Konsumklima Neuwahl verunsichert Verbraucher

Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich im Juni den dritten Monat in Folge eingetrübt. Im Gegensatz zu den Unternehmen sind die Konsumenten durch die Neuwahlpläne nicht optimistischer geworden. „Sie scheinen derzeit wie gelähmt zu sein“, sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst.

Nürnberg - Verantwortlich für den Rückgang sei die noch stärkere Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen, teilte die GfK  am Dienstag in Nürnberg mit.

Im Gegensatz zu den Unternehmern, deren Stimmung das ifo-Institut untersucht, und den Finanzmarktakteuren, die das ZEW befragt, schlägt sich die voraussichtlich anstehende Neuwahl keineswegs positiv im Stimmungsbarometer nieder. Während die Unternehmen mit einer möglichen neuen Regierung offenbar grundsätzlich eine höhere Wirtschaftsfreundlichkeit verbinden, überwiege bei den Konsumenten die Skepsis, begründet GfK-Chef Klaus Wübbenhorst die Spaltung.

"Mit gemischtem Gefühl in den Sommerurlaub"

"Allein durch die Wahl wird sich nur wenig bewegen", sagte Wübbenhorst. Schließlich sei derzeit noch unklar, mit welchen genauen Konzepten die künftige Regierung die Misere in Deutschland angehe. "Die Bürger bleiben skeptisch und verunsichert", sagte Wübbenhorst. Die Unsicherheit dürfte sich in der Wahlkampfphase der nächsten Monate fortsetzen.

So lähme die Diskussion über eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung. "Das ist schädlich für die Konsumstimmung", sagte Wübbenhorst. "Mit einem gemischten Gefühl" dürften die Verbraucher nach Einschätzung von Wübbenhorst in den Sommerurlaub aufbrechen.

Jeder Stopp an der Tankstelle auf dem Weg zum Urlaubziel dürfte nach Einschätzung von Wübbenhorst die Stimmung der Konsumenten derzeit dämpfen. Durch die Rekordrohöl- und Benzinpreise wird den Bürgern nach Interpretation von Wübbenhorst Kaufkraft entzogen. Darüber hinaus steige beim Verbraucher die "gefühlte Inflation", also das Gefühl, dass viele Sachen spürbar teurer werden.

"Konsumenten sind wie gelähmt"

"Die Konsumenten sind wie gelähmt"

Auch die weiterhin hohe Furcht vor Arbeitslosigkeit - jeder dritte Erwerbstätige in West- und jeder zweite in Ostdeutschland sieht seinen Arbeitsplatz bedroht - bremst die Konsumlaune.

"Die Konsumenten scheinen derzeit wie gelähmt zu sein", stellen die Forscher fest. Die uneinheitliche Entwicklung der vergangenen Monate setze sich fort.

So hat der Konsumklimaindikator mit einem Rückgang von 4,5 Punkten auf einen Wert von minus 25,8 Punkten den Anstieg im Vormonat fast vollständig aufgezehrt. Für Juli prognostiziert der Konsumklimaindikator einen Wert von 3,5 Punkten nach revidiert 4,3 Punkten im Vormonat.

Indikator Konjunkturerwartung unter Vorjahreswert

Trotz der kurzfristig nur verhaltenen Perspektiven für die Konsumstimmung erwartet Wübbenhorst für das Gesamtjahr weiterhin einen moderaten Anstieg des privaten Konsums um 0,4 Prozent. Der Konsument trägt also trotz des schwierigen Umfelds im Gegensatz zum Vorjahr zum Wachstum bei, allerdings nicht mit der noch zu Jahresbeginn erwarteten Dynamik.

Der Indikator Konjunkturerwartung stieg im Juni im Vergleich zum Vormonat um knapp 3 auf minus 13,4 Punkte an. Dennoch liegt er noch immer unter dem entsprechenden Wert vom Vorjahr.

Nachdem der Indikator Einkommenserwartung im Mai mit einem Minus von 13 Punkten deutlich verloren hatte, stieg er in diesem Monat leicht um 3 Punkte auf einen Wert von Minus 9,9. Der seit Mitte 2003 zu beobachtende Zickzackkurs setzt sich damit weiterhin fort.