Hedgefonds Kanzler fordert schärfere Kontrolle

Bei den meisten Dax-Konzernen sind Hedgefonds schon mit an Bord. Jetzt verlangt Kanzler Gerhard Schröder schärfere Kontrollen für die Spezialfonds, das deutsche Regelwerk soll international üblichem Recht angepasst werden. Die Opposition gibt sich kompromissbereit.

Berlin - Zur Rolle der Hedgefonds hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder bei einem Treffen der SPD-Fraktion am heutigen Montag geäußert. Die Parlamentarier debattierten über Folgen der Kapitalismus-Kritik von Partei-Chef Franz Müntefering. Dabei sagte Schröder, er wolle den Einfluss von Hedgefonds national und international begrenzen. So solle eine zusätzliche Meldeschwelle beim Kauf wesentlicher Beteiligungen an börsennotierten Firmen eingeführt werden. Mit dem Vorschlag solle die Transparenz der Eigentümerstrukturen verbessert werden.

Die Bundesregierung wolle zudem prüfen, Meldepflichten bei der Aktienleihe wie in den USA und Großbritannien einzuführen. Beim G8-Gipfel Anfang Juli in Schottland wolle er sich dafür einsetzen, international einheitliche Mindeststandards für Hedgefonds zu definieren, erklärte Schröder. Ziel sei eine weltweit wirkungsvolle Aufsicht. Um auf europäischer Ebene einheitliche Regeln zu schaffen, sollten Hedgefonds in die neue EU-Investmentfonds-Richtlinie einbezogen werden.

Schröders Ankündigung ist eine Kehrtwende in Sachen Hedgefonds. Erst Anfang 2004 hatte die rot-grüne Koalition die Fonds mit dem Investment-Modernisierungsgesetz aufgewertet. Seitdem können Anleger in Deutschland in Dach-Hedgefonds investieren. Die ersten Produkte kamen vor einem Jahr auf den deutschen Markt.

Hedgefonds an den meisten Dax-Konzernen beteiligt

CDU-Chefin Angela Merkel zeigte sich offen für die Initiative des Kanzlers. Wenn die Bundesregierung schärfere Kontrollregelungen plane, werde die Union dieses Vorhaben aufmerksam prüfen, sagte die Kanzlerkandidatin der Unionsparteien heute nach einer CDU-Präsidiumssitzung in Berlin.

Laut einer Umfrage der "Financial Times Deutschland" (FTD) halten die Investoren Anteile an mindestens 16 der 30 Unternehmen des Dax . Sieben Dax-Mitglieder halten es laut Zeitung zumindest für möglich, dass Hedge-Fonds zu ihren Aktionären gehören, sieben weitere Firmen hätten sich nicht dazu geäußert.

Zehn Mal mehr Fragen

"Die fragen zehn Mal mehr als andere Investoren"

Die Konzerne registrieren laut "FTD" zunehmend, dass die teils sehr aggressiv auftretenden Anleger Einfluss nehmen wollen. "Tatsächlich ist die Zahl der Fonds, die Aktien an uns halten, in den letzten Quartalen gestiegen", zitiert die Zeitung die Commerzbank . Adidas stelle seit 2001 fest, dass die Investoren sich immer stärker für den Sportartikelhersteller interessieren. Beim Chipkonzern Infineon  kauften sich die Fonds zum Börsengang im März 2000 ein.

Der Autobauer DaimlerChrysler  gehe davon aus, dass Hedgefonds mit 10 bis 15 Prozent beteiligt sind. Kürzlich kursierten Spekulationen, Hedgefonds hätten es darauf abgesehen, den Konzern zu zerlegen. Die Deutsche Bank enthielt sich bei der Umfrage - aber auch zu ihren Aktionären zählten Hedge-Fonds, wie Investor-Relations-Chef Wolfram Schmitt der "Wirtschaftswoche" sagte.

Zwar sehen die Firmen Hedgefonds oftmals als willkommenen Sparringspartner, der bohrende Fragen stellt. Hinter vorgehaltener Hand lassen Befragte aber ihren Ärger aus: "Wenn etwas los sein könnte, rufen die hier an und machen uns die Hölle heiß", zitiert die FTD den Mitarbeiter eines ungenannten Dax-Konzerns. "Die fragen zehnmal mehr als andere Investoren", sagt ein Branchenkenner.

Hedgefonds sind Geldanlageinstrumente mit unterschiedlichen Strategien. Sie wollen zumeist bei steigenden als auch fallenden Kursen Gewinne erzielen. Dabei wird auf eine Reihe von Anlageformen und Techniken gesetzt, etwa den Leerverkauf von Wertpapieren.

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