KarstadtQuelle Middelhoff fordert Sonntagsarbeit

KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff plant Sonderverkäufe an Sonntagen. Laut einem Zeitungsbericht will er flexiblere Arbeitszeitmodelle einführen und hat dies bereits mit den Betriebsräten diskutiert. Außerdem müssten einige Verkäufer freundlicher werden, es gebe Bedarf für einen "Mentalitätswandel vor Ort".

Essen - KarstadtQuelle-Vorstandschef Thomas Middelhoff hat einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) zufolge von den Beschäftigten flexiblere Arbeitszeiten gefordert. Wie die Zeitung (Donnerstagsausgabe) berichtet, verlangte Middelhoff vor Betriebsräten des Konzerns "ein flexibleres Konzept von Arbeitszeiten" zum Beispiel für Sonderverkäufe am Sonntag.

"Wir brauchen den unbedingten Willen zur Kundenorientierung", sagte der Karstadt-Chef und forderte einen "Mentalitätswandel vor Ort". Die Schwelle, bei nicht erfüllter Erwartung umzudrehen und woanders einzukaufen, habe sich bei den Kunden in den vergangenen Jahren rapide abgesenkt, erklärte Middelhoff laut "WAZ". "Die Pampigkeit des Kollegen, der vielleicht einen schlechten Tag hat, wird im Zweifelsfall dazu führen, dass zahlreiche Kunden an diesem Tag beschließen, nicht mehr zu Karstadt zu gehen."

Der mangelnde Wille zur Veränderung hätte um ein Haar fast 100.000 KarstadtQuelle-Mitarbeiter den Job gekostet. "Verharren ist in der sich verändernden Welt der Anfang vom Ende", sagte er den Arbeitnehmervertretern.

Betriebsratschef schließt Sonntagsarbeit nicht aus

Auf der gleichen Versammlung hat die für den Handel zuständige Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane Sonntagsarbeit jedoch eine klare Absage erteilt. "Der Sonntag bleibt ein freier Tag", sagte die Gewerkschafterin. Außerdem hätten die Beschäftigten bereits ausreichend Flexibilität bewiesen.

Karstadt-Betriebsratschef Wolfgang Pokriefke sagte dagegen gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Wir müssen die Öffnungszeiten so gestalten, dass wir Geld verdienen und die Kunden kommen."

Schärfere Kontrolle sozialer Standards

Nach kritischen Berichten in den vergangenen Wochen hat der Konzern angekündigt, bei seiner Einkaufspraxis stärker darauf zu achten, dass in der Kette der Zulieferer soziale Standards eingehalten werden. Helmut Merkel, Vorstandsvorsitzender der Karstadt Warenhaus AG, sagte, künftig würden die Einkäufer nicht nur am Preis und der Qualität der Ware gemessen, sondern auch an den sozialen Umständen, unter denen sie produziert worden sei. KarstadtQuelle  war im April wie auch andere europäische Unternehmen in die Kritik geraten, als eine Texilfabrik in Bangladesh, die auch für Neckermann produziert hatte, einstürzte und 79 Menschen starben.

Maren Böhm, Leiterin Gesellschaftspolitik von KarstadtQuelle, erklärte, von 30 direkten Lieferanten in Bangladesh seien 15 bereits von externen Prüfgesellschaften auditiert. Für die übrigen gebe es ein Qualifizierungsprogramm. Bisher sei noch kein Unternehmen als Lieferant ausgeschlossen worden - bei einem schlechten Audit-Ergebnis gebe es Zeitvorgaben, innerhalb derer etwas verbessert werden müsse. Schwieriger sei die Kontrolle der Herstellungsbedingungen bei dem Kauf der Ware von Importeuren; hier seien die herstellenden Fabriken nicht immer bekannt.

Golf-House-Kette verkauft

Eine Delegation der internationalen Initative "Business Social Compliance Initiative" (BSCI), an der KarstadtQuelle beteiligt ist, habe der Regierung in Bangladesh Anfang Juni Forderungen überreicht, zu denen die Überprüfung der Statik aller Texilfabriken und ein landesweites Programm zur Sicherung von Sozialstandards gehörten.

Bei den geplanten Verkaufsaktionen, die KarstadtQuelle im Rahmen seiner Sanierung angeschoben hat, ist der Konzern einen Schritt vorangekommen. Die Golf House GmbH, mit 19 inländischen und einer spanischen Filiale nach Konzernangaben führender Anbieter von Golf-Artikeln in Deutschland wurde an die Starnberger Arques Industries verkauft.

In dem Unternehmen waren 2004 173 Mitarbeiter beschäftigt, der Umsatz betrug 23 Millionen Euro. "Mit dem Verkauf von Golf House setzen wir unser Desinvestitionsprogramm planmäßig fort", sagte Finanzvorstand Harald Pinger. Käufer Arques will "sich intensiv auf den Auf- und Ausbau des Geschäfts konzentrieren", so Vorstand Martin Vorderwülbecke.

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