehr Möglichkeiten haben, die Weißblechbehälter zu erwerben. Metro nimmt die Büchsen wieder ins Sortiment, andere werden folgen. Auslöser ist eine Gesetzesänderung.

Hamburg - Die Bierdose steht zweieinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden aus Deutschlands Supermarktregalen vor einem Comeback. Die Großhandelskette Metro  nimmt die Blechbüchsen wieder in ihr Sortiment auf, etliche Supermärkte dürften dem Beispiel bald folgen.

Die gleichnamige Großhandelstochter des Branchenprimus nimmt die Bierdosen bundesweit jetzt wieder in ihr Sortiment auf. "Warsteiner und Felsgold sind bereits im Verkauf, weitere Marken folgen in diesen Wochen", sagte ein Sprecher. "Wir sind damit der erste Vollsortimenter in Deutschland, der Bier auch wieder in Dosen anbietet", fügte er hinzu.

Nach Angaben des Gebindeherstellers Ball Packaging Europe ist die Getränkedose für viele Handelsunternehmen wieder ein Thema. "Wir führen vielversprechende Gespräche mit einigen Handelsketten", sagte eine Sprecherin des Konzerns, dessen Europageschäft bis 2002 unter Schmalbach-Lubeca firmierte.

Umsatz der Mehrwegsysteme wird abnehmen

Der Dosenhersteller, der etwa die Hälfte des Inlandsbedarfs deckt, bekam das Zwangspfand stark zu spüren: Das Ratinger Unternehmen baute 80 Arbeitsplätze ab und legte eine von sechs Dosenfertigungslinien in Deutschland still, die bestehenden Anlagen sind derzeit nur zu 60 Prozent ausgelastet. In den drei deutschen Dosenwerken war in den vergangenen zwei Jahren überwiegend Kurzarbeit angesagt.

Doch schon bald werden die Anlagen laut Hanno Fiedler, dem Europa-Chef des US-Konzerns, wieder ausgelastet sein. Verantwortlich dafür dürfte eine am 1. Mai 2006 in Kraft tretenden Gesetzesänderung sein: Händler, die Dosen oder Einwegflaschen verkaufen, müssen dann sämtliche Wegwerfgefäße für Getränke zurücknehmen - und nicht nur Leergut aus dem eigenen Sortiment, wie es derzeit der Fall ist.

Eine Untersuchung des Euro-Handelsinstituts in Köln stützt die Erwartung auf eine Comeback der Getränkebüchsen. Viele Händler dürften demnach ab 2006 komplett auf den Verkauf von Mehrwegverpackungen verzichten. Wenn ein einheitliches Rücknahmesystem für Einwegverpackungen existiert, würden die niedrigeren Kosten den Ausschlag geben. Schon durch das Pressen der Einwegverpackungen in den Rücknahmeautomaten könnten mehr als 70 Prozent der Handlingkosten gespart werden.

Acht Milliarden Dosen pro Jahr

Passend zur Grillsaison

Die SB-Warenhaus-Kette Real und die Supermarktkette Extra, die ebenfalls zu dem Düsseldorfer Handelskonzern gehören, würden beim Verkauf von Bierdosen voraussichtlich bald nachziehen, hieß es. "Das ist jetzt ein guter Augenblick", sagte ein Sprecher mit Blick auf die Ferien- und Grillsaison. Metro hatte Dosenbier nach dem Zwangspfand ab 2003 ausgelistet.

Einem Bericht der "Lebensmittel-Zeitung" zufolge werden derzeit auch andere Handelsunternehmen und Brauereien beim Dosenbier aktiv. Nachdem beim Discounter Lidl Veltins-Dosen im Regal stünden, feiere Bitburger im Halbliter-Blechgebinde ein Comeback beim Discounter Plus. Die Wiederaufnahme ins Regal sei zunächst ein Test in einigen Regionen. Ein Sprecher der Bitburger Brauerei wollte dies nicht näher kommentieren. "Wir haben Dosen die ganze Zeit im Angebot gehabt", sagte er. Das Volumen richte sich nach der Nachfrage.

Acht Milliarden Dosen pro Jahr

"Das ist ein ganz normaler Test", sagte ein Sprecher der Brauerei Veltins. Einzelne Handelsunternehmen loteten aus, ob mit der Bierdose der Absatz angekurbelt werden könne. Die Pet-Plastikflasche, mit der Discounter die Bierdose ersetzten, zeige im Lebensmittel-Einzelhandel inzwischen kein Wachstum mehr. Der Pet-Anteil stagniere nach einem steilen Anstieg 2003 seit dem Herbst 2004 bei rund 6 Prozent.

Bis zur Einführung des Zwangspfands 2003 gingen in Deutschland jährlich etwa acht Milliarden Dosen über die Theke. Wegen der Pfandeinführung wurde die Dose aber von den meisten Handelsketten ausgelistet. Der Jahresabsatz brach in Deutschland auf etwa eine halbe Milliarde Dosen ein. In Dosen werden viele Getränke vom Energy-Drink bis zum Eistee angeboten. Dosenbier gilt als besonders haltbar, da kein Licht eindringt und keine Inhaltsstoffe entweichen.

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