Luftfahrtshow Le Bourget Ablenken von der Führungskrise

Mit einem spektakulären Demonstrationsflug des neuen Riesen-Airbus A380 vor den Augen des französischen Präsidenten Jacques Chirac hat am Montag die weltgrößte Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris begonnen. Doch selbst der Showstar kann die Führungskrise bei den weltgrößten Flugzeugherstellern nur kurzzeitig überdecken.

Le Bourget - Auf der Messe in Le Bourget werden insgesamt 238 Flugzeugtypen ausgestellt, 60 Maschinen sollen zu Demonstrationsflügen abheben. 1924 Aussteller präsentieren Neuentwicklungen. Die Messe ist bis Donnerstag für Fachbesucher reserviert und öffnet ab Freitag für drei Tage dem breiten Publikum.

Fast zum Anfassen nah: Airbus A380 auf der Luftfahrtschau in Le Bourget

Fast zum Anfassen nah: Airbus A380 auf der Luftfahrtschau in Le Bourget

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Kein Fliegenkadaver soll den Ausblick trüben: Letztes Putzen am A380

Kein Fliegenkadaver soll den Ausblick trüben: Letztes Putzen am A380

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Vergangenheit und Zukunft: Boeing 747 im Vordergrund und Airbus A380

Vergangenheit und Zukunft: Boeing 747 im Vordergrund und Airbus A380

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Guck mal wie wendig ich bin: Der A380 bei der Eröffnungsfeier der Luftfahrtmesse

Guck mal wie wendig ich bin: Der A380 bei der Eröffnungsfeier der Luftfahrtmesse

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Zwei Schwergewichte: Der französische Präsident Jacques Chirac verlässt den A380

Zwei Schwergewichte: Der französische Präsident Jacques Chirac verlässt den A380

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Im Landeanflug: A380 über dem Gelände der Luftfahrtmesse

Im Landeanflug: A380 über dem Gelände der Luftfahrtmesse

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Das Flugzeug, das die Massen locken soll
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Von den täglichen Flügen des doppelstöckigen A380 bis zum kommenden Sonntag versprechen sich die Messe-Organisatoren eine Rekordzahl von 300.000 Besuchern. Der A380 sei "ein europäischer Erfolg", sagte Chirac, der sich den größten Passagierjet aller Zeiten vorführen ließ. Seit dem Jungfernflug Ende April in Toulouse verbrachte der A380, der in seiner Standardversion 555 Fluggäste aufnehmen kann, bereits mehr als hundert Stunden in der Luft. Die ersten Auslieferungen sind allerdings gerade in die zweite Jahreshälfte 2006 verschoben worden, was für Airbus möglicherweise Schadenersatzpflichten in Millionenhöhe bedeutet.

Auch beim Boeing 787-Konkurrenten A350 läuft es nicht ganz nach Plan. Immerhin gab Qatar Airways die längst kolportierte Bestellung von bis zu 60 Maschinen des Typs A350 offiziell bekannt. Ihre Auslieferung sei zwischen Mitte 2010 und 2015 geplant, teilte Firmenchef Akbar el Baker mit. Qatar Airways verfügt bislang über 40 Maschinen des europäischen Flugzeugbauers. El Baker kündigte allerdings zugleich an, seine Gesellschaft werde auch 20 Maschinen des Typs Boeing 777 ordern, die zwischen 2007 und 2010 geliefert werden sollten.

Der Auftrag von Qatar Airways, der noch in Festbestellungen umgewandelt werden muss, gibt dem geplanten Airbus-Modell neuen Schwung, für das bislang nur zehn Bestellungen vorlagen. Airbus-Hauptaktionär EADS hatte die endgültige Entscheidung über den Bau der A350 erst kürzlich auf September verschoben.

Airbus, Boeing und Antonow ohne Führung

Kurzfristig abgesagte Pressekonferenz

Die Probleme mit den Flugzeugen werden allerdings vom Machtkampf um die EADS-Führungsspitze fast überdeckt. EADS sagte eine für Dienstag angekündigte Pressekonferenz auf dem Luftfahrtsalon ab und lenkte mit dem peinlichen Rückzieher auch die Aufmerksamkeit der letzten Messebeobachter auf den offenen Führungsstreit bei EADS.

Nach den ursprünglichen Vereinbarungen hätten der bisherige Chef des Flugzeugbauers Airbus, Noël Forgeard, und der Deutsche Thomas Enders gemeinsam schon vor Wochen an die Spitze des EADS-Konzerns treten sollen. Allerdings blockieren sich die Hauptaktionäre gegenseitig. DaimlerChrysler  hält gut 30 Prozent der EADS-Anteile und damit ebenso viel wie die französische Lagardère-Gruppe und der französische Staat zusammen. Auslöser war der Versuch des Airbus-Chefs Noël Forgeard, die deutsch-französische EADS-Doppelspitze zu verdrängen und alleine die Konzernführung zu übernehmen.

Bis zum Ende des Luftfahrtsalons in Le Bourget werde es voraussichtlich "keine Entscheidung" geben, sagten Mitarbeiter des Konzerns. Der deutsche Ko-Präsident des EADS-Verwaltungsrats, Manfred Bischoff, werde nicht zum Luftfahrtsalon kommen. "Er kann nicht reisen, er ist krank", sagte ein Sprecher Bischoffs. Dagegen werde der französische Ko-Präsident Arnaud Lagardère an dem Branchentreffen teilnehmen

Auch Boeing und Antonow ohne Führung

Gleichzeitig wurde am Montag das Schlichtungsverfahren zwischen den USA und der EU im Streit um die Subventionen für Boeing und Airbus bei der WTO zunächst verzögert. Wie vorgesehen lehnte die EU einen US-Antrag zur Bildung einer Expertengruppe ab, die sich mit den staatlichen Sonder-Krediten für die Entwicklung neuer Airbus-Typen befassen sollte. Umgekehrt wiesen die USA den EU-Antrag zurück, mit dem die Subventionierung von Boeing unterbinden werden soll. Frühestens in zehn Tagen können beide Länder erneut die Bildung von WTO-Expertengruppen beantragen, was von der Gegenseite dann nicht mehr verhindert werden kann. Das Dossier gilt als eines der komplexesten, das jemals vor der WTO verhandelt wurde.

Während der Subventionsstreit zwischen den Flugzeugbau-Rivalen Boeing und Airbus eskaliert, kommt jedoch nicht nur Airbus, sondern auch Boeing die beiden ohne stabile Führung zur weltgrößten Luftfahrtmesse nach Paris. Der US-Gigant Boeing sucht seit Anfang März einen Nachfolger für Harry Stonecipher, der über eine "unmoralische Liebesaffäre" im Unternehmen gestürzt ist. Und bei Antonow ist nach dem Rücktritt des Chefs das Chaos so groß, dass der ukrainische Anbieter seine Antonow-148 nicht zur Messe schickte.

EADS trifft der Streit härter als Boeing

EADS trifft der Streit härter als Boeing

"Peinlich, unnötig und schädlich" nennen Rüstungs- und Luftfahrtindustrielle in Le Bourget den zähen deutsch-französischen Machtkampf bei EADS. Das Pariser Wirtschaftsblatt "Les Echos" lästerte gar über die "Drohnen" bei EADS und Boeing. Bei beiden Konzernen sitzen jetzt die Chefaufseher im Cockpit. Beide kämpfen mit politischer Unterstützung und innovativen Produkten wie dem A380 und dem 787 erbittert um Kunden und Marktführung. Beide können sich interne Führungsquerelen jetzt weniger leisten denn je.

Doch für EADS wiegt das Führungsproblem stärker als für Boeing. Während der US-Konzern mit Riesenaufträgen für den 787 und brummendem Rüstungsgeschäft wieder oben auf ist, hängen Airbus die Verzögerungen beim A380 und mangelnde Entwicklungskapazitäten zum schnellen Kontern der 787 mit der geplanten A350 wie Blei an den Flügeln. Außerdem blockiert das Geschacher der Europäer um Posten und Einfluss nicht nur wichtige Entscheidungen im Konzern: EADS drohen auch "Kollateralschäden" bei der Neuordnung der Rüstungsbranche.

Lachender Dritter bei Airbus ist beispielsweise der zehn Milliarden Euro schwere Elektronikspezialist Thales, der sich einem drohenden Zugriff durch EADS mit anderen Allianzen zu entwinden sucht.

DaimlerChrysler lehnt eine Vollfusion ab, mit der die Franzosen ein Übergewicht am EADS-Kapital erhielten. Streit im Aktionärslager gibt es auch über die Frage, ob EADS wichtige Zulieferer wie den Elektronikkonzern Thales (10,4 Milliarden Euro Umsatz) übernehmen sollte. Forgeard und Chirac sind dafür.

Boeing hat es da leichter. Der schnelle Abgang des als "Retter" geholten Stonecipher blockiert keine strategischen Entscheidungen. Als Nachfolger läuft sich Alan Mulally warm. Er kennt die Rüstungssparte gut und hat als Chef der Verkehrsflugzeugsparte derzeit nur gute Nachrichten zu verkünden. "Die Aktionäre kennen meine Kompetenzen", sagte Mulally zu Messebeginn in Paris selbstbewusst. Doch die Entscheidung eile nicht.

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