Oetker-Gruppe Verkauf von Vita-Cola an Coke?

Zukäufe und ein Boomjahr im Reedereigeschäft bescherten der Oetker-Gruppe einen Umsatzsprung von 26 Prozent für das Geschäftsjahr 2004. Gleichzeitig erwägt die Gruppe einen Verkauf von alkoholfreien Getränkemarken wie Sinzinger und Vita-Cola.

Bielefeld - Die Oetker-Gruppe hat dank ihrer Erfolge bei Lebensmitteln und internationalen Reedereigeschäften sowie durch Zukäufe 2004 einen Umsatzsprung von 26 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro erzielt. Das stärkste Wachstum erreichte die Schifffahrtssparte Hamburg Süd mit rund einem Drittel.

Das operative, um Firmenakquisitionen und Währungskurse bereinigte Gruppenwachstum lag bei 13,7 Prozent, sagte Firmenchef August Oetker am Dienstag in Bielefeld. Zum Gewinn äußert sich Oetker traditionell nicht genau. Die Firma sei mit dem Ertrag aber zufrieden: "Es war ein gutes Jahr." Wachstumsimpulse kämen jedoch vor allem aus dem Ausland.

Im laufenden Jahr sei ein solcher Schub nicht zu wiederholen, erläuterte der persönlich haftende Gesellschafter Ernst Schröder. "Wir erwarten für das Gesamtjahr vier Prozent Konzernwachstum." Das entspreche der Umsatzentwicklung seit Jahresbeginn.

Im Geschäftssegment Bier trieb die Übernahme von Brau und Brunnen  den Umsatz um rund 60 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro hoch, sagte Oetker. Auch wenn Brau und Brunnen noch einen deutlichen Verlust eingefahren habe und der Biermarkt durch Zwangspfand und Billigtrend gebeutelt sei, biete diese Branche gute Zukunftschancen.

Bier: Profitabilität leidet unter "Verdaddelung"

Der Chef der Oetker-Biersparte RB Brauholding, Ulrich Kallmeyer, kritisierte Strategiefehler vieler Brauer wie etwa Überkapazitäten: Die Profitabilität in dem Segment sei eigentlich sehr hoch: "Ein großer Teil davon wird aber verdaddelt." Oetker baue durch Zusammenlegung von Braustätten acht Millionen Hektoliter und damit fast ein Drittel seiner Kapazität ab. Als Marktführer (Radeberger, DAB, Binding und andere) wolle Oetker mit späteren Zukäufen weitere Regionen und Spezialitäten erschließen.

Die Sparte Nahrungsmittel wuchs um 18,4 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro, sagte Oetker. Bereinigt um Kursschwankungen und Übernahmen wie den Joghurt-Hersteller Onken waren es 5,6 Prozent Wachstum bei den Erlösen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Bei weitem größter Umsatztreiber war jedoch das Reedereigeschäft, berichtete Schröder: Es wuchs um mehr als 30 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro. "Wir haben von der Explosion der Chartermärkte voll profitiert." Im Linienverkehr zog Hamburg Süd Nutzen vom gefragten Asien-Südamerika-Verkehr. Oetker ergänzte, dass die Gruppe beim China-Boom auch im Food-Segment Profitmöglichkeiten sehe: "Eine Bedrohung ist China für uns nicht. Wir prüfen, ob es eine Chance ist." Konkurrenz in der Lebensmittelsparte erwarte er von dort nicht.

Oetker trennt sich von alkoholfreien Getränken

Oetker trennt sich von alkoholfreien Getränken

Die zum Oetker-Konzern gehörende RB Brauholding will zudem den größten Teil ihres Geschäfts mit alkoholfreien Getränken verkaufen. Das bestätigte der Chef von Oetkers Bierholdung, Ulrich Kallmeyer, dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Zur Disposition stehen demnach die Berliner Brau und Brunnen Mineralquellen GmbH sowie die Sinziger Mineralbrunnen GmbH.

Im Konzern verbleiben soll die Mineralwassermarke Selters, die als Premiummarke im hochpreisigen Gastronomiebereich ihre Existenzberechtigung behält. Der Umsatzanteil des zum Verkauf stehenden Geschäfts betrage rund 114 Millionen Euro.

Als "Juwel" im alkoholfreien Bereich gilt die Ost-Marke Vita-Cola, deshalb gilt Coca-Cola in Branchenkreisen als Favorit unter den potenziellen Erwerbern dieser Marke. Mit dem Verkauf setze Konzernchef August Oetker den Umbau seiner Brauholding fort.

Pudding, Pötte, Pizza und Pils

Pudding, Pötte, Pizza und Pils

Der Bielefeld Oetker-Konzern zählt zu den bekanntesten Markennamen in Deutschland, und die meisten Menschen denken dabei zunächst an Pudding und Backmischung. Den größten Umsatz nach Sparten machen die Bielefelder aber inzwischen auf den Weltmeeren: Rund 40 Prozent ihrer Milliardenerlöse stammen aus dem Reedereigeschäft der Tochter Hamburg Süd. Im vergangenen Jahr stieg Oetker zudem durch Zukäufe zu Deutschlands größtem Bierbrauer auf - mit Marken wie DAB, Radeberger und Jever.

Begonnen hat alles in einer Bielefelder Apotheke: Dort entwickelte 1891 August Oetker das "Backin"-Pulver. Enkel Rudolf August stellte 60 Jahre später die Weichen zu einem breit aufgestellten Weltkonzern, zu dem rund 300 Firmen gehören. Der Gruppenumsatz der Dr. August Oetker KG belief sich 2004 auf 6,434 Milliarden Euro. Zum rund 22.000 Mitarbeiter zählenden Konzern gehören auch das Bankhaus Lampe, die Condor-Versicherung, eine Chemiefabrik sowie fünf Luxushotels.

Dr. Oetker setzt ausschließlich auf Markenprodukte. Unter der Dachmarke "Dr. Oetker" werden unter anderem Backmischungen, Puddingpulver, Müsli und Pizza verkauft. Auch Langnese-Honig und Costa-Fischgerichte kommen von Oetker. Vierte Säule des nicht börsennotierten Familienunternehmens sind Sekt, Wein und Spirituosen.

Dieser Markt wird von Oetker etwa mit Deinhard, Söhnlein und Rüttgers Club bedient. Bei den Spirituosen ragt Wodka Gorbatschow heraus.