Deutschlandpremiere Honda liefert Autos aus China

Per Schiff wird Honda in den nächsten Tagen heiße Fracht in Europa anlanden: Die ersten China-Autos des Herstellers für Deutschland. Deren Produktion ist teurer als die des baugleichen Modells in Japan, von wo aus Honda bisher lieferte.

Peking - Ende vergangener Woche waren 150 Pkw des Kleinwagens Jazz vom Hafen Guangzhou aus verschifft worden. Ihre Ankunft im belgischen Hafen Gent, den Honda für die Anlandung seiner Autos nutzt, wird in den nächsten Wochen erwartet.

Von dort werden die Autos nach Deutschland geliefert - dem ersten der europäischen Märkte, auf dem die Japaner die Autos aus chinesischer Produktion verkaufen. Nach und nach sollen dann die anderen europäischen Länder mit den Autos aus China versorgt werden.

Die Fabrik in der chinesischen Stadt Guangzhou hatte im April die Produktion aufgenommen und ist die erste chinesische Automobilfabrik, die ausschließlich für den Export bestimmte Autos herstellt. Zurzeit werden nur bestimmte Motor- und Ausstattungsvarianten des Typs Jazz in China gebaut, die übrigen werden vom bisherigen Standort in Japan geliefert. Im laufenden Jahr sollen von ihnen 10.000 Modelle für den europäischen Markt vom Band laufen; danach soll die Produktion auf jährlich 50.000 Autos steigen, die ausschließlich nach Europa exportiert werden.

"Die Produktionskosten in China sind höher"

In Guangzhou fertigt Honda mit zwei chinesischen Partnerfirmen. "Die Produktionskosten in China sind zwar im Moment ein bisschen höher als in Japan, werden aber mit steigenden Stückzahlen in den nächsten fünf Jahren sinken. Diesen Vorteil werden wir für Exporte nach Europa ausnutzen", sagte der China-Chef von Honda, Atsuyoshi Hyogo, der chinesischen Zeitung "China Daily".

Um Qualitätsprobleme zu minimieren, hat Honda einen Teil der Qualitätskontrolleure für die chinesische Fabrik aus seinen Werken in Japan abgezogen. "Die weltweit für allen Werke geltenden Qualitätsstandards von Honda werden auch in China eingehalten", sagte ein Honda-Sprecher und verglich die Qualität mit japanischen und der britischen Fabrik.

Im Werk in Swindon produziert Honda die Modelle Civic und CR-V. "Die langfristigen Auswirkungen auf das Werk lassen sich zurzeit noch nicht abschätzen", sagte der Honda-Sprecher, verwies aber darauf, dass die kommende Generation des Civic, die auf der IAA vorgestellt werde, auf jeden Fall in allen Varianten in Swindon gebaut werde.