HVB München soll UniCredito-Standort werden

Noch sind die Fusionsgespräche zwischen der HypoVereinsbank und UniCredito nicht abgeschlossen, schon sickern Details über die künftige Konzernstruktur aus dem Kreis der beteiligten Manager. Der neue europäische Bankenriese soll gleich von drei Standorten aus gesteuert werden: Aus Mailand, Wien - und München.

Hamburg - Die ersten Details aus den Fusionsgesprächen der UniCredito Italiano  und der kleineren HypoVereinsbank (HVB)  werden bekannt. Das Geschäft des neuen Geldhauses soll offenbar auf drei wichtige Firmenstandorte verteilt werden: Auf den Standort Mailand, dem UniCredito-Sitz, sowie den bisherigen HVB-Hauptsitz München, der das Deutschland-Geschäft und die wichtigen Sparte Großkunden und Kapitalmarkt erhalten soll; in diesem Geschäftsbereich arbeiten bisher allein 2000 Menschen bei der HVB. Dazu komme der Firmenstandort Wien, von wo aus die starken Aktivitäten beider Banken im lukrativen osteuropäischen Markt gesteuert werden könnten.

Unklar sei allerdings noch, ob das Osteuropa-Geschäft bei der bisherigen HVB-Tochter Bank Austria angesiedelt oder in eine andere Rechtsform gebracht wird, hieß es in den Kreisen. Die Bank Austria pocht stark auf ihre Autonomie und die Zuständigkeit für Osteuropa, die ihr von der HVB vertraglich zugesichert wurde.

Italiener leitet die Bank

In Branchenkreisen war bisher spekuliert worden, dass UniCredito möglicherweise nur am lukrativen Osteuropageschäft der HVB interessiert sein könnte, nicht aber an den renditeschwachen Deutschland-Aktivitäten. Die Arbeitnehmervertreter im HVB-Aufsichtsrat kündigten daher an, der Übernahme nur zuzustimmen, wenn UniCredito sich klar zum Deutschlandgeschäft bekennt.

Klar ist nach Angaben von Managern bereits auch, dass HVB-Chef Dieter Rampl dem Board der gemeinsamen Bank vorstehen soll. Bei diesem Leitungsgremium handelt es sich um eine Mischung aus Vorstand und Aufsichtsrat deutscher Prägung. Vorstandsvorsitzender soll UniCredito-Chef Alessandro Profumo werden. Als gesetzt gilt auch HVB-Vorstand Stefan Jentzsch für die gemeinsame Corporates & Markets-Sparte. Sehr wahrscheinlich werde zudem HVB-Vorstand Michael Kemmer das Risikomanagement der neuen Gruppe leiten. Chancen habe zudem Johann Berger für das Firmenkundengeschäft.

Fünf Italo-Aktien für ein Bayern-Papier

Nicht auf Gruppenebene im Vorstand vorgesehen ist nach den Angaben aus den Kreisen ein Sitz für das Deutschland-Geschäft, so dass die erst dieses Jahr zur HVB gekommene frühere Citibank-Chefin Christine Licci keine Position auf Konzernebene bekommen dürfte. UniCredito und HVB lehnten Stellungnahmen ab.

UniCredito braucht offenbar für die Übernahme der HVB kein frisches Geld von ihren Anteilseignern. Zwar würde UniCredito für die Übernahme der HVB neue Aktien für einen Aktientausch ausgeben, also faktisch das Kapital erhöhen, verlautete aus Verhandlungskreisen. Jedoch würden die Aktionäre nicht um das Zeichnen neuer Aktien gebeten.

Fünfe für eine

Im Gespräch sei momentan ein Aktientausch von etwa fünf UniCredito-Anteilen für eine HVB-Aktie. Eine denkbare zusätzliche Barkomponente hänge auch vom Verlauf der Aktienkurse bis zum Schluss ab, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter Manager.

Der Zusammenschluss der größten italienischen mit der zweitgrößten deutschen Bank soll angeblich auf einer Pressekonferenz am Montag in München bekannt gegeben werden. Die HVB wollte den Termin nicht bestätigen. Die neue, fusionierte Bank würde nach Marktwert und Bilanzvolumen zu den zehn größten Banken in Europa gehören.

An der Börse gab der Kurs der HVB-Aktie am Donnerstag in einem stabilen Markt um ein Prozent auf 20,20 Euro nach. Die UniCredito-Aktie dagegen legte in Mailand leicht um 0,2 Prozent auf 4,16 Euro zu.

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