Utz Claassen "Bill Gates säße im Knast"

EnBW-Chef Utz Claassen kritisiert im Gespräch mit manager magazin den Kapitalismus – und die Kritik daran. Es gelte, Auswüchse des Kapitalismus ebenso zu limitieren wie Auswüchse des Staates. Schließlich lebten speziell wir Deutsche in einer "neidbehafteten Kultur".
Von Klaus Boldt und Dietmar Student

Hamburg - Verständnis für die gegenwärtige Kritik am Kapitalismus äußert EnBW-Chef Utz Claassen in einem Gespräch, das am Freitag (24. Juni) in der neuen Ausgabe des manager magazins erscheint. Es sei "richtig", so Claassen, dass der Staat "Auswüchse des Kapitalismus begrenzen" müsse.

Ihm selbst mache eine Wirtschaftsordnung Sorgen, "in der Arbeitsplätze, Bits und Bytes sowie Aktienpakete verschoben werden, um kurzfristig Werte zu schaffen": "Jede Wirtschaftsordnung muss nachhaltige Werte schaffen für Kunden, Aktionäre und Beschäftigte." Genauso, fordert Claassen, gehöre es allerdings zu den Aufgaben des Kapitalismus, "den Auswüchsen des Staates Grenzen zu setzen".

Ein Kernproblem in Deutschland sei laut Claassen der Neid: "Wir leben in einer Kultur, die neidbehaftet ist." Und oftmals würde den Menschen nicht Geld, sondern "eher Erfolg und Leistung" geneidet. Claassen wörtlich: "Wenn es nach dem Wunsch mancher Neider ginge, säße Bill Gates möglicherweise sogar wegen Erfolgs im Knast."

"Sozial heißt nicht, Dinge so zu lassen"

Hier zu Lande, kritisiert Claassen, fehle es generell an Mut, "unsere Probleme offen und hart" zu diskutieren. Zudem würde der Begriff "sozial" oft fehlinterpretiert. Die Leute würden es häufig als sozial empfinden, "die Dinge so zu lassen, wie sie sind, keine Bequemlichkeiten aufzugeben und notwendige Veränderungen nicht vorzunehmen".

Claassen hält es eher für sozial, "Systeme durch Modernisierung, Reformen und gegebenenfalls Einschnitte zukunftsfähig zu machen". Dass man mit einer solchen Sicht der Dinge selten geliebt werde, stört Claassen nicht: "Wer nur gemocht werden will, muss oftmals den Weg des geringsten Widerstands gehen."

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