HVB/UniCredito 9000 Jobs auf der Streichliste

Die italienische Großbank UniCredito will nach der Übernahme der HVB das operative Ergebnis bis zum Jahr 2007 um mehr als die Hälfte steigern. Rund 9000 Arbeitsplätze sollen wegfallen, die meisten davon in Osteuropa und in Deutschland.

Mailand/München - 2007 soll das Betriebsergebnis ausgehend vom Proforma-Wert des vergangenen Jahres (7,6 Milliarden Euro) auf 11,8 Milliarden Euro steigen. Dies entspreche einer jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent oder insgesamt 55 Prozent. Dies geht aus einer am Montag im Internet veröffentlichten Analystenpräsentation hervor.

UniCredito bietet für die HVB gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa soll im Oktober abgeschlossen werden.

Ausführungsrisiko bei HVB-Aktionären

Nach Ansicht der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ist der Übernahmepreis für die HypoVereinsbank  indessen "kein Grund zur Euphorie".

"Die Prämie auf unseren fairen Wert von 18,50 Euro beträgt lediglich rund 10 Prozent und gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag nur 2 Prozent", hieß es in einer Studie vom Montag. Hinzu komme, dass das Ausführungsrisiko (sinkender Kurs der Aktie von UniCredito Italiano ) bei den HVB-Aktionären liege und deren Angebot schmälern würde.

Auf Grund des Risikos rechnet die LRP mit Gewinnmitnahmen, die zu schwächeren HVB-Kursen führen dürften.

Anleger nahmen den Fusionsplan jedoch zum Börsenstart am Montag wohlwollend auf. Im deutschen Aktienhandel legte die HVB-Aktie zeitweise um mehr als drei Prozent zu, in Mailand stieg der Kurs der UniCredito-Aktie um rund zwei Prozent.

Abbau von 9000 Stellen geplant

Abbau von rund 9000 Stellen geplant

UniCredito will nach der Übernahme der Münchener HVB insgesamt rund 9000 Arbeitsplätze streichen. Ein mit dem Vorgang vertrauter Manager sagte, etwa 2000 Arbeitsplätze sollten in Deutschland wegfallen.

Von dem Stellenabbau entfallen auf Deutschland wie auch auf Österreich jeweils sieben Prozent und auf Osteuropa neun Prozent, in Italien sollen zwei Prozent der Stellen wegfallen. Das Personal der internationalen Geschäftseinheiten soll um 33 Prozent reduziert werden.

Firmenchef Alessandro Profumo bestätigte der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Montagausgabe), der Stellenabbau werde etwa sieben Prozent der gemeinsamen Belegschaft betragen, was etwa 9000 Stellen entsprechen würde. "Es wird keine Einschnitte über Nacht geben, aber schon eine Verringerung", sagte Profumo, der als Vorstandschef auch die geplante gemeinsame Bank leiten wird.

Die fusionierte Bank wird zunächst etwa 127.000 Menschen beschäftigen, die HVB hat im Inland rund 26.000 Mitarbeiter.

Stellenabbau bis 2008

Profumo sagte weiter, der Stellenabbau solle in den kommenden drei Jahren abgeschlossen werden.

Der größte Teil der Streichungen beziehe sich auf nachgeordnete Bereiche wie etwa Abwicklung und Verwaltung. Für das Deutschland-Geschäft als ganzes hatten die Fusionspartner eine Bestandsgarantie für fünf Jahre vereinbart, so dass nicht Teile oder die gesamten Deutschland-Aktivitäten abgespalten oder verkauft werden können.

Nummer 9 auf dem Kontinent

Die HVB hatte am Sonntagabend angekündigt, sich als Juniorpartner mit dem italienischen Branchenprimus Unicredito zusammenzuschließen. Es handelt sich dabei um die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in der Geschichte Europas. Das neue Institut wird gemessen am Börsenwert die Nummer neun auf dem Kontinent sein. Insgesamt wird die Bank über 28 Millionen Kunden verfügen.

Die weltgrößte Rückversicherung Münchener Rück begrüßte den geplanten Zusammenschluss im Grundsatz. "Wir begrüßen die strategische Initiative unseres Kooperationspartners HypoVereinsbank zu einem grenzüberschreitenden Zusammenschluss", erklärte der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers, Nikolaus von Bomhard.

Die Münchener-Rück-Gruppe ist mit 18,3 Prozent an der HVB beteiligt. Umgekehrt hält die HVB rund zehn Prozent an der Münchener Rück sowie eine Beteiligung von fünf Prozent an Ergo.

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