Formel 1 BMW kauft Sauber-Rennstall

BMW übernimmt die Mehrheit am Schweizer Rennstall von Peter Sauber und steigt damit vom Motorenlieferanten zum kompletten Rennteam auf. Wie die Zusammenarbeit mit Williams weitergehen soll, ist noch unklar.

München - BMW  tritt ab 2006 erstmals mit einem eigenen Team in der lukrativen Rennsportserie an. Mit dem künftig von BMW geführten Sauber-Team übernehme das Unternehmen erstmals Verantwortung für das Gesamtpaket, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

BMW kauft in den nächsten drei Jahren stufenweise alle Sauber-Anteile aus dem Besitz der Credit Suisse . Der Gründer Peter Sauber soll eine Minderheitsbeteiligung halten. Zum Kaufpreis wollten sich beide Seiten nicht äußern.

Mit der mehrheitlichen Übernahme des Schweizer Sauber-Teams rückt BMW damit dichter an Ferrari, dem einzigen Formel-1-Rennstall, der sowohl Motoren als auch Chassis selbst herstellt.

Leistungsrekord im Jahr 1983: Brabham BMW mit Turbomotor und 650 PS

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Noch türkis und blau, bald wohl blau-weiß: Sauber C24 aus dem Jahr 2005

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Das letzte Mal in blau-weiß: Williams BMW

Das letzte Mal in blau-weiß: Williams BMW

Foto: DPA
Der Star und sein Fahrer: Weltmeister Nelson Piquet mit Brabham BMW von 1983

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Große Historie
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Zukunft der Fahrer unklar

BMW-Motorsportchef Mario Theissen sagte, die Entscheidung basiere auf der Erkenntnis, dass "der Einfluss des Motors auf das Siegpotenzial des Gesamtpaketes zurückgegangen ist. Fahrzeug, Reifen und Fahrer spielen eine größere Rolle als früher." "Wir glauben an die Formel 1", kommentierte der zuständige BMW-Vorstand Burkhard Göschel die Entscheidung.

Zu Details wollte sich zunächst keiner der Beteiligten äußern. So ist die Zukunft der beiden Williams-Fahrer Nick Heidfeld und Mark Webber und der Sauber-Piloten Jacques Villeneuve und Felipe Massa unklar. "Informationen zu den Fahrern werden wir Anfang 2006 geben, wenn wir das Team vorstellen", sagte Theissen am Mittwochnachmittag. Auch der Teamchef und der Name des Teams blieben geheim. "Es ist absolut Sache von BMW, wie das Team in Zukunft heißt", sagte der Namensgeber Peter Sauber.

Mit Sauber hat sich BMW keinen besonders erfolgreichen Formel-1-Partner gesucht. In den vergangenen Jahren fuhr das Team im Mittelfeld. Als Ziel für die laufende Rennsaison hatte der Technische Direktor Willy Rampf im Winter ausgegeben, er sei " zuversichtlich, dass der Sauber Petronas C 24 konkurrenzfähig sein wird und uns damit unserem Ziel näher bringt, den Abstand auf die Spitze weiter zu verkleinern." Sauber war in den 90er Jahren bei Tourenwagen und Sportwagen erfolgreicher Partner von Mercedes.

BMW-Motoren zu stark für den Prüfstand

"Frühere Partner waren deutlich kooperativer"

Sauber verfügt über einen der modernsten Windkanäle in der Formel 1, bei der die Aerodynamik eine extrem wichtige Rolle spielt. Mit Unterstützung von BMW soll der Sauber-Standort Hinwil vor allem personell deutlich ausgebaut werden. Die Motorenentwicklung bleibt allerdings bei BMW in München und wird nicht wesentlich verändert.

Der Streit zwischen BMW und seinem bisherigen Partner Williams hatte sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. Die anhaltend mittelmäßigen Ergebnisse hatten dafür gesorgt, dass in München dem Vernehmen nach sogar der Ausstieg aus der Formel 1 diskutiert worden war.

Anfang Juni hatte Teamchef Frank Williams die Zusammenarbeit kritisiert. "Unsere früheren Teams mit Honda oder Renault waren wesentlich kooperativer und erfolgreicher. Da gab es nicht diese ständigen Schuldzuweisungen", sagte der Engländer der "Bild am Sonntag". Zu den Gerüchten über eine Annäherung zwischen BMW und Sauber sagte er damals: "Das quält mich nicht wirklich. Wir würden unsere Partnerschaft mit BMW gerne fortsetzen." Angeblich sei eine Rückkehr zu Honda aber durchaus eine Alternative.

BMW-Motoren waren früher zu stark für den Prüfstand

"Natürlich hat diese Entscheidung Einfluss auf unsere Partnerschaft mit Williams F1", hieß es nun am Mittwoch von BMW. Der Vertrag mit Williams war im vergangenen Jahr bis 2009 verlängert worden. Angeblich hat sich BMW aber eine Ausstiegsklausel hineinschreiben lassen.

BMW und Williams hatten ihre Zusammenarbeit 1997 verabredet. Der Wiedereinstieg mit den beiden Fahrern Juan-Pablo Montoya und Ralf Schumacher im Jahr 2000 war zunächst erfolgreich. BMW und Williams konkurrierten mit McLaren-Mercedes und Ferrari um den Weltmeistertitel. Ganz große Triumphe blieben vor allem im vergangenen Jahr allerdings aus, nicht zuletzt wegen der absoluten Dominanz von Michael Schumacher und Ferrari.

BMW selbst blickt auf eine große Vergangenheit in der Formel 1 zurück. So konstruierte BMW auf Basis eines 1,5-Liter-Vierzylinder-Serienmotors den ersten Turbomotor, mit dem ein Weltmeistertitel gewonnen wurde. Er wurde 1982 erstmals im Brabham von Nelson Piquet eingesetzt und gewann den Titel 1983. Der Motor war mit 650 PS deutlich stärker als die bis dahin üblichen Saugaggregate und ist heute legendär. In der letzten Ausbaustufe erreichte er etwa 1400 PS. Die genaue Motorleistung konnte BMW nach eigenen Angaben aber nicht feststellen, weil der damals zur Verfügung stehende Prüfstand nur bis zu 1280 PS messen konnte.

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