HVB/UniCredito Bei der HVB entfallen 4200 Stellen

Der designierte CEO des neuen Bankenriesen, Alessandro Profumo, präzisiert das Sparprogramm: Knapp 2000 Stellen fallen bei der HVB durch die Fusion weg. Zusätzlich hält die HVB an ihrem bereits angekündigten Personalabbau fest.

München - Dies sei bereits zu Beginn der Verhandlungen beider Banken "ein gemeinsames Grundverständnis" gewesen, sagte Rampl am Montag vor der Presse in München. Spekulationen, dass das Deutschland-Geschäft der HypoVereinsbank  zur Disposition gestellt werde, entbehrten jeder Grundlage.

Die deutsche Volkswirtschaft sei enger als jede andere mit Osteuropa verzahnt. Der Zusammenschluss verschaffe beiden Banken Perspektiven, die sie allein nie hätten erschließen können, sagte Rampl weiter. Unicredito hat dem Deutschland-Geschäft der HVB eine Bestandsgarantie von fünf Jahren gegeben. Allerdings werden auch in Deutschland durch den Zusammenschluss knapp 2.000 Arbeitsplätze wegfallen.

"Deutschland spielt eine tragende Rolle in diesem Zusammenschluss", betonte Rampl. Es sei das Verständnis beider Seiten gewesen, dass die dauerhafte Präsenz im HVB-Heimatmarkt wesentlicher Bestandteil der Fusion sei. Etwas anderes hätte die HVB auch nicht mitgemacht.

Auf die Frage, ob das Deutschland-Geschäft in fünf Jahren noch zu dem fusionierten Unternehmen gehören wird, sagte der CEO Alessandro Profumo: "Das Deutschland-Geschäft wird in fünf Jahren größer sein als heute."

Management: "HVB angemessen vertreten"

Rampl sagte, die HVB werde in der Unicredio-Konzernführung "angemessen vertreten sein". Von den elf Vorstandsmitgliedern soll die HVB drei stellen: den Investmentbanker Stefan Jentzsch, den Risikomanager Michael Kemmer und einen Integrationsvorstand.

Bank-Austria-Chef Erich Hampel soll das Osteuopa-Geschäft leiten. Im Unicredito-Aufsichtsrat werden acht der 24 Mitglieder von der HVB kommen, Rampl soll den Vorsitz übernehmen.

Mindest-Tauschquote von 65 Prozent

Beide Banken hatten ihre Pläne für die bisher größte grenzüberschreitende Fusion in Europa am Sonntagabend bekannt gegeben. UniCredito Italiano  bietet gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien für die HypoVereinsbank. Die von UniCredito bestimmte Mindest-Tauschquote beträgt lediglich 65 Prozent.

Der HypoVereinsbank-Aufsichtsrat empfahl den Aktionären nach langer, kontroverser Diskussion, das Angebot anzunehmen. Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt sträubte sich aber bis zuletzt gegen die Aufgabe der Unabhängigkeit.

Profumo präzisiert Personalabbau

Profumo präzisiert Personalabbau

Der Zusammenschluss soll rund eine Milliarde Euro an Synergien einbringen - davon rund 900 Millionen durch Kostensenkungen. Die Gruppe werde etwa sieben Prozent ihrer Arbeitsplätze abbauen, sagte UniCredito-Chef Alessandro Profumo. Bezogen auf eine Gesamtzahl von 127.000 Mitarbeitern entspricht dies etwa 9000 Arbeitsplätzen.

Am härtesten werden die Einsparungen die lukrative Wachstumsregion Osteuropa treffen: Hier ist der Abbau von etwa 5000 Stellen vorgesehen. In Deutschland sollen rund 2000 von 26.000 Stellen zusätzlich wegfallen, nach Gewerkschaftsangaben soll es dabei keine Entlassungen geben.

HypoVereinsbank und Unicredito wollen damit insgesamt rund 4.200 Stellen in Deutschland streichen. Die HypoVereinsbank habe bereits vor dem Übernahmeangebot der Italiener den Abbau von bis zu 2.400 Arbeitsplätzen beschlossen, sagte Rampl. Der Abbau weiterer 1.800 Stellen komme "on top". "Wir sind - Mobilität vorausgesetzt, zuversichtlich, das wir auch diese Integration ohne betriebsbedingte Kündigungen durchführen können", sagte Rampl.

"Deutschland ist strategisch"

Unicredito-Chef Alessandro Profumo sagte zum Stellenabbau: "Wir werden das in den nächsten drei Jahren machen." Der Verlust an Arbeitsplätzen sei kleiner als bei einer Fusion zweier deutscher Banken.

Das Deutschlandgeschäft stehe für die Unicredito nicht zur Disposition. "Deutschland ist strategisch", sagte Profumo. Nach Ablauf der fünfjährigen Bestandsgarantie im Übernahmevertrag werde das Deutschlandgeschäft "größer sein als es jetzt ist".

Unicredito werde nach der Fusion die fünftgrößte Bank Europas und Marktführer im Wachstumsmarkt Osteuropa sein. HVB und Unicredito übernähmen eine Vorreiterrolle in der europäischen Konsolidierung am Bankenmarkt. Der Zusammenschluss verschaffe beiden Instituten Perspektiven, die sie allein nie hätten erreichen können, ergänzte Rampl.

Kritik von Branchenexperten

Branchenkenner übten trotz der Ankündigungen von Rampl und Profumo Kritik an der Übernahme. "Die Fusion ist ein Eingeständnis des HVB-Managements, dass man nicht in der Lage ist, die von den Aktionären geforderten Renditen zu erwirtschaften", kritisierte ein Analyst. Es sei erstaunlich, wie geräuschlos die Übernahme eingefädelt worden sei und wie wenig Widerstand sie auslöse.

An der Bestandsgarantie für das Deutschlandgeschäft hegt der Finanzexperte Zweifel: "Es muss doch jedem klar sein, dass UniCredito im Bestreben Synergien zu heben die Kostgänger der HVB einstellt", so der Analyst. Das Deutschlandgeschäft sei derzeit das Problemkind der HVB. Der durch die Fusion drohende Verlust von zusätzlichen 2000 Jobs in Deutschland sei möglicherweise nur der Anfang, fürchtet der Branchenkenner.

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