Fußball TV-Paradies als Auslaufmodell

Die Vereine im deutschen Profifußball stehen einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge auf einer finanziell festeren Grundlage als noch vor einem Jahr. Die aus dieser Entwicklung erhoffte Qualitätssteigerung wird bald aber wohl nur noch im Stadion oder im Pay-TV zu bewundern sein.

Frankfurt am Main - Die Vereine der ersten und der zweiten Fußball-Bundesliga gehen davon aus, dass sich ihre wirtschaftliche Lage dank steigender Einnahmen und sinkender Ausgaben in den kommenden Jahren verbessern wird. Dabei wird der neue TV-Vertrag für die Saison 2006/2007 den deutschen Spitzenklubs allerdings nur begrenzte Aussichten auf deutlich höhere Einnahmen bieten. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young, die auf einer Befragung von Managern der Klubs basiert.

Die Fußballmanager schätzen die derzeitige Situation der Branche deutlich positiver ein als noch im letzten Jahr. 65 Prozent bezeichnen die derzeitige wirtschaftliche Lage als gut oder eher gut - im Vorjahr hatten nur 48 Prozent ein positives Urteil gefällt. Zwei Drittel der Befragten erwarten für die Saison 2004/2005 ein positives finanzielles Ergebnis.

Die Mehrheit der Klubmanager (53 Prozent) geht zudem von steigenden Einnahmen in der kommenden Saison aus. Die Hoffnungen liegen dabei vor allem im Bereich des Sponsoring: 64 Prozent der Befragten erwarten, dass die Einnahmen aus dem Sponsoring steigen werden.

Gehälter dem sportlichen Erfolg anpassen

Die Ausgaben der Klubs sollen vor allem kurzfristig zurückgefahren werden. Insbesondere die Kosten für Personal und Transfers stehen verstärkt auf dem Prüfstand und versprechen aus Sicht der Klubs das größte Sparpotenzial. Viele Manager denken zum Beispiel an flexible Vergütungssysteme, um die Gehälter dem sportlichen Erfolg schneller anpassen zu können.

Die bevorstehende Weltmeisterschaft im eigenen Land hat nach Meinung der Klubmanager positiven Einfluss auf das Image der Bundesliga und damit auch auf die wirtschaftliche Lage der Klubs. Die WM 2006 kompensiere zudem nach Meinung der Klubmanager ganz deutlich die negativen Einflüsse durch den Schiedsrichterskandal. "Damit spiegelt die diesjährige Umfrage eine deutlich positivere Stimmungslage wider als im letzten Jahr", so Stefan Pfeiffer von Ernst & Young.

Die Fernsehgewohnheiten ändern

Die meisten Klubs sind nach wie vor aber nur unzureichend mit Eigenkapital ausgestattet. Jedoch schlummern in den Bilanzen der Fußballunternehmen erhebliche immaterielle Werte wie Spielervermögen und Marken. "Diese immateriellen Werte sind in der Außendarstellung vieler Klubs allerdings kaum transparent. Zu viele Klubs haben Schwierigkeiten, die Höhe dieser Werte für mögliche Partner oder Investoren zu bestimmen", so Pfeiffer.

Die Bankverbindlichkeiten der Bundesligaklubs sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Alternative Finanzierungsformen hingegen sind im deutschen Fußball auf dem Vormarsch. Einige deutsche Fußballunternehmen haben in der vergangenen Saison zu Finanzierungsalternativen wie Anleihen und Genussrechten gegriffen.

So hatte der 1. FC Köln als erster deutscher Fußballverein Genussscheine im Volumen von fünf Millionen Euro ausgegeben, um in der abgelaufenen Saison einen aufstiegstauglichen Zweitliga-Kader zu finanzieren. Erstliga-Klub Hertha BSC Berlin war hingegen Pionier in Sachen Inhaber-Teilschuldverschreibung. Mit einer kleinen Stückelung von 100 Euro richtet sich die Sechs-Millionen-Euro-Anleihe vor allem an Fans und Mitglieder von Hertha BSC.

Geringe Marktdurchdringung des Pay-TV

Bei den Einnahmen aus TV-Vermarktungsrechten hinkt die Bundesliga im internationalen Vergleich hinterher. Während den deutschen Profiklubs in der kommenden Saison 295 Millionen Euro aus Fernsehgeldern zufließen, können sich die Klubs in England (710 Millionen Euro), Italien und Frankreich (je 550) über deutlich mehr Einnahmen freuen.

Hauptgrund für die relativ niedrigen TV-Einahmen der Bundesliga ist die bislang geringe Marktdurchdringung des Pay-TV in Deutschland. Die Möglichkeit, Zusammenfassungen der Bundesligaspiele sehr zeitnah im Free-TV zu sehen, verringert zudem die Attraktivität des einzigen Pay-TV-Senders Premiere.

"Signifikante Einnahmensteigerungen der Klubs ab 01. Juli 2006 werden allerdings nur über das Pay-TV möglich sein", so Arnd Hovemann von Ernst & Young. "Die deutschen Fernsehzuschauer werden ihre Fernsehgewohnheiten ändern müssen. Noch lebt der deutsche Fernsehzuschauer, was das Programmangebot, den zusammenhängenden Spieltag und auch die zeitnahe Berichterstattung im Free-TV angeht, in paradiesischen Zuständen - das wird sich ändern." Dies sei auch dringend geboten: "Der Fußballfan wird aber über eine Qualitätssicherung beziehungsweise -steigerung im deutschen Fußball entschädigt werden. Andernfalls verlieren die deutschen Vereine finanziell den Anschluss", so Hovemann.

An der zweiten Studie dieser Art hatten sich 17 Klubs der ersten und zweiten Liga beteiligt. Die Resonanz unter den Profivereinen war damit geringer als im Vorjahr (24).