EU-Genehmigung Siemens darf VA Tech übernehmen

Siemens kann unter Auflagen für mehr als eine Milliarde Euro den österreichischen Konkurrenten VA Tech mit dem Segen der EU-Kommission übernehmen. Auf Druck der Wettbewerbshüter muss sich Siemens dabei vom Wasserkraftgeschäft der VA Tech trennen und sich aus der Führung des Anlagenbauers SMS Demag zurückziehen.

Brüssel - "Die kartellrechtlichen Auflagen decken sich mit unseren Erwartungen", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Nach der Erlaubnis aus Brüssel will Siemens  die Übernahme nun innerhalb weniger Tage vollziehen.

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte zu der Entscheidung: "Wir unterstützen die Bildung starker, wettbewerbsfähiger Unternehmen, vorausgesetzt, Wettbewerb bleibt auf allen relevanten Märkten erhalten." In diesem Fall habe die Kommission sichergestellt, dass Verbraucher nicht höhere Strompreise zahlen müssten.

Mit kartellrechtlichen Auflagen hatte Siemens gerechnet. Trotz der Konzessionen habe Siemens seine strategischen Ziele erreicht, sagte Kleinfeld. Die Münchner übernehmen die Bereiche Metallurgie, Energieübertragung und -verteilung sowie Infrastruktur mit einem Umsatz von insgesamt mehr als drei Milliarden Euro und 13.000 Mitarbeitern.

Siemens-Vertreter bei SMS durch Treuhänder ersetzt

Im Laufe des Prüfverfahrens hatte Siemens einen Verkauf der Wasserkraft-Aktivitäten angeboten. Die EU-Kommission betonte nun, dass bei einer Zusammenlegung dieses Geschäftszweiges mit den Siemens-Aktivitäten die Gefahr bestanden habe, dass Siemens eine marktbeherrschende Stellung bei Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke erlangt. Siemens will nun für die VA-Tech-Sparte Energieerzeugung mit rund 3000 Mitarbeitern und knapp 900 Millionen Umsatz noch in diesem Jahr einen Käufer finden.

Zudem muss Siemens die Unabhängigkeit der SMS Demag garantieren, an der der Konzern einen Anteil von 28 Prozent hält, teilte die Kommission mit. SMS Demag ist ein VA-Tech-Konkurrent beim Anlagenbau für die Stahlerzeugung. Die Siemens-Vertreter in den Gesellschaftergremien sollen durch Treuhänder ersetzt werden.

Siemens war die Übernahme des größten österreichischen Industriekonzerns Anfang des Jahres im zweiten Anlauf geglückt. Der erste Versuch war am heftigen Widerstand in Österreich gescheitert. Derzeit hält Siemens gut 97 Prozent des VA-Tech-Kapitals. Die freien Aktionäre sollen aus dem Unternehmen gedrängt und VA Tech von der Börse genommen werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.