Bad Bank Sparkassen-Retter aus Fernost

Banken und Sparkassen ächzen unter Risikokrediten in Höhe von 160 Milliarden Euro. Für ausländische Investoren ein interessanter Markt, sagt Thierry Porté. Der CEO der japanischen Shinsei Bank erläutert, wie er seinen neuen Partnern NordLB und WestLB helfen will – und wie der Einfluss der "Bad Banks" Deutschland verändern wird.

mm.de:

Die japanische Shinsei Bank wird sich ab August gemeinsam mit NordLB und WestLB um die Verwertung Not leidender Kredite kümmern. Banken und Sparkassen können ihre Problemkredite, die von Schuldnern wahrscheinlich nicht mehr vollständig zurückgezahlt werden können, in die neue "Servicegesellschaft Kreditmanagement" (SGK) auslagern. Warum interessiert sich eine japanische Bank für deutsche Problemkredite?

Porté: Weil wir in Japan eine Menge Erfahrungen gemacht haben, wie man Problemkredite in den Griff bekommt. Shinsei bedeutet "neu geboren": Die Bank ist aus der japanischen Long Term Credit Bank hervorgegangen, die 1998 spektakulär pleite ging und von amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften als Shinsei Bank neu aufgestellt wurde.

Wir haben unseren japanischen Kunden in einem jahrelangen Lernprozess vermittelt, dass man Kredite auch irgendwann einmal zurückzahlen muss und nicht ewig umschulden kann. Im März 2000 hatte die Shinsei Bank noch rund 35 Prozent Not leidende Kredite in ihrem Portfolio, das waren umgerechnet 16 Milliarden Euro. Bis heute haben wir diesen Anteil auf unter 2 Prozent gedrückt, und der Börsengang der Shinsei Bank im vergangenen Jahr war ein großer Erfolg. Ich glaube, dass wir vieles, was wir in Japan gelernt haben, auch in Deutschland nutzen können.

mm.de: Deutschland gilt allgemein nicht gerade als schlechter Schuldner. Wo sehen Sie die Parallelen zu Japan?

Porté: Deutschland ist wie Japan ein hoch entwickeltes Industrieland mit einem großen Finanzsektor. Aber es hat derzeit ein Problem damit, seine Not leidenden Kredite neu zu strukturieren und effektiv zu verwerten. Wir reden über ein Volumen von geschätzten 160 Milliarden Euro Not leidender Kredite in Deutschland, davon 60 bis 100 Milliarden Euro allein im öffentlich-rechtlichen Bankensektor.

Das ist ein Erfolg versprechender Markt, und dafür interessieren sich auch immer mehr ausländische Investoren. Ich gehe davon aus, dass sich die Konkurrenz auf diesem Sektor in Deutschland verschärfen wird - sowohl durch deutsche Privatbanken als auch durch weitere ausländische Anbieter.

Eintrittskarte für ausländische Investoren

Eintrittskarte für ausländische Investoren

mm.de: Mit dem Kauf und der Verwertung fauler Kredite sichern sich ausländische Investmentgesellschaften wachsenden Einfluss auf deutsche Unternehmen. Rechnen Sie zum Start mit öffentlicher Skepsis?

Porté: Auch in Japan wurden uns zunächst viele skeptische Fragen gestellt. Das Geschäft galt als undurchsichtig - wie kann man Geld damit verdienen, indem man sich Problemkredite aufhalst? Man kann sehr wohl, wie wir gesehen haben. Und das muss nicht, wie oft befürchtet, zu Lasten der Kunden gehen.

mm.de: Wie soll das funktionieren?

Porté: Letztlich geht es doch darum, mit den Schuldnern zusammenzuarbeiten und den Kredit neu zu strukturieren. Das heißt, Bedingungen zu schaffen, wie der Schuldner von seinen Schulden herunterkommt und der Gläubiger zumindest einen Teil des Geldes wieder sieht. Natürlich kann das in Einzelfällen auch bedeuten, in einem Unternehmen auch operativ Einfluss zu nehmen. Aber beide Seiten haben im Ergebnis ein Interesse daran, dass man mit Problemkrediten aufräumt und somit alte Probleme beseitigt. Es geht also eher um langfristige Zusammenarbeit und nicht darum, Kreditpakete zu kaufen und weiterzureichen.

mm.de: Die Bad Bank nicht nur als Entlastung für Banken und Sparkassen, sondern als Helfer der verschuldeten Unternehmen?

Porté: Ein wesentlicher Grund, warum sich Japan derzeit spürbar erholt, ist die Tatsache, dass man das schwer wiegende Problem der Not leidenden Kredite angepackt hat. Nur wer seine alten Kredite in den Griff bekommt, erhält neue Kredite zu besseren Konditionen.

mm.de: Durch Basel II werden die Kriterien für die Kreditvergabe weiter verschärft. Ein Grund mehr für Kreditinstitute, ihre risikoreichen Kredite in eine "Bad Bank" auszugliedern und damit ihre Bilanzen zu bereinigen.

Porté: Nicht nur die Finanzinstitute haben ein Interesse an unseren Leistungen. Für mittelständische Firmen mit hoher Kreditbelastung können wir ein Helfer auf dem Weg sein, künftig günstigere Kredite zu bekommen. Die Verbesserung der Kreditbasis ist ein ureigenes Interesse der Unternehmen.

Ich glaube, dass auch in Deutschland mit der Zeit sachlicher mit diesem Thema umgegangen wird und die Transparenz und Professionalität in diesem Geschäftsfeld wächst. Die Erholung des "japanischen Patienten" zeigt: Man sollte die Lasten der Vergangenheit nicht auf ewig mit sich herumschleppen. Wer sich alten Problemen stellt, wird fit für die Zukunft - das gilt auch für Problemkredite.

Problemlöser nicht nur für Landesbanken

Problemlöser nicht nur für Landesbanken

mm.de: Benötigt Deutschland Hilfe aus dem Ausland, um mit diesem Problem fertig zu werden?

Porté: Ich glaube nicht, dass internationaler Wettbewerb und internationale Expertise in diesem Prozess schaden. Im Übrigen haben wir mit der NordLB und der WestLB zwei Partner an unserer Seite, die den deutschen Markt bestens kennen und jeweils zu einem Drittel an der gemeinsamen Kreditplattform beteiligt sind.

Die Shinsei Bank hält lediglich 24 Prozent, die übrigen 9 Prozent entfallen auf den US-Investor JC Flowers. Es spricht für die Landesbanken nichts dagegen, sich einen Partner an Bord zu holen, der bereits über viele Jahre Erfahrungen mit der Verwertung von Problemkrediten gesammelt hat.

mm.de: Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute sind unter Zugzwang. Der Gesetzgeber hat den Druck auf sie erhöht, ihre Risikokredite auszugliedern. Wird die neue Kreditplattform SGK zum Problemlöser der Landesbanken und Sparkassen?

Porté: Wir richten uns sowohl an den öffentlich-rechtlichen wie auch an den privaten Finanzsektor. Natürlich liegt der Schwerpunkt zunächst einmal auf dem öffentlich-rechtlichen Bereich: Wir starten mit einem Volumen von 400 Millionen Euro Not leidender gewerblicher Immobilienkredite, die unsere Partner NordLB und WestLB an die SGK übertragen.

Unser Portfolio wird aber deutlich wachsen, da wir neben Immobilienkrediten auch Firmenkredite von Mittelstands- und Großunternehmen bearbeiten. Zahlreiche Sparkassen und Sparkassenverbände haben bereits ihr Interesse signalisiert.

Wir können zum Beispiel durch Verbriefungsaktionen bestimmte Kreditportfolien refinanzieren, die für manche Sparkassen problematisch geworden sind - sei es, weil sie dafür selbst nicht groß genug oder nicht genug diversifiziert sind. Die betroffenen Kreditinstitute verschaffen sich wieder mehr Spielraum für neue Geschäfte, wenn wir ihre Problemkredite übernehmen, abarbeiten und verwerten.

"Rendite von 15 Prozent"

"Rendite von 15 Prozent"

mm.de: Wie bekommt die neue "Bad Bank" weitere Kunden ins Boot, zusätzlich zu den Landesbanken und Sparkassen?

Porté: Wir wollen uns außerdem an Kreditverkaufsauktionen beteiligen. Wir konzentrieren uns auch nicht allein auf das so genannte "Work Out" - also den Kauf und die Bearbeitung von Problemkrediten. Wir bieten uns ebenso anderen Banken als Dienstleister an, um ihre Kreditportfolien zu bearbeiten.

mm.de: Wie wird sich das Geschäft bis 2010 in Deutschland entwickeln? Die SGK als eine "Bad Bank" unter vielen?

Porté: Wir starten zunächst mit 10 bis 15 Mitarbeitern in Frankfurt und wollen innerhalb von zwei Jahren den Breakeven erreichen. Bis 2010 haben wir die branchenübliche Eigenkapitalrendite von rund 15 Prozent angepeilt - obwohl sich die Konkurrenz durch Gesellschaften wie Cerberus und Fortress, aber auch durch deutsche Kreditplattformen verschärfen wird.

Prinzipiell sind wir offen für weitere Partner - die SGK ist keine exklusive Plattform. Unser Geschäftsfeld des Problemkredit-Managements ist ein Zukunftsgeschäft. Es wird sich noch stärker im Alltagsgeschäft etablieren und an breiter Akzeptanz gewinnen: Das ist auch für den Finanzplatz Deutschland ein wichtiger und hilfreicher Prozess.

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