Josef Ackermann "Ich bin keiner, der aufgibt"

Vieles spricht dafür, dass der Mannesmann-Prozess noch in diesem Jahr neu aufgerollt wird. Dann säße Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erneut auf der Anklagebank. Doch wie schon vor dem ersten Verfahren, das mit Freispruch endete, schließt Ackermann seinen Rücktritt aus.

Hamburg / Frankfurt am Main - "Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass wir sehr gute juristische Argumente haben", sagte Ackermann der "Financial Times" (FT), angesichts der drohenden Revision des Mannesmann-Prozesses, den die Bundesanwaltschaft anstrebt. Eine Entscheidung dazu wird der Bundesgerichtshof dazu voraussichtlich im Herbst fällen. Abhängig von der Härte des Urteils hätte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nach dem Prozess die Befugnis, Ackermann die Leitung der Deutschen Bank  zu entziehen.

Darauf will es Ackermann laut "FT" ankommen lassen: "Ich bin keiner, der aufgibt. Am Ende werden die Menschen sagen: ,Er hat es gemacht, er hat es versucht, er blieb seiner Linie treu. Er lag richtig.' Was kann man mehr von seinem Leben erwarten?" Mit seiner Aussage bezog sich der Bankchef nicht nur auf den drohenden Prozess, sondern auch auf die Welle der Kritik, die ihm angesichts seines Stellenabbauplans entgegenbrandete.

Politiker aus allen Lagern hatten Ackermanns Plan, die Zahl der Beschäftigten aus Rendite-Überlegungen zu minimieren, als unsozial bezeichnet. Verschärft wurde die Kritik noch dadurch, dass die Gewinne der Bank waren zuletzt stark gestiegen waren. Ackermann hatte die teilweise verbal rüden Angriffe auf seine Amtsführung als "einfach nur beschämend" bezeichnet.

Der Name des Deutsche-Bank-Chefs wurde auch wiederholt in zahllosen Beiträgen zur Kapitalismus-Kritik, ausgelöst von SPD-Parteichef Franz Müntefering, genannt. Müntefering, hatte Private-Equity-Investoren mit Heuschrecken-Plagen verglichen und vom "kalten Antlitz des Kapitalismus" gesprochen.

Diese Diskussion schade dem Standort Deutschland, weil sie internationale Investoren verschrecke, sagte Ackermann nun. "Das ist etwas, was nach meiner Ansicht in Deutschland nicht ernst genug genommen wird, weder von Politikern noch von Unternehmern." Weiter erklärte er gegenüber der "FT", dass deutsche Konzerne aufgrund des politischen Umfelds international hinterherhinkten: "Die Bewertung deutscher Unternehmen ist wesentlich niedriger als die Bewertung von Unternehmen in anderen Ländern."

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