Fußball-WM Wer zahlt, wenn ...

Die Fußball-WM in Deutschland ist auch für den WM-Versicherer Hamburg-Mannheimer ein Großereignis. Randale im Stadion zählt ebenso zu den Risiken wie Verletzungen von Fans und Fußballprofis. Gezahlt wird auch, falls es zu Bildstörungen kommt, der Pokal geklaut wird oder Deutschland gewinnt.

Hamburg - Es geht um viele Menschen und um viel Geld. Für den Veranstalter Fifa stehen bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland Einnahmen in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro auf dem Spiel. Das Organisationskomitee des Deutschen Fußball-Bundes (OK) muss als Ausrichter ein Budget von 430 Millionen Euro stemmen.

32 Nationalmannschaften werden in 64 Spielen den Fußball-Weltmeister ermitteln: In den zwölf deutschen WM-Stadien werden rund 750 der weltbesten (und bestbezahlten) Fußballer sowie etwa drei Millionen Zuschauer zusammenkommen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn es auf dem Rasen und den Rängen zu Tumulten kommt ...

"Kumul-Risiken" nennen Versicherer das. Doch selbst bei einer fröhlich-friedlichen WM kann noch vieles schief gehen: "Fast alle Beteiligten sichern sich bei der Hamburg-Mannheimer ab", sagt Vorstandsmitglied Jürgen Engel. Die Tochter der Ergo-Versicherungsgruppe ist offizieller Versicherer der WM 2006 und über die Tochtergesellschaft Hamburg Mannheimer Sports auch einer der nationalen Förderer. Zu ihren Kunden zählen all diejenigen, die Geld verlieren, wenn das Turnier nicht abläuft wie geplant.

Die Risiken sind zahlreich und können teuer werden. Der folgende Überblick zeigt, wer zahlt, wenn ....

... die WM verschoben wird

... die WM ausfällt oder verschoben wird

Eine Absage der kompletten Veranstaltung ist das Horrorszenario für alle Beteiligten. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, sehr gering.

"Denkbar ist dennoch, das auf Grund politischer Krisen oder Terror-Gefahr die WM um ein Jahr verschoben oder in ein anderes Land verlegt werden muss", sagt Engel.

Das Organisationskomitee des DFB hat sich daher mit einer Deckungssumme von 158 Millionen Euro abgesichert: Diese Summe würde die Hamburg Mannheimer Sports als Versicherer nicht allein übernehmen, da sie sich das Risiko mit mehreren Partnern (darunter Arag, Continentale und einige Rückversicherer) teilt.

... sich ein Zuschauer verletzt

... sich ein Zuschauer im Stadion verletzt

Ausschreitungen im Stadion und Angriffe von Hooligans sind ein Alptraum. Doch ein Zuschauer kann auch auf dem Weg zur Stadiontoilette die Treppe herunterstürzen und sich ein Bein brechen, oder eine Gruppe Randalierer kann die Würstchenbude am Stadionaufgang demolieren.

Gegen diese Risiken - wenn Teile des Stadions zerstört werden oder Menschen zu Schaden kommen - müssen sich die Betreiber der zwölf WM-Stadien sowie der DFB als Ausrichter mit einer Haftpflichtversicherung absichern: Die Fifa schreibt vor, dass im Jahr 2006 derlei Schäden mit einer Summe von 140 Millionen Euro abgesichert werden. Hinzu kommen 35 Millionen Euro von der Fifa.

Weitere zehn Millionen Euro Deckungssumme sind für die zusätzliche Zuschauerversicherung vorgesehen: Der Stadionbesucher ist in dem Moment, in dem er mit einer gültigen Eintrittskarte das Stadion betritt, unfall- und rechtsschutzversichert. Bei einer Invalidität durch einen Unfall im Stadion hat er Anspruch auf bis zu 50.000 Schweizer Franken, bei Vollinvalidität sind es 100.000 Schweizer Franken. Dabei spielt die Frage, wer den Unfall verursacht hat, keine Rolle.

Wird der Stadionbesucher Opfer eines Hooligan-Angriffs, kann er mit Hilfe seiner Rechtschutzversicherung außerdem Schadenersatz geltend machen. Der Veranstalter Fifa zahlt diese beiden Varianten der Zuschauer-Versicherung (daher die Angaben in Schweizer Franken) und finanziert sie aus den Ticketerlösen. Wer allerdings auf dem Weg zum Stadion, das heißt außerhalb der Stadiontore Opfer eines Unfalls oder Übergriffs wird, kann sich nicht auf diese Zuschauerversicherungen berufen. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.zuschauerversicherung.de .

... ein Spieler Invalide wird

... ein Spieler zum Sportinvaliden wird

Szenarien, die hoffentlich allen Aktiven der WM erspart bleiben: Spielmacher Michael Ballack wird im ersten Spiel der deutschen Mannschaft gefoult, verletzt sich schwer, fällt monatelang aus. Oder ein Spieler wird auf dem Rasen oder auf dem Weg zum Bus von einem Fan angegriffen, der durch die Reihen der Sicherheitsdienste geschlüpft ist.

Für den Fall von Verletzungen sind fast alle hoch bezahlten Fußballstars grundsätzlich versichert: Werden die Stars für ein Turnier wie die Weltmeisterschaft abgestellt, greift eine zusätzliche Versicherung des nationalen Fußballverbandes, die im Ernstfall die Auszahlungssumme erhöht. Die Summen schwanken je nach individueller Versicherung des Spielers jedoch stark.

... es eine TV-Bildstörung gibt

... es eine TV-Bildstörung gibt

Viele Milliarden TV-Zuschauer wollen die Fußball-WM an den Bildschirmen verfolgen. Sponsoren und Werbetreibende verlassen sich darauf, dass die Spiele samt Werbepausen in bester Qualität übertragen werden und auch die Werbebanden während und nach dem Spiel gebührend zur Geltung kommen.

Für die Bilder aus den WM-Stadien ist die Schweizer Firma Host Broadcast Services (HSB) zuständig: Fällt ein TV-Satellit aus oder blockiert ein Zuschauer ein Übertragungskabel, könnte es zu Bildstörungen und damit zu Regressansprüchen der Sponsoren gegen den betroffenen Sender kommen.

Gegen dieses Risiko sichert sich HSB bei Hamburg Mannheimer Sports ab - ein schwarzer Bildschirm in der 90. Minute wäre nicht nur für den Zuschauer äußerst ärgerlich. Deutschland hat als Gastgeberland außerdem einen guten Ruf zu verteidigen: Seit der WM 1974 in Deutschland werden die Spiele in Farbe übertragen.

... der WM-Pokal gestohlen wird

... der WM-Pokal gestohlen wird

Der Weltpokal der Fifa, der "Jules-Rimet-Pokal" hat einen Materialwert von 350.000 Euro - und wurde über die entsprechende Summe versichert. Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass der "Pott" schon zweimal entwendet wurde.

1666 kam er während einer Ausstellung in London abhanden, und WM-Gastgeber England konnte erst wieder aufatmen, als ein Hund namens Pickels den Weltpokal wenige Tage später unter einem Busch in einem Vorgarten im Süden Londons wieder aufgespürt hatte.

Vier Jahre später gewann Brasilien zum dritten Mal den Titel, der Pokal ging daraufhin in brasilianischen Besitz über - und wurde erneut gestohlen. Da auch Pickels nicht mehr helfen konnte, wird seitdem ein neuer Weltpokal weitergereicht.

... Sepp Blatter aus der Kurve rutscht

... Sepp Blatter im Wagen aus der Kurve rutscht

Der Fifa-Präsident ist nicht der einzige Gast während der Fußball-WM, der besonderer Zuwendung bedarf. 16.000 Ehrengäste und zahlreiche Verbandsfunktionäre wollen betreut und verpflegt werden.

Dafür ist zum Beispiel die Firma "ISE Hospitality" zuständig. Zusätzlich kümmern sich 200 Dolmetscher, 250 Hostessen, 300 Mitarbeiter des DFB-Organisationskomitees sowie weitere rund 10.000 Helfer in den Stadien um einen reibungslosen Ablauf.

1000 Fahrer sowie 900 Fahrzeuge des WM-Sponsors Hyundai sichern die Mobilität der besonders wichtigen WM-Gäste: Natürlich muss auch diese WM-Fahrzeugflotte gegen Unfall und mögliche Schäden versichert werden.

... Deutschland Weltmeister wird

... Deutschland Weltmeister wird

Auch gegen einen Erfolgsfall kann man sich theoretisch absichern: Gewinnt die deutsche Nationalelf das Finale, kommen auf den DFB höhere Kosten (Prämien, Unterbringung usw.) zu. Die Handelskette Media Markt hatte während der vergangenen EM damit geworben, für alle am 1. Juni 2004 gekauften Fernsehapparate den Kaufpreis zu erstatten, falls Deutschland Europameister wird.

Ein solches Kostenrisiko sichert eine so genannte Prize-Indemnity-Versicherung ab. Ob Media Markt, deren Kampagne im Nachhinein gerichtlich verboten wurde, eine solche Versicherung abgeschlossen hat, ist nicht bekannt: Deutschland kam gar nicht ins Finale. Aber das kann bis 2006 ja noch werden.