Lambertz Die süßen Jahre sind vorbei

Nicht Jahre, sondern gleich einige Jahrhunderte ist der Printenbäcker Lambertz alt. Und hat in dieser Zeit Kriege und Konsumschwächen getrotzt. Nun soll kräftig gespart werden. Die Gewerkschaft sieht 300 Arbeitsplätze gefährdet. Eigentümer Hermann Bühlbecker verweist auf drohende Wettbewerbsnachteile.

Aachen - Alter schützt vor Krise nicht. Diese Erfahrung muss jetzt auch das 317 Jahre alte Unternehmen Lambertz machen. Der Aachener Süßwarenbäcker will nach Gewerkschaftsangaben von Mittwoch in deutlichem Maße Personalkosten einsparen und droht mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Polen.

Die Geschäftsführung plane für die rund 2500 Beschäftigten in Deutschland die Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sowie Kürzungen bei Urlaub und Weihnachtsgeld. Durch neue Produktionslinien im polnischen Lambertz-Werk könnten 4,5 Millionen Euro Personalkosten eingespart werden, hieß es in einem Schreiben von der Geschäftsleitung an die Belegschaft. Dieses liegt der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor. Bei einer Teilverlagerung der Produktion würden 300 Arbeitsplätze an deutschen Standorten wegfallen. Das entspreche der Personalstärke eines mittleren Werkes. Ziel der Gespräche mit Gewerkschaft und Betriebsräten sei, das Einsparvolumen stattdessen auf die 2500 Beschäftigten zu verteilen.

"Die Leute sind stinksauer"

Die Gewerkschaft weiß den Betriebsratschef und große Teile der Belegschaft auf ihrer Seite. In deutlichen Worten formulierte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Netzer seinen Ärger. "Die Leute sind stinksauer. Sie sind nicht bereit, sich das gefallen zu lassen". Erst Ende Juni habe die Belegschaft einer Vereinbarung zur Flexibilisierung der Arbeitszeit zugestimmt - inklusive einer möglichen 48-Stunden-Woche.

Alleineigentümer Hermann Bühlbecker versucht zu besänftigen: "Wir wollen keine Arbeitsplätze verlagern. Aber wir müssen die Möglichkeiten zu sparen ausdiskutieren", sagte er auf Nachfrage von manager-magazin.de. Er verweist auf den Tarifvertrag zur Zukunftssicherung der Süßwarenbranche samt Öffnungsklausel vom 1. Februar dieses Jahres. Seitdem können Gewerkschaften vor Ort mit Betrieben relativ weit reichende unternehmensspezifische Regelungen treffen. "Wir machen nur, was andere auch schon längst machen", sagt Bühlbecker. Es sei ein Wettbewerbsnachteil, wenn man untätig bleiben würde.

"Nüsse und Mandeln haben sich dramatisch verteuert"

Als weiteren Grund für angestrebte Einsparungen nennt der Firmenchef den Preisdruck bei Rohstoffen. "Nüsse und Mandeln haben sich dramatisch verteuert". Die Mehrkosten von etwa zehn Millionen Euro könne man nicht an den Handel beziehungsweise den Endverbraucher weitergeben. "Weil wir nicht darüber nachdenken, einen Standort zu schließen, wollen wir Gespräche über Einsparpotenziale führen." Zu einer konkreten Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr wollte sich Bühlbecker nicht äußern. Deutlich höher als der Anstieg von 2 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr wird das Umsatzwachstum dieses Jahr aber wohl nicht ausfallen.

Sein Unternehmen hatte 1999 eine Produktionsstätte im Ausland eröffnet. Das Engagement im polnischen Kattowitz lohnt sich - zum Ärger von deutschen Gewerkschaftern - in vielfacher Hinsicht. Lambertz senkt so Kosten und erfreut sich an einem Umsatzschub im Osten Europas. 35 Prozent plus erwirtschaftete die polnische Tochtergesellschaft im vergangenen Jahr. Gewiss, auf einem absolut gesehen niedrigen Niveau. Lambertz relativiert: "Wir produzieren selbst in Deutschland derzeit für den polnischen Markt, weil das polnische Werk mit der Belieferung von Osteuropa ausgelastet ist."

Lambertz ist heute einer der größten deutschen Gebäckhersteller und Marktführer für Saisongebäck. In den vergangenen 27 Jahren steigerte Bühlbecker den Umsatz von ursprünglich zehn Millionen Euro auf zuletzt 424 Millionen Euro im Jahr. Die Mitarbeiterzahl wuchs von ehemals 300 auf einen Höchststand von gut 3500.

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