Unternehmensteuer Die Fiskus-Grätsche

Auch Amateur-Fußballvereine werden von Steuerprüfungen heimgesucht. Da mutieren Freizeitkicker schon mal schnell zu Arbeitnehmern und der Verein bekommt die Rechnung. Wer auf ein solches Hineingrätschen des Fiskus verzichten möchte, sollte sich einmal in Polen umsehen, rät der Steueranwalt Justus Fischer-Zernin.

Haben Sie schon einmal vom FC Anker Wismar gehört? Das ist ein Fußballclub in der schönen mecklenburgischen Hansestadt Wismar, dessen Mitglieder sich als Amateure mit viel Elan durch die Oberliga-Nordost kicken. Am Ende der Saison steht der Aufsteiger auf Platz zwölf, hinter dem Türkiyemenspor Berlin und vor dem TSG Neustrelitz. Das Schlusslicht der Tabelle war erloschen, der Eisenhüttenstädter FC musste seinen Spielbetrieb wegen Insolvenz einstellen.

Nachzahlungen von 50.000 Euro an den Fiskus drohten

Anker Wismar ist aber auf der Siegerstraße - unvergessen der 2:1 Heimsieg gegen Tennis Borussia - bitter hingegen die Niederlagen beim BFC Dynamo oder gegen SV Yesilyurt. Aber es gab auch andere Probleme - nicht zuletzt mit dem Finanzamt; und das kam so:

Der Verein zahlte seinen Hobbykickern Auslagenpauschalen, Geld für den zum Teil hohen Aufwand, den die Spieler für Ausstattung, Reisen zu Auswärtsspielen und vielem anderen hatten. Da konnten pro Nase schon mal bis zu 3000 Euro zusammenkommen - pro Jahr, versteht sich.

Auch Fußballvereine werden von Steuerprüfungen heimgesucht und beim FC Anker Wismar führte eine solche Prüfung im Herbst 2004 zur Feststellung, dass die mit diesen Auslagenpauschalen derart fürstlich entlohnten Freizeitkicker Angestellte des Vereins seien. Also sollte der Verein für seine Kicker Lohnsteuer zahlen und ein Bescheid über Nachzahlungen von 50.000 Euro drohte in das Vereinsbüro beim Kurt-Bürger-Stadion zu flattern.

Elf Arbeitnehmer auf dem Spielfeld?

Elf Arbeitnehmer auf dem Spielfeld?

Hieß es bis dahin noch "Elf Freunde wollen wir sein!", hieß es nun plötzlich "Elf Arbeitnehmer sollen wir sein?" Klingt jedenfalls so, und dann ist die Lohnsteuer nur der Anfang. Da kommt auch die Sozialversicherung.

Die Prüfer der Landesversicherungsanstalt waren schon angerückt und hatten die Bezüge der Kicker ausgerechnet; dem Verein droht auch eine Rechnung für Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenkasse und den ganzen Rest von ungefähr 30.000 Euro.

So was kann passieren. Der Vorstand sollte sich glücklich schätzen, dass nicht noch Strafverfahren wegen Schwarzarbeit in Gang gebracht wurden. Welche Berufsgenossenschaft ist da eigentlich zuständig?

Regelmäßig zum Training - die Falle schnappt zu

Arbeitnehmer ist, wer mit jemand anderem abgemacht hat, dass er zu regelmäßigen Zeiten etwas tut, von dem anderen dazu Anweisungen bekommt und dafür Geld bekommt. Wie oft er arbeitet, ist egal. Ob das per Handschlag oder in telefonbuchdicken Verträgen geregelt ist, ist auch wurscht. Ob die Bezahlung lohnt, ob sie Gehalt, Provision, Mitgift oder Auslagenersatz genannt wird, interessiert genauso wenig.

Die Kicker, die den Auslagenersatz bekamen, hatten regelmäßig zum Training zu erscheinen, an Freundschaftsspielen und Turnieren teilzunehmen. Wer den Trainer einmal in Aktion erlebt hat, konnte nicht überhören, dass den Spielern Anweisungen erteilt wurden - um es mal milde auszudrücken. Und damit schnappte die Falle zu.

Stille in der Bundesliga

Gelbe Karte statt Abmahnung?

Wenn die Kicker Arbeitnehmer sind, dann wird es nicht nur bei Steuern und Sozialversicherung kritisch, dann kommt auch unser ganzes schönes Arbeitsrecht zum Tragen. Den Mittelstürmer wegen nachhaltiger Torlosigkeit feuern?

Keine Chance, der gute Mann hat drei Kinder. Den in Ehren ergrauten Torwart auf die Tribüne schicken, damit der junge Superstar eine Chance hat? No Way, ältere Arbeitnehmer genießen besonderen Schutz.

Verhaltensbedingte Kündigung beim 25. Foul? Vielleicht - wurden denn vorher Abmahnungen geschrieben? Zählen acht gelbe Karten vielleicht als zwei Abmahnungen? Sicher nicht. Genauso wenig kommt es darauf an, dass die im Spiel gegen den Berliner AK angeblich von der Trainerbank erteilte Arbeitgeberweisung "Nun schießt doch endlich mal ein Tor, ihr Knallköppe!" bekanntermaßen nicht gefruchtet hat.

Gespenstische Stille in der Bundesliga

Rechtlich gesehen kann sogar Arbeitgeber sein, wer Weisungen erteilt, auch wenn er den Arbeitnehmer nicht bezahlt, sondern andere dies tun. Fans, die ihrer Mannschaft mit Sprechchören wie "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" Anweisungen erteilen, sind möglicherweise auch Arbeitgeber ihrer Mannschaft mit allen Konsequenzen.

Vielleicht sollte dies mal jemand dem Finanzamt stecken. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis selbst bei Bundesliga-Endspielen in ausverkauften Stadien gespenstische Stille herrscht. Und ab fünf Arbeitnehmern ist ein Betriebsrat vorgesehen; also nicht wundern, wenn bei der nächsten Sommerolympiade statt des legendären Ratzeburger Achters der neue Ratzeburger Vierer über die Ziellinie rudert.

Wo laufen die Steuerpflichtigen?

Ja, wo laufen sie denn, die Steuerpflichtigen?

Der FC Anker Wismar könnte nach nervenaufreibendem juristischen Verfahren noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen, jedenfalls ist die strittige Lohnsteuer bereits ziemlich herunterverhandelt worden. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es den Nächsten erwischt. Die Verlockung für Finanzämter und Sozialversicherer, den Vereinen als "Arbeitgeber" die Rechnung zu schicken, ist nämlich groß.

Natürlich spricht einiges dafür, pauschale Aufwandsentschädigungen von bis zu 3000 Euro im Jahr bei den Kickern nicht so "ganz ohne Finanzamt" durchgehen zu lassen. Aber wäre das nicht eher eine Frage der Steuerpflicht der einzelnen Kicker? Rechnen Spieler ihre Kosten gegen solche Bezüge, bliebe zum Besteuern wahrscheinlich kaum etwas übrig.

Manche Spieler würden vielleicht Verluste machen und könnten damit ihre Steuern auf andere Einkünfte drücken - nette Idee, nicht wahr?

Eine Steuerpflicht bei den einzelnen Kickern würde aber bedeuten, dass die Steuerbeamten hinter ihnen her sein müssten, um Zahlen und Belege zu bekommen und schließlich die Steuern einzusammeln.

Wer die Kicker von FC Anker Wismar schon zweimal 45 Minuten rennen gesehen hat, wird schnell verstehen, warum das Finanzamt sich lieber an den Verein wendet.

Die verlockende "Ekstraklasa" in Polen

Ekstraklasa in Polen

Wer Fußball liebt, aber auf überraschende Eskapaden von deutschen Finanzämtern und Landesversicherungsanstalten in Zukunft lieber verzichten möchte, mag seine Zelte etwa 300 Kilometer südöstlich von Wismar aufschlagen. In der polnischen Topliga, der "Ekstraklasa", spielt der Verein Lech Poznan einen sehenswerten Ball.

In Poznan - dem früheren Posen - gibt es nicht nur guten Fußball zu besichtigen. Auf dem Markplatz steht am Rathaus ein 61 Meter hoher, achteckiger Uhrturm. Beim Mittagsläuten öffnet sich über dem Ziffernblatt ein Türchen für zwei blecherne Ziegen, die zwölf Mal mit den Hörnern aneinander stoßen. Falls Sie das zu sehr an Ihre Diskussionen mit dem Finanzamt Wismar erinnert, besichtigen Sie stattdessen die schöne gotische Kathedrale auf der Dominsel.

Dort liegen zwei polnische Könige begraben, was uns die beruhigende Gewissheit gibt, dass auch die Obrigkeit vergänglich ist. Der ADAC-Reiseführer empfiehlt unter der Rubrik "Nachtleben" auch das Lokal "Pod Aniolem" mit dem Hinweis "Das gemischte Publikum trinkt Bier und hört der Jazzband zu, die ab und an life aufspielt". Die Mischung macht's halt.

Niedrige Unternehmensteuern - Nachteile bei Verlusten

Wenn Sie sich in Polen schon richtig heimisch fühlen, können Sie sich dort ja auch unternehmerisch betätigen. Poznan ist bekannt für exzellenten Maschinenbau. Gewinne einer polnischen GmbH werden nur mit 19 Prozent Steuern belegt. Das ist weniger als die Hälfte von dem, was in Deutschland fällig wird.

Die Gewinnermittlung einschließlich der Abschreibungen ist nicht schlechter als bei uns. Dabei gibt es aber auch in Polen eine Beschränkung der steuerlichen Verlustvorträge. Verluste, die Unternehmen machen, können für die Steuer nur bis zu fünf Jahren gegen Gewinne der Folgejahre verrechnet werden. Überdies ist eine solche Verrechnung in einem Folgejahr nur für maximal 50 Prozent des Verlustes vorangegangener Jahre möglich.

Rund 34 Prozent Gesamtbelastung

Das mag bei Neugründungen von Unternehmen mit Anfangsverlusten und stark schwankenden Jahresergebnissen zu allerlei Verrenkungen führen.

Bei dem insgesamt niedrigen Steuersatz ist das meist aber weniger als halb so schlimm wie bei uns und die Gewinnsteuern sollen ab 2008 auf 16 Prozent sinken. Dann kommt auch in Polen die Flat Tax wie in der Slowakei (siehe Teil 4 dieser Serie) und in anderen Staaten Osteuropas.

Sätze zwischen 19 und 40 Prozent

Leben Sie in Polen, trifft Sie die dortige Einkommensteuer mit Sätzen zwischen 19 und 40 Prozent. Sind Sie an einer Kapitalgesellschaft beteiligt, werden die Gewinnausschüttungen, die Sie von der Gesellschaft bekommen, nur mit dem Eingangssatz von 19 Prozent besteuert. Die gesamte steuerliche Belastung der Gewinne bei der Gesellschaft und im privaten Portemonnaie des polnischen Anteilseigners beläuft sich damit auf 34,4 Prozent.

Das ist nicht schlecht, etwa zwei Drittel von dem, was bei uns auf die Uhr kommen kann. Betreiben Sie Ihr polnisches Geschäft nicht als GmbH, sondern als selbstständiger Einzelkämpfer, wird es oft mit maximal 19 Prozent Einkommensteuer sogar noch besser. Selbst wenn Lech Poznan aus der Ekstraklasa absteigen sollte - dieses Risiko besteht aktuell bei Tabellenplatz acht zum Glück nicht - ist Polen als Investitionsstandort noch lange nicht verloren.

Ratgeber: Das kleine 1x1 der Steuern bei Auslandsinvestitionen

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