HVB/UniCredito Was heißt hier Bestandsgarantie?

Gut gelaunt präsentierte Dieter Rampl am Montag der Öffentlichkeit das Konzept für die Übernahme der HypoVereinsbank durch die UniCredito, die für den HVB-Chef freilich ein „Zusammenschluss“ ist. Wissenschaftler und Finanzanalysten können seine vermeintliche Euphorie nicht teilen.
Von Arne Stuhr

Hamburg - Für den Wirtschaftrechtler Michael Adams ist der Fall klar. "Eine Bestandsgarantie ist in etwa zu vergleichen mit einem Wahlkampfversprechen eines Politikers, also eine reine Absichtserklärung", misst der Hamburger Professor im Gespräch mit manager-magazin.de der von HVB-Vormann Dieter Rampl und UniCredito-Chef Alessandro Profumo abgegebenen Zusage, das Deutschlandgeschäft der HypoVereinsbank  in den kommenden fünf Jahren in der Substanz nicht anzutasten, eine geringe Halbwertszeit bei.

Auch Bankanalysten sehen in dem Begriff Bestandsgarantie mitnichten ein Ruhekissen für die hiesigen Angestellten. Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck hält es durchaus für möglich, dass es auch innerhalb der Fünf-Jahres-Frist schon zu kleineren Verkäufen von einzelnen Einheiten kommen kann. "Die HypoVereinsbank wird künftig rund 40 Prozent der UniCredito-Gruppe ausmachen. Um 2007 eine Eigenkapitalrendite von rund 20 Prozent im Konzern zu erreichen, muss also vor allem die Rentabilität der deutschen Aktivitäten gesteigert werden", so Beckers Begründung gegenüber manager-magazin.de. Die Trennung von Randaktivitäten habe UniCredito-Chef Profumo sogar bereits angekündigt.

Lediglich das direkte Weiterreichen des HVB-Filialgeschäfts an einen Dritten - zum Beispiel Société Générale  oder BNP Paribas  - scheint zumindest für die nächste Zeit ausgeschlossen zu sein. Aber selbst wenn die HypoVereinsbank wie vereinbart in den kommenden fünf Jahren ihren Namen behalten dürfen wird, kann eine Bestandsgarantie den Verlust von Befugnissen und Kompetenzen nicht verhindern.

Abzug der Steuerzahler über die Alpen

"Die Entscheidungen für Deutschland fallen künftig nicht mehr in München, sondern in Mailand", machen sich Branchenkenner keine Illusionen. Für Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, hat die Bestandsgarantie ebenfalls keinen Wert. "Das ist eine reine Beruhigungspille", sagte Gerke gegenüber manager-magazin.de am Montag. Allein die Zahlen werden bestimmen, wie es mit dem Deutschlandgeschäft weitergehe. Allerdings dürfte man kaum fünf Jahre abwarten, um gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen.

An der Meinung der Experten ändern auch die von Rampl etwas arg euphorisch vorgetragenen Verlautbarungen über die künftige Rolle der HVB nichts, die der künftige UniCredito-Chairman in der neuen Konzernstruktur als "angemessen repräsentiert" umschreibt. Die HVB sei "kein Juniorpartner". Dennoch verweigerte er am Montag über die Zukunft der Töchter DAB Bank  und Activest eine konkrete Aussage.

Wirtschaftsjurist Adams beruhigen Rampls Worte daher nur wenig. Er befürchtet nämlich nicht nur die Abwanderung hoch qualifizierter Spitzenbanker nach Italien, sondern zusätzlich den Abzug von zum Beispiel Unternehmensberatern, die dem neuen Entscheidungszentrum über die Alpen folgen werden. Man müsse sich nur die Steuerverteilung in Deutschland ansehen, um das Problem zu erkennen. "50 Prozent der Einkommensteuer hier zu Lande werden von nur 9 Prozent der Steuerzahler erbracht, und genau diese Leute arbeiten künftig in Mailand."

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